Nur für Dich (2007; Tokio Hotel)

  1. Autor: Novy
  2. Art der Story: Slash, Lemon
  3. Hauptpersonen: Bill, Georg (und der Rest der TH-Bande ;)) 
  4. Rating: PG 16
  5. Warnungen: –
  6. Disclaimer: Die gesamte Story ist frei erfunden, keiner der Charas, die echt existieren, gehören mir, ebenfalls keine Orte
  7. Claimer: Jimmy, die Idee allgemein
  8. Summary:-

 

„Du bist spät heute!“, stellte Georg Listing grinsend fest, als er die Tür geöffnet hatte. Sein Gegenüber verdrehte die Augen; in Georgs Augen die schönsten Augen überhaupt. „Tom hat mich aufgehalten.“, erklärte Bill Kaulitz und trat in das Zimmer, woraufhin Georg die Tür wieder abschloss und sich zu ihm drehte. „Mein Brüderchen hatte ja solchen Liebeskummer und musste sich ausheulen… Tja, ich hab ihn gewarnt… Wenn er unbedingt was mit Fans haben muss ist er selber schuld…“ Bill strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächelte. Er trat einen Schritt auf den ebenfalls lächelnden Georg zu, und sie küssten sich leidenschaftlich. „Konntest du ihn wenigstens beruhigen?“, fragte Georg, während er Bill an den Händen nahm und ihn zu seinem Bett zog. „Na ja, so halbwegs. Ist jedenfalls wieder abgehauen.“, erzählte Bill und begann wieder damit, Georg zu küssen. Georg legte seine Arme um ihn und streichelte sanft über Bills Rücken. Bills Lippen wanderten zu Georgs Hals, während er seine eine Hand unter dessen T-Shirt schob und mit der anderen durch Georgs Haare fuhr. Georg nahm den Saum von Bills T-Shirt und zog es ihm über den Kopf. Weiterhin streichelte er sanft Bills Rücken. Bill hatte inzwischen Georgs T-Shirt hoch geschoben und bedeckte seinen Oberkörper mit kleinen Küssen, während er seine Hand in dessen Boxershorts gleiten liess. Georg stöhnte leise auf. Er vergrub seine Hände in Bills Haaren. Bill lächelte und küsste sich weiter hinunter, was Georg beinahe um den Verstand brachte. Er krallte sich in Bills Haaren fest, sein Atem wurde schneller. Bill war inzwischen zwischen seinen Beinen angelangt und hatte Georgs bestes Stück mit seinen Lippen umschlossen. Mit der Zunge strich er sanft über die Spitze. „Verdammt, Bill…“, entfuhr es Georg. Er hatte das Gefühl, jeden Moment innerlich zu explodieren, wenn Bill so weitermachte. Kurz richtete er sich auf und packte Bills Schultern, zog ihn zu sich hoch und drehte sich um. Noch immer lächelte Bill. Georg fuhr mit seinen Lippen sanft über Bills Brust. Mit der Hand strich er über Bills Oberschenkel. Bill keuchte leise auf, als Georgs Hand wieder nach oben strich und zwischen seinen Beinen liegen blieb. Georg bewegte sie langsam auf und ab. Bills Herz klopfte so laut, als ob es jeden Moment zerspringen würde, und sein Atem wurde schneller. Georg fuhr mit seiner Hand wieder hoch und zog Bills Boxershorts hinunter. Seine Zunge umspielte Bills Bauchnabel, bevor er sie tiefer Regionen von Bills Körper erforschen liess. Bill stöhnte leise auf. „Nicht aufhören…“ Das liess sich Georg nicht zweimal sagen. Er intensivierte das Spiel mit Zunge und Lippen, während Bills Atem schneller und schneller wurde. Er warf seinen Kopf nach hinten, und mit einem letzten aufstöhnen erschlaffte sein Körper. Noch immer hob und senkte sich seine Brust schnell, schien sich aber langsam zu beruhigen. Georg robbte nach oben und schmiegte sich an Bill, welcher ihn leidenschaftlich küsste. Noch immer lächelte Bill. „Ich liebe dich! Ganz egal was auch passiert!“, flüsterte er in Georgs Ohr. Dieser schloss ihn ebenfalls lächelnd in die Arme. „Ich liebe dich auch, und ich will dich niemals verlieren!“, flüsterte er zurück. Eng aneinander gekuschelt schliefen die beiden schliesslich ein. Um 7:00 Uhr morgens klingelt Georgs Wecker. Georg schaltete ihn etwas vor sich hin murmelnd aus und knipste das Nachttischlämpchen an. Er kniff die Augen zusammen und liess sich noch einmal kurz in sein Kissen zurückfallen, bevor er sich aufrichtete. Bill schlief noch immer tief und fest, und es tat Georg leid, ihn aufwecken zu müssen. Sanft streichelte er ihm über die Wange und küsste ihn vorsichtig. Bill begann sich zu regen. Er öffnete die Augen, und als er Georg sah, lächelte er. „Morgen!“, flüsterte er. „Morgen.“, antwortet Georg, „Du solltest wohl langsam in dein Zimmer zurück.“ Bill verzog das Gesicht. „Jetzt, wo es gerade so schön gemütlich war…“, meinte er und umarmte Georg. Dann kletterte er verschlafen aus dem Bett, suchte seine Kleider zusammen, zog sich an und ging zur Tür. Während er sie öffnete, drehte er sich noch einmal zu Georg um. „Bis später!“ Er lächelte noch einmal und ging dann aus dem Zimmer. Georg sah noch eine Weile auf die geschlossene Tür, bevor er sich wieder in die Kissen fallen liess und weiterschlief.

 

Das nächste, was Georg mitbekam, war ein Poltern an der Zimmertür. „Georg, du Penntüte! Jetzt steh schon auf!“, hörte er Toms Stimme von der Tür. Georg drehte sich auf die Seite und schaltete das Licht ein. Sein Wecker, welcher er nicht eingeschaltet hatte, zeigte 08:15 Uhr. Georg schloss noch einmal die Augen. Einige Sekunden später stand er auf und zog sich an. Dann ging er aus dem Zimmer in den Speisesaal hinunter, wo Gustav, Bill und Tom bereits am Tisch sassen. „Morgen.“, murmelte er und setzte sich auf den freien Stuhl neben Tom. „Morgen!“, antwortete Gustav fröhlich, während Bill und Tom weiterhin schwiegen und lustlos auf ihren Brötchen rumknabberten. Georg nahm sich ebenfalls ein Brötchen und begann zu essen. Tom stand auf. Er murmelte etwas von „Tasche packen“ und ging dann aus dem Zimmer. Gustav folgte ihm nach einigen Minuten, sodass Bill und Georg alleine zurückblieben. Sie lächelten einander kurz zu und standen dann ebenfalls auf. Schweigend gingen sie in ihre Zimmer zurück. „Aaah, verdammt!“, fluchte Bill, als sich der Reissverschluss seiner Reisetasche auch beim dritten Versuch nicht schliessen liess. „Brauchst du Hilfe?“ Bill drehte sich. Georg stand im Türrahmen und grinste. Bill sah ihn dankbar an. Er stand auf. „Kannst du mal versuchen, ob du meine Tasche zukriegst?“, fragte er und trat einige Schritte zurück. „Klar!“, meinte Georg lächelnd. Er schloss die Zimmertür und stellte seine Reisetasche, welche er über der Schulter trug, davor. Dann ging er zu Bills Tasche und kniete sich vor ihr auf den Boden. Er zog und zerrte an den Reisverschlüssen, welche sich keinen Millimeter bewegten. Schliesslich sah er Bill grinsend an. „Setz dich mal drauf!“, meinte er. Bill sah ihn einen Moment überrascht an und tat dann, was ihm befohlen wurde. Endlich liess sich der Reissverschluss schliessen. „So, geschafft!“, verkündete Georg grinsend. Bill lächelte und umarmte ihn. „Danke!“, meinte er und küsste Georg sanft, „Was würde ich nur ohne dich machen!“ Georg grinste. „Nun, wahrscheinlich würdest du immer noch fluchend vor deiner Tasche sitzen.“, meinte er und umarmte Bill. Kurz darauf versuchte jemand, die Zimmertür zu öffnen, was jedoch nicht ging, da Georgs Tasche davor stand. Georg grinste und stand auf. Dann zog er seine Tasche zur Seite. Die Tür flog auf, und Tom kam ins Zimmer. „Na, seid ihr fertig?“, meinte er grinsend. Bill und Georg nickten. Gleich darauf erschien auch Gustav in der Tür. Bill und Georg schnappten ihre Taschen und gingen aus dem Zimmer. Eine halbe Stunde später sassen die vier bereits im Tourbus, unterwegs zum nächsten Konzert. Die Fahrt dauerte vier Stunden, bevor sie die Stadt erreichten. Bereits standen Hunderte von Fans vor den Eingängen einer völlig ausverkauften Konzerthalle und warteten auf die Türöffnung. Doch da es noch einige Stunden dauerte, bis das Konzert beginnen würde, wurden Gustav, Georg, Bill und Tom zuerst in ihr Hotel gefahren, damit sie sich noch ein wenig von der Fahrt erholen konnten. Georg schloss die Tür zu seinem Zimmer auf und stellte seine Tasche auf den Boden. Er liess sich erst mal auf sein Bett fallen und blieb einige Minuten regungslos liegen. Dann machte er sich daran, das Hotelzimmer zu erkunden. Es handelte sich um ein grosses, nobel eingerichtetes Doppelzimmer mit einem kleinen Balkon, von dem man Ausblick auf einen Fluss hatte, auf dem ab und zu kleinere und grössere Motorbote vorbeifuhren. Georg öffnete die Tür und trat hinaus. Er atmete tief ein. In der Nähe war Verkehrslärm zu hören. Georg begann zu frösteln und ging wieder ins Zimmer. Als nächstes öffnete er die Tür, welche ins Bad führte. Er schaltete das Licht ein. Das Badezimmer war, im Gegensatz zum restlichen Zimmer, ziemlich schlicht. Alles war in weiss gehalten, und neben dem Waschbecken hingen frische Handtücher und Waschlappen. Georg sah sich das Bad kritisch an und ging dann wieder ins Zimmer zurück. Als nächstes öffnete er einen Schranktür, hinter der sich die Minibar befand. Georg grinste. Neben dem üblichen Inhalt einer Minibar erhielt sie einige Dosen Red Bull und eine Flasche Cola light, welche Georg sogleich herausholte. Er griff zudem noch nach einem Glas, und nach einigem überlegen nahm er noch eine Büchse Red Bull aus der Bar. Da er die Hände voll hatte, liess er die Tür der Minibar einfach zufallen und stellte die Sachen auf einen kleinen runden Tisch in der Nähe des Fensters. Dann goss er sich ein Glas Cola ein und setzte sich auf einen Stuhl. Erwartungsvoll blickte er zur Tür, welche sich wenige Sekunden später öffnete. Bill, von einem Ohr zum anderen grinsend, kam herein und schloss die Tür hinter sich ab. Er sah sich einen Moment in Georgs Zimmer um, betrat ebenfalls den Balkon und das Bad, bevor er sich zu Georg, welcher inzwischen auf dem Bett lag, gesellte. „Und, ist es grösser?“, fragte Georg spöttisch. Bill schüttelte grinsend den Kopf. „Meins ist genau gleich.“, erklärte er und nahm die Red Bull-Dose, welche Georg ihm hinhielt. Er öffnete sie und nahm einen grossen Schluck. „Gusti und Tom sehen sich gerade das Hotel an. Ich hab ihnen gesagt, ich will noch etwas pennen.“, erklärte er und kuschelte sich an Georg. Dieser legte seinen Arm um ihn. „Denkst du, sie ahnen was?“, fragte er und sah Bill ernst an. Dieser schüttelte den Kopf. „Ich glaube nicht… Ich meine, wie auch? Es hat uns ja nie wer erwischt oder so…“ Georg zuckte mit den Schultern. „Ich dachte nur, weil wir immer hier bleiben wenn sie was machen. Das ist ja bestimmt auffällig…“ Bill streichelte ihm über die Wange. „Mach dir keine Sorgen, Süsser!“, meinte er und küsste Georg sanft. Dieser entspannte sich sofort und vergass seine Sorgen.

 

Gegen 16:00 Uhr gab Bill Georg einen Abschiedskuss und ging in sein eigenes Zimmer zurück. Georg blieb noch eine Weile auf seinem Bett liegen, bevor er aufstand und kurz unter die Dusche sprang. Danach zog er die Kleider für den bevorstehenden Auftritt an, stylte sich und machte sich gegen 17:00 Uhr auf den Weg in die Hotellobby. Im Flur begegnete er Bill, und gemeinsam gingen sie nach unten. Einige Minuten später kamen auch Gustav und Tom, und sie wurden von ihren Bodyguards zum Tourbus geführt. Nach ungefähr zehn Minuten erreichten sie die Konzerthalle und wurden in ihre Garderobe geführt. Die vier alberten herum, und schliesslich machten sie sich auf den Weg zur Bühne. Es dauerte noch ungefähr zehn Minuten, bis das Konzert beginnen würde. Sie waren kurz vor dem Eingang zum Raum direkt hinter der Bühne, man konnte die Fans bereits kreischen hören. Georg wollte gerade eintreten, als ihn jemand am Oberarm packte und in einen dunklen Zwischengang zog. Gleich darauf küsste ihn jemand leidenschaftlich. Ohne etwas zu sehen wusste Georg, wer es war und erwiderte den Kuss. Er grinste. „Tut mir Leid, aber das musste sein…“, meinte Bill leise und streichelte über Georgs Wange. Georg lächelte und zog Bill an sich. „Du bist süss!“, meinte er, und Bill lachte leise. Gleich darauf liess er Georg los und verschwand im Raum. Georg blieb noch eine Weile an die Wand gelehnt stehen und ging dann ebenfalls hinter die Bühne. Keiner schien bemerkt zu haben, dass er und Bill für einen Moment verschwunden waren. Er bekam seinen Bass in die Hände gedrückt und wurde auf die Bühne geschickt. Noch immer hatte er ein Kribbeln im Bauch, welches von Bills Kuss ausgelöst wurde. Sie begannen zu spielen, und gleich darauf ertönte Bills Stimme aus den Lautsprechern. Zwei Stunden später war alles vorbei. Die Halle war wie ausgestorben, und nur noch der Müll, welcher herumlag, erinnerte daran, dass vor wenigen Minuten ein Konzert der zu Zeit erfolgreichsten Band Deutschlands stattgefunden hatte. Bill, Tom, Georg und Gustav sassen bereits wieder im Tourbus auf dem Rückweg zum Hotel, vor dem bereits eine Horde Fans auf sie warteten. Nach einigen hundert Fotos, Autogrammen und kurzen Gesprächen mit den Fans durften die vier endlich ins Innere der Hotels. Gustav, Tom und Bill waren noch völlig aufgekratzt, aber Georg hatte das Gefühl, jeden Moment im Stehen einzuschlafen. Sie blieben im Eingansbereich stehen, und Georg bekam nicht wirklich mit, worüber die anderen redeten. „Georg, kommst du auch noch was trinken?“, wandte sich Gusti schliesslich direkt an ihn. Georg schüttelte den Kopf. „Ich will nur noch ins Bett.“, meinte er. Bill sah ihn besorgt an, doch Georg gab ihm mit einem Blick zu verstehen, dass alles in Ordnung war. Er ging die Treppe hoch, welche ihm endlos erschien, und warf sich schliesslich in seinem Zimmer aufs Bett. Das Konzert hatte seine gesamte Energie benötigt, und er hatte das dringende Bedürfnis, mindestens zwölf Stunden durchzuschlafen. Aber da er noch damit rechnete, dass er Besuch von Bill erhalten würde, füllte er sein Glas mit Cola und schaltete den Fernseher ein. Es fiel ihm schwer, die Augen offen zu halten. Schliesslich döste er kurz ein und wachte kurz darauf auf, weil es an seine Tür klopfte. Er schaute erwartungsvoll zur Tür, doch es passierte nichts. Schliesslich klopfte es erneut. Georg stand auf und öffnete mit einem „Wieso kommst du denn nicht rein?“ die Tür. Doch dann riss er überrascht die Augen auf. „Oh, ähm… Ich dachte, du wärst jemand anderes…“, meinte er und wurde leicht rot im Gesicht. Sein Gegenüber, Bodyguart Jimmy, grinste. „Du hast dich wohl in der Tür geirrt.“, meinte Georg freundlich und wollte die Tür wieder schliessen, doch Jimmy hielt seinen Fuss zwischen die Tür. „Was soll das?“, fragte Georg empört. Jimmy stiess die Tür auf, und Georg trat erschrocken einige Schritte zurück. „Was willst du hier?“, fragte er und versuchte, mutig zu klingen. „Ich muss da mal was mit dir besprechen.“, meinte Jimmy und schloss die Zimmertür ab. Den Schlüssel steckte er in seine Hosentasche. Georg beobachtete ihn misstrauisch. „Es geht um dich und Bill.“, meinte Jimmy und grinste fies. Georg sah ihn ungläubig an. „Du brauchst dich gar nicht rauszureden, ich weis, dass ihr was miteinander hab.“, verkündete Jimmy, „Aber ich nehme an, du willst nicht unbedingt, dass es an die Presse gelangt, oder?“ Er trat auf Georg zu, welcher zurückwich. „Irgendwann würde es sowieso rauskommen.“, meinte Georg und versuchte, gelassen zu klingen. Allerdings konnte er ein Zittern in seiner Stimme nicht verhindern. Jimmy machte noch einmal einige Schritte auf Georg zu, welcher nun an der Wand stand und somit in der Falle sass. Jimmy stand nun direkt vor Georg „Aber du willst doch bestimmt nicht, dass Billy etwas passiert, oder?“, flüsterte er ihm drohend ins Ohr. Georg schüttelte den Kopf, und Jimmy grinste. Er legte seine Hände auf Georgs Oberkörper und strich darüber. „Lass das!“, meinte Georg und versuchte, Jimmys Hände wegzuschieben. Doch bevor er reagieren konnte, hatte auch schon ein Faustschlag sein Gesicht getroffen. „Wenn du mir nicht gibst, was ich brauche, wird Billy was zustossen.“, flüsterte Jimmy. Georg bekam es mit der Panik zu tun. „Und was willst du? Geld?“, fragte er. Doch Jimmy schüttelte den Kopf. „Nein.“, er strich über Georgs Wange, worauf dieser den Kopf wegdrehte. „Ich will nur dich!“ Er legte seine Hände wieder auf Georgs Oberkörper. „Und wenn du dich wehrst…“, meinte er grinsend und strich mit seinen Händen abwärts, „Wird dir der Schlag von vorhin wie ein sanftes Streicheln vorkommen… Und jetzt los, zieh dich aus!!“

 

Georg kniete hustend und würgend vor der Kloschüssel. Er zitterte am ganzen Körper. Es hatte Jimmy längst nicht gereicht, ihn überall zu berühren, sondern plötzlich seine Hose aufgemacht und Georgs Kopf nach unten gedrückt. Dabei sprach er Drohungen aus, die er, wie Georg am eigenen Leib erfahren hatte, sogar sehr ernst meinte. Georg hatte getan was er verlangte, sich sein T-Shirt wieder übergezogen und auf dem direkten Weg ins Bad gerannt. Hätte Jimmy nur ihn bedroht, wäre er auf dem direkten Weg zur Polizei gegangen, doch da er gedroht hatte, Bill etwas anzutun, würde dies nicht in Frage kommen. Lieber setzte er sich den Schlägen und anderen Demütigungen von Jimmy aus, als dass er riskieren würde, dass Bill etwas zustösst. Georg hörte Schritte hinter sich, und gleich darauf eine Hand, die seinen Rücken berührte. Er zuckte zusammen. „Hey, ist alles OK?“, hörte er Bill sagen. Er drehte sich um und sah in dessen besorgtes Gesicht. Erleichtert nickte er. Bill stand auf und füllte eines der Zahngläser mit Wasser. Er reichte es Georg, welcher sich den Mund ausspülte, einige Schlucke trank und dann immer noch zitternd aufstand. Bill nahm ihn am Arm und führte ihn zum Bett. Georg legte sich hin und zog die Decke bis zum Hals. Noch immer zitterte er. Bill setzte sich zu ihm ans Bett und strich ihm durch die Haare. Noch immer sah er besorgt aus. „Ich glaube, ich gehe besser wieder in mein Zimmer… Damit du dich ausruhen kannst.“, meinte er und küsste Georg auf die Stirn. Dann ging er zur Tür, war noch einmal einen besorgten Blick zurück und verliess dann das Zimmer. Als Bill verschwunden war, liefen Georg auf einmal Tränen über die Wangen, und er schluchzte leise in sein Kopfkissen. Erst jetzt realisierte er richtig, was eigentlich passiert war, und bekam ein schlechtes Gewissen. Ich habe ihn betrogen…, schoss es ihm durch den Kopf, Bill hat so was wie mich nicht verdient… Georg machte die ganze Nacht kein Auge zu. Als er um acht Uhr aufstand und in den Spiegel sah, hätte er sich beinahe nicht wiedererkannt. Er war total bleich im Gesicht und hatte tiefe Ringe unter den Augen. Auf seiner Wange hatte sich von Jimmys Schlag ein blauer Fleck gebildet und er hatte noch keine Ahnung, wie er diesen verbergen sollte. Gerade als er sich fertig angezogen hatte und begann, seine Sachen in die Tasche zu stopfen, klopfte es an die Tür und Bill kam hinein. Noch immer sah er besorgt aus. „Na, geht’s dir wieder besser?“, fragte er. Georg nickte und vermied es möglichst, Bill anzusehen. Dieser kam auf ihn zu und ging neben ihm in die Knie. Dabei legte er seinen Arm um Georg, was diesen zusammenzucken liess. „Du siehst schlecht aus.“, meinte Bill, als er sah, wie bleich Georg war. „Ist irgendwas?“, fragte er schliesslich, als er bemerkte, dass Georg Blickkontakt vermied. Georg senkte den Kopf und starrte einige Sekunden auf seine Tasche. Dann stand er auf. „Bill, ich… Es geht nicht mehr mit uns.“, meinte er und wich Bills Blicken aus. Dieser starrte ihn erschrocken an; er hatte mit allem gerechnet, nur nicht damit… „Aber… Warum?“, meinte er und klang verzweifelt. Georg schwieg und starrte auf seine Füsse. „Sag doch endlich, was los ist!!“, schrie Bill ihn an, was Georg die Tränen in die Augen trieb. „Ich… ich liebe jemanden anderes.“, brachte Georg schliesslich hervor. Bill sah ihn entsetzt an, Tränen liefen über seine Wangen. „Wie lange schon?“, fragte er kühl, doch seine Stimme zitterte. „Ein paar Wochen, vielleicht ein Monat.“, meinte Georg und wandte sich wieder seiner Tasche zu. Bill sah ihn an, er bewegte seine Lippen, ohne dass ein Wort rauskam. Dann drehte er sich um und ging zur Tür. Bevor er aus dem Zimmer ging, drehte er sich noch einmal um. „Ich hasse dich!“ Georg rührte sich nicht. Erst das Zuknallen der Zimmertür liess ihn aus seiner Starre erwachen. Mit zitternden Händen packte er die restlichen Sachen ein. Inzwischen liefen auch ihm Tränen über die Wangen. Bis zur letzten Minute blieb er in seinem Zimmer und reagierte auch nicht, als Tom an die Tür klopfte, um ihn zum Frühstück zu holen. Er würde Bill so gut wie möglich ausweichen, auch wenn dies in manchen Situationen unmöglich werden würde. Georg legte sich noch einmal in sein Bett und liess seinen Tränen freien Lauf. Erst als es nur noch wenige Minuten dauerte bis sie losfahren würden, schulterte er seine Tasche und ging in die Lobby hinunter.

 

Bill ging auf dem direkten Weg in sein Zimmer zurück und warf sich aufs Bett. Noch immer konnte er nicht glauben, was Georg ihm soeben gesagt hatte. Es geht nicht mehr mit uns. Ich liebe einen anderen. Die Worte schwirrten wieder und wieder durch seinen Kopf. Er presste sein Gesicht ins Kopfkissen. Bitte lieber Gott, lass das alles nur ein Traum sein!! flehte er in Gedanken. Wie durch dichten Nebel bekam er mit, dass es klopfte und sich die Zimmertür öffnete. Tom trat ein und starrte verwundert auf seinen Bruder. Langsam ging er zu ihm und setzte sich neben ihm aufs Bett. Er legte seine Hand auf Bills Rücken. „Hey Kleiner, was ist los?“, fragte er. Bill hob den Kopf und wischte sich Tränen aus dem Gesicht. Tom sah ihn fragend an. „Ist ne lange Geschichte.“, meinte er, „Und ich weiss nicht, ob du es verstehen würdest…“ Er drückte sein Gesicht wieder ins Kissen. Tom strich ihm über den Rücken. „Versuchs einfach.“, meinte er. Bill nickte und erzählte Tom die ganze Geschichte. Er erfuhr, wie Bill mit Georg zusammen gekommen war, was bereits mehr als ein halbes Jahr her war. Von seinen nächtlichen Besuchen in Georgs Hotelzimmer und wie sie die Nachmittage verbrachten. Komischerweise schien Tom nicht sonderlich überrascht. Als Bill erzählte, wie Georg Schluss gemacht hatte, ballte Tom die Faust. „Nachdem, was du mir gerade erzählt hast, kann ich kaum glauben, dass er jemanden anderes liebt.“, meinte er, und Bill nickte. „Aber wieso macht er dann so was? Das passt doch überhaupt nicht zu ihm“, meinte er und sah Tom verzweifelt an. Tom zuckte mit den Schultern. „Wenn du willst, versuch ich mal mit ihm zu reden.“, schlug er vor. Bill sah ihn dankbar an. „Und jetzt komm runter, sonst hat Gusti das Buffet ohne uns leer gegessen.“ Die nächsten Tage waren schrecklich für Georg. Er mied den Kontakt zu den anderen Bandmitgliedern, redete mit niemandem mehr, und Jimmy kam fast jeden Tag vorbei und „wollte ihn haben“. Er wurde immer brutaler und rücksichtsloser, sodass sich Georg nach einer Weile nur noch mit Pullovern unter Leute traute, damit keiner die blauen Flecke an seinen Armen bemerkte. Nachts schlief er kaum noch, und die Ringe unter seinen Augen wurden tiefer und tiefer. Jimmy schien es Spass zu machen, ihn zusammenzuschlagen, sodass er oft kaum wusste, wie er sich hinsetzten oder –legen sollte, damit er keine Schmerzen hatte. Auch auf der Bühne fiel es ihm immer schwerer, die richtigen Töne zu treffen, und der Manager machte sich ernsthafte Sorgen um die Zukunft der Band, wenn das so weitergehen würde… Wenn er Bill über den Weg lief, versetzte ihm dies jedes Mal einen Strich, zumal Bill ihn komplett ignorierte und ihm aus dem Weg ging. Aber ich habe es nicht anders verdient. Bill ging es ebenfalls nicht besonders gut. Er machte nachts kein Auge zu und ass kaum noch was. Noch immer konnte er nicht glauben, dass Georg jemanden anderes liebte, denn auch dieser sah immer schlechter aus. Tom hatte bisher nicht mit ihm geredet, können, da sich nie eine günstige Gelegenheit geboten hatte. Bill glich immer mehr einer wandelnden Leiche, er war bleich und sein Gesicht war total eingefallen. Er lächelte kaum noch, und wenn, bemerkte jeder, der ihn etwas besser kannte, dass es ein künstliches Lächeln war. Inzwischen wusste auch Gustav bescheid; Tom hatte es ihm erzählt. Die beiden hatten bereits seit längerem geahnt, dass zwischen Bill und Georg etwas war, waren aber dennoch überrascht, als sich dieser Verdacht bestätigte. Einige Tage später bot sich Tom endlich eine Möglichkeit, mit Georg zu reden. Es war ein freier Tag, an dem kein Konzert stattfinden würde. Dennoch waren die vier Jungs bereits im Hotel, damit sie nicht mehr allzu weit fahren mussten. Georg lag auf seinem Bett und starrte die Zimmerdecke an, was in der letzten Zeit zu einer seiner Hauptbeschäftigungen geworden war. Er erinnerte sich dabei an die Zeit, in der er noch mit Bill zusammen war. Zum ersten Mal seit Beginn seiner Karriere bei Tokio Hotel dachte er darüber nach, aus der Band auszusteigen. Bestimmt würde es leichter sein, wenn Bill nicht mehr sehen würde. Und ausserdem hätte Jimmy so auch keine Möglichkeit mehr, sich an ihm zu vergehen…

 

Es klopfte an die Zimmertür, und Georg schreckte aus seinen Gedanken hoch. Panik überkam ihn, doch ein Blick auf seine Uhr liess ihn aufatmen; es war noch zu früh, dass Jimmy auftauchen würde. Die Tür ging auf, und Tom kam hinein. Er sah ziemlich ernst aus. Georg blickte kurz auf und liess seinen Kopf wieder aufs Kissen fallen. Tom schloss die Tür und setzte sich zu Georg aufs Bett. „Was willst du?“, fragte Georg und sah Tom fragend an. „Ich will wissen, wieso du Bill wirklich verlassen hast.“, meinte Tom ohne Umschweife. Georg riss die Augen auf und setzte sich hin. „Woher weißt du…“, begann er, doch Tom schnitt ihm das Wort ab. „Er hat es mir erzählt. Aber wir glauben nicht, dass du dich wirklich in jemanden anderes verliebt hast.“ Georg senkte den Kopf, und Tom legte ihm die Hand auf die Schulter. „Komm schon, was ist los?“ Doch Georg schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht.“ „Und wieso nicht?“ „Weil er… Weil er sonst Bill was antut.“ Georgs Hände begannen zu zittern. „Wer?“, meinte Tom und sah Georg eindringlich an, „Wenn du uns nicht sagst, wer es ist, können wir dir nicht helfen. Vertrau mir doch, wir sind doch Freunde, oder?“ Georg reagierte nicht. „Oder?“, fragte Tom noch einmal. Georg nickte zögernd. Dann begann er zu erzählen. Von Jimmys ersten Besuch, den Drohungen und dem, was er mit ihm anstellte. Von den Schlägen und blauen Flecken. Und seiner Angst, dass er Bill vielleicht trotzdem etwas antun würde. Am Ende zitterte er am ganzen Körper. Tom war während Georgs Erzählungen aufgesprungen. Seine Wut war so ziemlich ins Unermessliche gestiegen. „Wenn mir diese Schwein über den Weg läuft…“, knurrte er und setzte sich wieder zu Georg aufs Bett. „Bill und Gusti sind in meinem Zimmer. Wenn du willst rede ich mit ihnen.“, schlug Tom vor, „Du kannst bestimmt bei einem von uns pennen.“ Georg nickte. Tom lächelte ihm noch einmal aufmunternd zu und ging dann aus dem Zimmer. Georg begann, seine Sachen einzupacken. Langsam bekam er wieder Hoffnung, dass alles gut werden würde. Georg machte gerade den Reissverschluss seiner Tasche zu, als die Zimmertür aufflog. Er drehte sich um und sah Jimmy vor sich stehen. Er schien zu kochen vor Wut. „Denkst du etwa, ich mache Witze?“, schrie er und packte Georg am Kragen, „Du hast wohl noch nicht genug Schmerzen erlitten, was? Na warte, dir werd ichs zeigen! Was fällt dir ein, irgendwem davon zu erzählen?“ Er holte aus und schlug Georg ins Gesicht, wieder und wieder. Blut floss aus seiner Nase. Er war unfähig zu schreien, stand unter Schock. Jimmy warf Georg zu Boden und trat auf ihn ein. Es schien eine Ewigkeit zu dauern, bis er von ihm abliess. „Du sagst Tom, dass das alles eine Lüge war, klar? Sonst mach ich mit Bill dasselbe wie ich gerade mit dir gemacht habe, klar?“ Doch Georg reagierte nicht, er war unfähig sich zu bewegen. Jimmy trat noch ein letztes Mal zu und stürmte daraufhin aus dem Zimmer. Komischerweise fühlte Georg keine Schmerzen. Nur das warme Blut, welches ihm übers Gesicht lief. Er stand auf und ging ins Bad, um sich das Blut aus dem Gesicht zu wischen. Doch als er das Licht eingeschaltet hatte, wurde ihm schwarz vor Augen. Wie durch Watte bekam Georg mit, dass jemand seinen Namen rief. Gleich darauf hörte er Schritte, und einen leisen Aufschrei. Er versuchte, die Augen zu öffnen, doch noch immer war er unfähig, sich zu bewegen. Er fühlte, wie ihn jemand berührte, was einen stechenden Schmerz auslöste, doch er war unfähig, etwas zu sagen oder zu tun. Mit einem Mal vernahm er Bills Stimme ganz nahe an seinem Ohr und fühlte seine Hand, die durch seine Haare streichelte. „Es wird alles wieder gut, Süsser!“ Dann wurde es wieder still um ihn herum.

 

Als Georg das nächste Mal aufwachte, schaffte er es, die Augen zu öffnen. Das verschwommene Bild wurde langsam klarer, und schliesslich erkannte er die besorgten Gesichter seiner Bandkollegen über sich. Er versuchte zu lächeln und wollte sich hinsetzen, doch die Schmerzen liessen weder das eine noch das andere zu. „Bleib liegen!“, meinte Tom. Georg nickte und bemerkte, dass er auf seinem Bett lag. Wie bin ich hierher gekommen?, fragte er sich. Doch bevor er danach fragen konnte, klopfte es. Georg bekam Panik. Was, wenn Jimmy noch einmal zurückkam? Inzwischen hatte Gustav die Tür geöffnet, und eine Ärztin kam zur Tür hinein. Gustav führte sie zum Bett, wo sie sich vorstellte. „Mein Name ist Patricia Fischer, ich bin Ärztin. Können wie mir sagen, was ihnen weh tut?“ „Eigentlich so ziemlich alles…“, sagte Georg mit krächzender Stimme, „Er hat mich ziemlich übel geschlagen und getreten…“ Die Ärztin nickte und schob vorsichtig Georgs Pullover nach oben. Bei jeder Berührung zuckte Georg zusammen und hätte vor Schmerz am liebsten laut aufgeschrieen. Bill stiegen bei Georgs Anblick Tränen in die Augen. Georgs Oberkörper war mit blau-grünen Flecken übersäht. Die Ärztin wandte sich wieder an Georg. „Sie haben ziemlich schwere Prellungen, ich kann leider nicht viel machen. Ich verschreibe ihnen ein Schmerzmittel. Sehr wahrscheinlich haben sie auch eine Gehirnerschütterung, am besten sie bleiben einige Tage liegen und ruhen sich aus.“ „Aber das geht nicht!“, meinte Georg und machte erneut einen Versuch, sich zu setzten. Wieder sank er mit schmerzverzehrtem Gesicht ins Kissen zurück. „Ich muss doch spielen…“, fügte er leise hinzu. Die Ärztin sah ihn ernst an. „Wenn sie sich gut genug fühlen, können sie auftreten, aber ihrem momentanen Zustand nach zu schliessen…“ „Du ruhst dich aus!“, meldete sich Bill zu Wort und versuchte, Georg streng anzuschauen, was ihm jedoch misslang. Georg musste daraufhin lächeln, und Bill drehte seinen Kopf zur Seite. Die Ärztin holte eine Schachtel Tabletten aus ihrem Koffer und legte sie auf den Nachttisch. „Von diesen Tabletten können morgens, mittags und abends eine nehmen. Bei Bedarf auch mehr, aber nicht mehr als fünf pro Tag.“ Georg nickte. „Und sollten ihre Schmerzen schlimmer werden, wäre es möglich, dass sie innere Verletzungen haben und ins Krankenhaus müssen. Ich lasse ihnen meine Nummer hier, falls was ist.“ Georg nickte, und die Ärztin legte eine Visitenkarte auf den Nachttisch. Tom, welcher bisher etwas abseits gestanden war, packte Gusti am Arm und meinte: “Bill und du, ihr habt bestimmt noch eine Menge zu bereden… Wir sind drüben, falls was ist.“ Dann verliessen die Beiden das Zimmer.“ Bill legte sich neben Georg aufs Bett und streichelte durch Georgs Haare. Er seufzte leise. „Ich habe immer gewusst, dass du keinen anderen hast.“, meinte er leise, „Aber ich hätte nie gedacht, dass es so was ist…“ Georg senkte den Kopf. „Was ist jetzt eigentlich mit Jimmy?“, fragte er, noch immer in Panik, dass er noch einmal auftauchen könnte. „Der wurde vorhin von der Polizei abgeführt. Wir werden ihn wohl für einige Jahre nicht zu Gesicht bekommen.“, erklärte Bill. Georg atmete auf. „Und was ist… mit uns?“, fragte er dann leise und traute sich nicht, Bill direkt anzusehen. Bill starrte an die Zimmerdecke. „Das liegt jetzt an dir.“, meinte er leise. Georg sah ihn irritiert an. „Wie meinst du das?“ „Du warst es, der damals Schluss gemacht hat. Ich liebe dich immer noch, aber ich würde verstehen wenn du nach all dem, was nun passiert ist, keine Beziehung mehr willst.“ Er sah Georg in die Augen. Dieser griff nach Bills Hand. „Bill, ich habe das alles doch nur mitgemacht, weil er gedroht hat, dir was anzutun. Natürlich will ich wieder eine Beziehung mit dir, denn ich liebe dich über alles, du bist der einzige, der mir wirklich was bedeutet.“, erklärte er. Bill sah ihn einen Moment lang an; er hatte Tränen in den Augen. Dann lächelte er. „OK, dann noch mal von vorne: willst du mit mir gehen?“, fragte er grinsend und wischte sich die Tränen aus den Augen. „Ja.“, antwortete Georg lächelnd, und sie küssten sich.

 

Die vier Jungs waren im Backstagebereich, auf dem Weg zur Bühne. Sie lachten und alberte herum. Georg hatte seinen Arm um Bill gelegt. Plötzlich bemerkte Georg, dass sich seine Schuhbänder gelöst hatten. Er blieb stehen und liess Bill los. „Geht schon mal, ich komme gleich nach.“, meinte er und ging in die Knie, um die Schuhe zu binden. Er sah Tom und Gustav um eine Ecke verschwinden. Bill drehte sich noch einmal um und lächelte ihm zu. Georg hatte inzwischen seine Schuhe gebunden und stand auf. Bill wartete auf ihm. Er wollte zu ihm gehen, doch so sehr er sich auch anstrengte, er kam nicht vom Fleck. Währenddessen tauchte ein schwarzer Schatten hinter Bill auf, und eine Hand legte sich auf seine Schulter. Jimmy! „Bill, pass auf!“, wollte Georg rufen, doch es kam kein Ton über seine Lippen. Noch immer konnte er sich nicht bewegen. Inzwischen hatte auch Bill Jimmy hinter sich bemerkt. Er versuchte, wegzurennen, doch Jimmy hielt ihn fest und begann, ihn zu schlagen, wieder und wieder. Bill schrie vor Schmerz, doch Jimmy liess nicht von ihm ab, auch nicht, als er leblos auf dem Boden lag. Georg wollte um Hilfe rufen, doch noch immer kam kein Ton über seine Lippen. Schliesslich liess Jimmy von Bill ab und sah zu Georg. Er grinste. „Das hast du nun davon. Du hast ihn umgebracht.“, sagte er und lachte laut, während er sich umdrehte und verschwand. Das Lachen hallte durch die Gänge, ebenso Jimmys letzte Worte. Endlich konnte sich Georg bewegen, und er rannte zu Bill und kniete sich vor ihm. Bills Gesicht war weiss, die Augen weit aufgerissen. Er atmete nicht, und auch den Puls konnte Georg nicht fühlen. Wieder konnte er Jimmys Stimme hören. „Er ist tot. Und du bist Schuld daran!!“ Schweissgebadet schreckte Georg hoch. Er brauchte einige Sekunden, bis er begriff, dass alles nur ein Traum gewesen war. Neben ihm bewegte sich etwas, und das Licht ging an. „Was ist los, Süsser?“, murmelte ein verschlafener Bill und umarmte Georg. „Gar nichts. Hab nur ziemlichen Mist geträumt.“, erklärte er und legte sich wieder hin. Bill drückte ihn an sich. „Wieder von Jimmy?“ Georg nickte. „Georg, der Typ kann uns nichts mehr tun, er ist weggesperrt, für die nächsten paar Jahre zumindest.“, sagte Bill und schmiegte sich an Georg, „Lass uns weiterpennen, ja?“ Georg nickte, und Bill löschte das Licht. Bereits nach wenigen Minuten war Bill wieder eingeschlafen. Georg jedoch lag noch lange wach im Bett. Es waren bereits einige Wochen vergangen, seit Jimmy festgenommen worden war. Er hatte keine Schmerzen mehr, die blauen Flecken waren verschwunden. Nur die Angst blieb. Angst, dass Jimmy irgendwie rauskommen würde und Bill etwas antun könnte. Er liess Bill kaum noch aus den Augen, um ihn nötigenfalls beschützen zu können, falls wirklich jemals etwas passieren würde. Bill und die anderen hielten diese Sorge für unbegründet, doch er nahm Jimmys Drohungen noch immer sehr ernst und war bereit, für Bill sein Leben aufs Spiel zu setzen. Der Wecker klingelte, und es kam Georg vor, als hätte er überhaupt nicht geschlafen. Er drehte sich noch einmal um und steckte seinen Kopf unters Kopfkissen, um noch ein wenig zu dösen. Plötzlich fühlte er, wie sich sein T-Shirt hob und jemand mit den Fingerspitzen sanft über seinen Rücken strich. Georg bekam eine Gänsehaut. Gleich darauf fühlte er Bills Lippen etwas unterhalb seines linken Schulterblatts, während seine Hände nach oben strichen und bei Georgs Schultern liegen blieben. Georg zog seinen Kopf unter dem Kissen hervor und drehte sich vorsichtig auf den Rücken. Sogleich fühlte er Bills Lippen auf seinen, und er öffnete den Mund einen kleinen Spalt. Ihre Zungen trafen sich, und Georg begann, Bills Zungenpiercing zu umspielen. Er packte den Saum von Bills T-Shirt und zog es ihm über den Kopf. Bill befreite Georg ebenfalls von seinem T-Shirt und strich sanft über dessen Brust. Bill löste seine Lippen von Georgs und saugte sich leicht an seinem Hals fest. Dann küsste er sich hinunter zu Georgs Brust und strich mit seiner Zunge über dessen Brustwarze. Georg stöhnte leise, seine Hände krallten sich in Bills Schultern. Bills Lippen liessen währenddessen von Georgs Brust ab, wanderten hinunter zu seinem Bauchnabel, wo sie für einen Moment liegen blieben. Bills Hände strichen an Georgs Seiten entlang hinunter, stoppten am Bund von Georgs Boxershorts. Bill zögerte einen Augenblick und sah Georg in die Augen. Dieser nickte. Vorsichtig nahm Bill den Bund von Georgs Boxershorts und zog sie langsam hinunter. Er legte seine wieder Lippen auf Georgs Bauch und küsste sich langsam abwärts. Georg seufzte leise. Bills umschloss mit seinen Lippen vorsichtig Georgs Erregung, mit der Zunge strich er über deren Spitze. Er hörte, wie der Atem seines Freundes schneller ging. Georgs Hände vergruben sich in Bills Haaren. Bills Hände strichen währenddessen wieder über Georgs Oberkörper. Als er bemerkte, dass Georg seinem Höhepunkt näher und näher kam, liess er von dessen besten Stück ab und küsste sich langsam wieder nach oben. Georg zog ihn an sich und küsste ihn stürmisch. Seine Hand wanderte ohne Umschweife in Bills Boxershorts. Er umschloss Bills bestes Stück und rieb sanft daran. Bill stöhnte in den Kuss, worauf Georg etwas fester zupackte. Mit der anderen Hand befreite er Bill von den Boxershorts. Bill keuchte leise. Er begann, sanft über Georgs Glied zu streicheln, wodurch Georgs Atem schneller wurde. Schliesslich rollte sich Bill auf Georg. Er küsste ihn wild und bewegte sein Becken gegen Georgs. Nach wenigen Minuten erreichten sie gemeinsam ihren Höhepunkt. Eine Zeit lang lagen sie nur da, hörten zu, wie ihre Herze klopften und sich ihr Atem beruhigten. Georg hatte seine Arme um Bill gelegt. Schliesslich liess sich Bill neben Georg fallen und kuschelte sich an ihn. „Ich glaube, wir sollten wohl langsam aufstehen.“, meinte er leise. „Ja.“, meine Georg lächelnd und stand auf. Er streichelte Bill sanft über die Wange. „Ich geh duschen, kommst du mit?“, fragte er grinsend. „Klar!“, antwortete Bill lachend und liess sich von Georg auf die Beine ziehen. Eng umschlungen verschwanden sie im Badezimmer.

 

Eine halbe Stunde später kamen die Beiden Hand in Hand in den Speisesaal. Gustav und Tom waren noch nicht da, und auch sonst waren erst wenige Leute am Frühstücken. Da das nächste Konzert in der Schweiz stattfinden würde, mussten sie rechtzeitig aufbrechen, da die Fahrt ungefähr sechs Stunden dauerte. Die beiden setzten sich an einen freien Vierertisch und holten sich Frühstück. Danach setzten sie sich an den Tisch und begannen zu essen. Georg beobachtete, wie Bill sein Brötchen verschlang. Seine noch feuchten Haare hingen ihm ins Gesicht. Er schaute auf und lächelte Georg zu. Dieser lächelte zurück. Georg schnitt sein Brötchen in zwei hälften und begann, Butter darauf zu schmieren, wobei Bill ihn beobachtete. Georg sah ihn an, und sie prusteten los. „Was geht denn hier ab?“, kam plötzlich eine Stimme vom Ende des Tischs. Georg und Bill schauten herum und erblickten Tom, welcher die Beiden seinem Blick nach zu schliessen für nicht mehr ganz dicht hielt. Kurz darauf erschien Gustav neben ihm. „Morgen!“, meinte er fröhlich und setzte sich auf den freien Stuhl neben Georg. „Morgen.“, antwortete Georg. Gustav und Tom nahmen ihre Teller und holten sich ebenfalls etwas zu essen, während Bill und Georg noch immer grinsend weiterassen. Eine Stunde später sassen die vier im Tourbus. Tom hatte die Kopfhörer seines iPods in den Ohren und schaute ein wenig aus dem Fenster. Gustav, der neben ihm sass, hörte ebenfalls Musik und spielte auf seiner PSP. In der hinteren Sitzreihe schlief Bill. Er hatte sich hingelegt und seinen Kopf auf Georgs Schoss platziert. Er schlief tief und fest und bekam nicht mit, dass Georg ihm sanft durch die Haare streichelte. Nach einer Weile döste Georg ebenfalls ein. Sie standen auf der Bühne; tausende von Fans jubelten und schrieen. Gerade spielten sie Frei im Freien Fall, und Bill stand ganz vorne am Steg und sang. Georg liess seinen Blick durch die Menge schweifen und entdeckte mit einem Mal einen roten Lichtstrahl, welcher auf Bill zeigte, der sich gerade in seine Richtung drehte, hinterliess. Georgs Blick folgte dem roten Licht und stellte fest, dass es zum Zielfernrohr eines Gewehres gehörte. Der Mann, der es in der Hand hielt, trug eine schwarze Kapuze, und sein Finger betätigte gerade den Abzug. Ein Knall war zu hören. Bills Gesicht war blutbespritzt; sein Lächeln erstarb. Die Kugel hatte seine Brust getroffen, und Bill drückte verwirrt seine Hand auf die Wunde. Mit einem Mal wurde er bleich. In der Halle herrschte Stille, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören. Bills Beine begannen zu zittern, und er fiel zu Boden. Georg liess den Bass fallen und wollte losrennen, doch wieder konnte er sich nicht bewegen… „Georg! Was ist los, Mann?“ Verwirrt öffnete Georg die Augen und sah in Bills besorgtes Gesicht. Hatte er alles nur geträumt? Ja, es war wohl so. „Du hast plötzlich angefangen zu schreien.“, erklärte Gustav, welcher sich zu ihm nach hinten gedreht hatte. „Ach, ich habe nur Mist geträumt.“, erklärte er und sah aus dem Fenster. Er fühlte Bills Hand auf seiner Schulter. „Wieder von Jimmy?“ Georg schüttelte den Kopf. „Nicht direkt. Ich habe diesmal das Gesicht nicht erkannt.“, erklärte er. Bill legte seinen Kopf auf Georgs Schulter. „Mach dir keine Sorgen, mir wird schon nichts passieren.“, meinte er und nahm Georg in den Arm. Georg nickte. Er würde es zumindest versuchen, auch wenn seine Träume dafür nicht gerade die beste Voraussetzung waren… Doch Bill schaffte es, ihn von seinen Sorgen abzulenken. Sie begannen, sich zu unterhalten und herumzualbern, und einige Stunden später erreichten sie auch schon die Konzerthalle in Sursee. Als erstes wurden die vier Jungs in ihre Garderobe gebracht, wo sie sich auf das Konzert vorbereiteten und warm spielten. Einige Minuten vor dem Konzert erinnerte sich Georg wieder an seinen Traum. Was, wenn wirklich jemand im Publikum wäre und Bill angreifen würde? Oder ihn auf dem Weg zur Bühne überfallen, wie in Georgs anderem Traum? „Hallo? Georg? Hörst du mich?“ Tom fuchtelte mit seiner Hand vor Georgs Gesicht herum. Georg zuckte zusammen. „Wir müssen zur Bühne, oder soll das Konzert ohne dich beginnen?“, meinte er grinsend. „Oh, klar…“ Georg stand auf und folgte Tom aus der Garderobe. Bill und Gustav waren bereits verschwunden. Sie gingen durch die Gänge in den Bereich hinter der Bühne. Bill lächelte ihm zu, doch er schaffte es nicht, zurückzulächeln. Zu viele Ängste schwirrten in seinem Kopf herum. Er bekam seinen Bass in die Hände gedrückt und ging auf die Bühne. Das Konzert begann. Georg liess seinen Blick durch die Menge schweifen, konnte aber weder einen roten Lichtstrahl noch eine vermummte Gestalt mit einem Gewehr entdecken. Beruhigt konzentrierte er sich auf seinen Bass. In den Augenwinkeln beobachtete er Bill, und er lächelte leicht. Georg liess seinen Bass ausklingen und sah zu Bill, welcher am vorderen Ende der Bühne stand und sich ein Mädchen aussuchte, welches mit ihm „Schrei“ zu Ende singen würde. Georg beachtete lächelnd, wie er am Bühnenrand hin und her ging und schliesslich ein Mädchen auswählte. Schliesslich war seine Entscheidung gefallen, und er holte ein recht kleines, zierliches Mädchen mit halblangen braunen Haaren zu sich auf die Bühne. Sie lächelte schüchtern. Gemeinsam sangen sie das Lied zu Ende. Als das Mädchen Bill zum Abschied umarmte, sah Georg etwas in ihrer Hand aufblitzen. Bestimmt hielt sie ein Messer oder irgendwas Ähnliches in der Hand… Doch das Mädchen entfernte sich von Bill, und Georg bemerkte, dass es lediglich ein Fingerring des Mädchens war, in dem sich das Licht gespiegelt hatte. Er atmete auf. Bill drehte sich um und zwinkerte ihm zu. Georg lächelte erleichtert zurück und konzentrierte sich wieder auf seinen Bass. Ich bin so ein Idiot… Jimmy ist im Gefängnis… Wie soll er Bill was antun? Ich sollte mir nicht so viele Sorgen machen… Georg vergass seine Sorgen nun endgültig und konnte das Ende des Konzerts geniessen. Sie gingen hinter die Bühne, und er hatte ein zufriedenes Lächeln im Gesicht. Auch Bill strahlte übers ganze Gesicht. In der Garderobe fiel er Georg überglücklich um den Hals. Dieser sah ihn lächelnd an und küsste ihn. „Siehst du? Mir ist nichts passiert! Du hast dir ganz umsonst Sorgen gemacht.“, meinte Bill lächelnd und strich Georg eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Georg nickte. Sie begannen ihre Sachen zusammenzupacken und stiegen dann in den Tourbus, um zum Hotel zu fahren. Noch immer herrschte eine tolle Stimmung. Die Fahrt zum Hotel dauerte ungefähr 10 Minuten, und beim Eingang warteten bereits ein kleine Menge Fans. Die Jungs stiegen aus dem Wagen. Sofort wurden sie von den Fans in Beschlag genommen, mussten Autogramme geben, wurden Fotografiert und unterhielten sich mit ihnen. Georg drehte sich einen Moment um und liess seinen Blick über die langsam kleiner werdende Fanmenge schweifen. Sein Gesicht wurde ernst. Noch einmal schaute er sich um. Verdammt, wo ist Bill?!

 

Georg ging ein wenig umher, um nachzuschauen, ob er Bill vielleicht doch nur übersehen hatte. Doch er konnte ihn nirgends entdecken. „Tom!“ Georg kämpfte sich durch die Mädchen, welche vor Bills Bruder regelrecht Schlange standen. Tom blickte auf und schob das Mädchen, dem er gerade ein Autogramm gegeben hatte, etwas unsanft zur Seite. Er bemerkte Georgs verzweifeltes Gesicht und kam ihm entgegen. „Was ist los?“, fragte er. „Bill ist weg!“ „Was?“ Tom sah ihn ungläubig an. „Komm mit!“, meinte er dann und zog Georg, den er am Arm gepackt hatte, mit sich. Am Rande der Menge standen die Bodyguards und schienen nicht sonderlich auf die Jungs zu achten. Als Tom und Georg auf sie zukamen, sah einer auf und kam ihnen entgegen. „Was ist los?“, fragte er und sah die beiden besorgt an. „Bill ist weg.“, meinte Tom, „Habt ihr ihn irgendwie weggehen sehn?“ Der Bodyguard schüttelte den Kopf und wandte sich an seine Kollegen, welche bisher still neben ihnen gestanden hatten. Doch auch diese schüttelten den Kopf. „Wasn los?“ Mit einem fragenden Gesichtsausdruck stand plötzlich Gustav hinter ihnen. „Bill ist weg.“, erklärte Tom. „Wie weg?“ Gustav sah sie verwirrt an. „Na weg, verschwunden! Er hat sich in Luft aufgelöst.“, meinte Tom. Gustav schien den Ernst der Lage noch immer nicht wirklich zu begreifen, und auch die Bodyguards nahmen die Sache nicht ernst. Georg sah Tom verzweifelt an, worauf dieser- nicht weniger verzweifelt- nach seinem Handy griff und Bills Nummer wählte. Georg sah ihn erwartungsvoll an. Nach einiger Zeit legte Tom auf und zuckte mit den Schultern. „Es klingelt, aber er geht nicht ran…“, erklärte er verstört. „Und was jetzt?“, mischte sich Gustav ein, der inzwischen wohl auch begriffen hatte, was passiert war. „Wir müssen ihn suchen!“, meinte Georg panisch. Tom und Gustav nickten. „Aber wo?“ Ungefähr im selben Moment, als die Bandmitglieder Bills Verschwinden bemerkten, wachte dieser in völliger Dunkelheit auf. Er rieb seinen Kopf. Im ersten Moment wusste er nicht, wo er war geschweige denn wie er an diesem Ort gelandet war. Er richtete sich auf, seine Augen gewöhnten sich langsam an die Dunkelheit. Er hörte seltsame Geräusche und konnte sie im ersten Moment nicht zuordnen, doch dann fiel ihm ein, dass es sich anhörte wie auf der Autobahn. Doch wie kam er auf die Autobahn?!? Er war doch gerade eben noch mit Georg und den anderen vor dem Hotel gestanden… Und plötzlich war ihm schwarz vor Augen geworden… Plötzlich konnte er eine Stimme hören. Er war sich inzwischen ziemlich sicher, dass er sich im Inneren eines Lieferwagens befand. Schnell drückte er sein Ohr an die Trennwand. „…Ja, ich habe den Jungen, den Jimmy haben wollte… Nein, wir sind erst kurz nach der Grenze, ein Glück dass sie nicht kontrolliert haben… Keine Ahnung, er war K.O., als ich ihn mitgenommen habe… Nein, keine Angst! Er hat sich wohl ein wenig den Kopf gestossen, aber mehr nicht…“ Bill hörte den Mann lachen. Er tastete sich zu seiner Hosentasche und holte sein Handy hervor. Tom hatte versucht, ihn anzurufen; sie hatten wohl bemerkt, dass er verschwunden war… Er drückte auf einen Knopf seines Handys, um Tom zurückzurufen, doch bereits nach dem ersten Klingeln gab sein Handy ein piepsendes Geräusch von sich; der Akku war leer. „Verdammt.“, murmelte Bill und versuchte, sein Handy wieder zu beleben. Doch dazu hatte es zu wenig Energie. Bill steckte es wieder in seine Hosentasche und presste sein Ohr wieder an die Trennwand, doch der Fahrer schwieg; nur das Gedudel des Radios war zu hören. Bill seufzte und legte sich wieder auf den Boden. Langsam bekam er Angst. Was würde mit ihm passieren? Georg, Tom, Gustav und die Bodyguards hatten jeden Winkel in- und ausserhalb des Hotels abgesucht- ergebnislos. Tom hatte Bills Rückruf bemerkt und noch einmal versucht, ihn anzurufen. Doch er war direkt beim Anrufbeantworter gelandet… Völlig verzweifelt sassen Georg, Gustav und Tom nun in Georgs Zimmer auf dem Bett. „Ich hätte es wissen müssen.“, meinte Georg verzweifelt, „Ich habe immer auf ihn aufgepasst, vor dem Konzert, nach dem Konzert… Und als da nichts passiert ist, hab ich ihn aus den Augen gelassen…“ Eine einzelne Träne lief über seine Wange, und er starrte auf seine Knie. „Wir hätten alle auf ihn aufpassen sollen, nach alldem was passiert ist.“, meinte Tom geknickt und legte Georg die Hand auf die Schulter. Gustav nickte. „Wenn ihm irgendwas zustösst, verzeih ich mir das nie…“, meinte Georg und vergrub sein Gesicht in seinen Händen. Er versuchte nun nicht mehr länger, seine Tränen zurückzuhalten.

 

Stunden später und tausende Kilometer vom Rest der Band entfernt fand sich Bill auf dem sandigen Boden einer völlig finsteren Holzhütte wieder. Die Luft war stickig. Es roch nach Tieren, vermutlich war es ein alter Stall. Er rieb sich die Augen und sah sich um, konnte jedoch kaum etwas erkennen. Einzig unter der Tür drang ein Streifen Licht herein, welcher darauf schliessen liess, dass draussen die Sonne schien. Bill fuhr sich mit den Händen durch die Haare, in denen sich einige Strohhalme verfangen hatten. Es war heiss in der Hütte, er wischte sich den Schweiss von der Stirn. Langsam rappelte er sich auf, ihm war leicht schwindlig und sein Kopf dröhnte. Er stand einen Moment hilflos im Raum, bevor er langsam zur Tür ging. Wie war er hier rein gekommen? Und vor allem, würde er wieder rauskommen? Er tastete die Tür ab, in der Hoffnung einen Riegel oder etwas Ähnliches zu finden. Ergebnislos. Verzweifelt ging er einige Schritte zurück und liess sich wieder auf den Boden sinken. Was hatte dieser Typ mit ihm vor? Würde er hier je wieder lebendig rauskommen? Georg und die anderen jemals wieder sehen? Er bekam es mit der Angst zu tun. Er tastete in der Hosentasche nach seinem Handy, holte dieses heraus und wollte es einschalten. Das Display leuchtete auf, und Bill schöpfte neue Hoffnung. Doch dann piepste das Telefon ein paar Mal, die Nachricht „Akku laden“ erschien, und es wurde wieder dunkel im Raum. Seufzend legte Bill das Handy neben sich auf den Boden. Er fuhr sich mit den Händen durch die Haare. Seine Augen hatten sich inzwischen an die Dunkelheit gewöhnt. Plötzlich hörte Bill Schritte, welche näher kamen, gleich darauf wurde irgendwas an der Tür gemacht, und sie schwang quitschend zur Seite. Bill hielt sich die Hand vor die Augen, um nicht von der durch die Tür scheinende Sonne geblendet zu werden. Mit dem öffnen der Tür schien die Temperatur im innern der Hütte noch um einige Grad anzusteigen. Die Schritte kamen ins Innere der Hütte, und Bill nahm die Hand von den Augen, da nun eine grosse und nicht gerade schlanke Gestalt im gleissenden Sonnenlicht stand. Die Tür der Hütte fiel ein Stück zu, sodass gerade noch genügend Licht da war, um etwas erkennen zu können. Vor Bill stand ein schmuddeliger Mann, schätzungsweise um die 40 und nicht besonders gepflegt. Bill sass vor ihm am Boden und war mit einem Mal unfähig, sich zu rühren. Der Mann ging neben ihm in die Knie und grinste. „Jimmy hat mir gar nicht erzählt, dass du so hübsch bist.“, meinte er und strich Bill mit seinen Wurstfingern über die Wange. Bill drehte seinen Kopf zur Seite. „Fassen sie mich nicht an!“, schrie er und schlug die Hand des Mannes zur Seite. Dieser packte Bills Handgelenk, noch immer grinsend. Er legte seine Hand auf Bills Oberschenkel. „Weißt du, eigentlich habe ich den Auftrag, dich zu töten. Aber wer sagt, dass wir vorher nicht noch ein wenig Spass haben dürfen?“ Er liess seine Hand über Bills Oberschenkel gleiten. Sofort begann Bill, sich zu wehren, schlug wild um sich, wodurch der Mann noch sein anders Hangelenk zu Fassen bekam. Er drückte Bill zu Boden. Bill konnte seinen Atem in seinem Gesicht fühlen. „Je weniger du dich wehrst, umso schneller ist es vorbei…“, flüsterte er und kletterte über Bill. Dieser reagierte jedoch sofort und rammte sein Knie in die Weichteile seines Entführers. Dieser stöhnte vor Schmerz auf und liess Bills Handgelenke los. Sofort sprang Bill auf und lief aus der Hütte. Wieder wurde er vom Sonnenlicht geblendet, er rannte quasi blind durch die Gegend. Er rannte so schnell er konnte, keuchte und bekam kaum noch Luft. Bereits nach wenigen Metern bekam er starkes Seitenstechen, rannte aber dennoch weiter. Weit hinter sich konnte er einen wütenden Schrei hören, was ihn noch einmal etwas schneller rennen liess. Langsam gewöhnten sich seine Augen an die Sonne, und als er kurz zurück sah, stellte er fest, dass die Hütte bereits nicht mehr zu sehen war. Durch sein Davonstürmen war er irgendwo in einer wüstenähnlichen Landschaft gelandet. Die Hand in die Seite gepresst und schwer atmend ging er weiter, immer auf der Hut, um im Notfall wieder loszurennen. Nach ungefähr zehn Minuten kam er zu einer Strasse, welche durch diese ziemlich ausgetrocknete Gegend führe. Ein Auto kam herangefahren, und Bill rannte wild fuchtelnd auf die Strasse. Der Wagen bremste ab, und mit einem Mal wurde Bill klar, wie leichtsinnig sein Verhalten war und dass er jetzt seinem Entführer direkt in die Arme laufen könnte. Doch er hatte Glück.

 

Der Fahrer des Wagens setzte den Blinker und fuhr an den rechten Rand. Sofort sprang der Fahrer, ein junger Mann mitte zwanzig, aus dem Wagen und rannte auf Bill zu, welcher sich aufgrund der Anstrengung und der Hitze kaum noch auf den Beinen halten konnte und kurz davor war, zusammenzuklappen. Der Junge Mann nahm ihn an den Schultern und begann, in einer fremden Sprache auf ihn einzureden. „Äh, was?“, murmelte Bill. Der Fahrer sah ihn schief an und überlegte einen Moment. „Do you speak english?”, fragte er dann. Bill nickte sofort. „Can you bring me to the next city?”, fragte er mit heiserer Stimme. Er hatte keine Ahnung, ob das, was er gerade zusammengeschwafelt hatte, irgendeinen Sinn ergab, doch der Mann schien zu verstehen. Er nickte und führte Bill zur Beifahrerseite seines Fahrzeugs. Erleichtert liess sich Bill in den Sitz fallen. Der Mann stieg auf der Fahrerseite ein und sah Bill besorgt an. Obwohl ihm seine Neugier anzusehen war, stellte er Bill keine Fragen und hielt ihm stattdessen eine noch fast volle Wasserflasche hin, welche Bill dankend annahm und ohne einmal abzusetzen leer trank. „Thank you!“, sagte er und liess die leere Flasche auf den Boden fallen. Der Mann lächelte nur und startete den Wagen. Nachdem Bill sich einige Minuten erholt hatte, begann er sich, so gut es sein Englisch zuliess, mit dem Mann zu unterhalten und erfuhr so, dass er im Süden Spaniens gelandet war. Die Fahrt in die nächste Stadt dauerte ungefähr eine halbe Stunde. Der Mann setzte Bill beim nobelsten Hotel der Stadt ab und fuhr dann weiter. Erleichtert begab sich Bill zur Anmeldung und nahm sich ein Zimmer, wobei er allerdings ziemlich schief angeschaut wurde. Die Empfangsdame konnte zum Glück deutsch, weshalb alles kein Problem war. Als nach wenigen Minuten alles geregelt war, fuhr Bill mit dem Lift in den dritten Stock und schloss die Zimmertür auf. Er betrat das Zimmer, legte Handy und Brieftasche irgendwo hin und warf sich aufs Bett. Mit einem Mal wurde ihm klar, wieviel Glück er eigentlich gehabt hatte, und er begann zu zittern. Tränen liefen über sein Gesicht. Er sass also ganz alleine irgendwo in Spanien, während zu Hause bestimmt bereits Panik ausgebrochen war, weil er plötzlich verschwunden war. Er rappelte sich auf und sprang erstmal unter die Dusche. Er war froh, den Dreck und Schweiss endlich wegspülen zu können. Danach wickelte er sich in einen Bademantel und setzte sich aufs Bett. Sein Blick fiel auf das Telefon, welches auf dem Nachttisch stand. Wieder zitterte er leicht, als er den Hörer abhob und eine Nummer wählte. Georg sass auf dem Bettrand, die gepackte Tasche neben sich auf dem Boden. Er hatte die Ellenbogen auf die Knie gestützt und das Gesicht in den Händen vergraben. Heute würde er mit Tom und Gustav zurück nach Magdeburg fahren. Von Bill, welcher inzwischen zwei Tage verschwunden war, gab es noch immer kein Lebenszeichen. Ganz Deutschland suchte nach ihm, bisher vergebens. Ich würde es nicht verkraften, wenn ihm irgendwas passieren würde… Und ich wäre Schuld daran… Es klopfte an die Zimmertüre, und gleich darauf kam Tom ins Zimmer. Er hatte dunkle Ringe unter den rotgeweinten Augen und war bleich im Gesicht. Georg sah kurz auf und senkte seinen Blick dann wieder. Tom setzte sich neben ihn auf den Bettrand. Beide sagten kein Wort, als Georg plötzlich fühle, wie sein Handy in der Hosentasche vibrierte. Eher zwanghaft holte er es hervor und sah auf den Display, auf dem eine unbekannte und scheinbar ausländische Telefonnummer angezeigt wurde. Einen Moment lang spielte Georg mit dem Gedanken, den Anrufenden einfach wegzudrücken, doch dann klappte er sein Handy auf und hielt es sich ans Ohr. „Ja?“ „Georg?“ „BILL!?!” Georg sprang auf, „Scheisse Mann, wo bist du?!?“

 

Im nu war das gesamte Hotel auf den Beinen. Endlich ein Lebenszeichen vom verlorengeglaubten Superstar. Georgs Handy wurde herumgereicht, jeder wollte mit Bill reden. In Windeseile wurde alles zusammengepackt, um nach Spanien zu fahren und Bill abzuholen. Neben dem Management, Bills Familie, Georg und Gustav machten sich auch ein Fernsehteam und zahlreiche Fotografen bereit, um nach Spanien aufzubrechen. Am liebsten wäre Georg sofort losgefahren, doch das Management war der Meinung, dass es auch genügen würde, die Reise am nächsten Morgen zu starten. In der darauffolgenden Nacht machte Georg wieder kein Auge zu. Diesmal allerdings nicht aus Sorge, sondern aus Vorfreude und Aufregung. Tom und Gustav hatten sich zu ihm ins Zimmer gesellt, und sie redeten fast die gesamte Nacht durch. Auf der fast zehnstündigen Fahrt am nächsten Tag würden sie noch genügend Zeit zum Schlafen haben. Um drei Uhr morgens klingelte Georgs Wecker, und die drei quälten sich aus dem Bett. Sie zogen sich an, stylten sich und gingen dann kurz vor vier Uhr hinunter in die Lobby, wo sie bereits erwartet wurden. Sie setzten sich in den Van, und der Fahrer startete den Wagen. Bereits nach kurzer Zeit war Georg eingeschlafen und wachte erst wieder auf, als sie längst die spanische Grenze überquert hatten und Bills Aufenthaltsort immer näher kamen. Bill sass währenddessen wie auf glühenden Kohlen. Er ging im Zimmer, welches er nicht verlassen durfte, auf und ab. Noch immer trug er den Bademantel, da er ja keine sauberen Kleider zum wechseln hatte. Er telefonierte kurz nach Mittag noch einmal mit Georg, welcher zu diesem Zeitpunkt noch ungefähr zwei Stunden von ihm entfernt war. Georg liess sich die ganze Geschichte im Detail erzählen, wofür am Abend zuvor zu wenig Zeit geblieben war. Er versuchte auch, Georg von seinen Vorwürfen gegen sich selber abzubringen, doch er wusste, dass es wohl hoffnungslos war. Nach etwa 45 Minuten verabschiedete er sich von Georg und sprang noch einmal kurz unter die Dusche. Langsam wurde auch Georg ungeduldig, wie ein kleines Kind fragte er alle paar Minuten, wie lange sie noch fahren müssten; inzwischen reagierte der Fahrer schon gar nicht mehr darauf. Schliesslich erreichten sie endlich die Stadt, in der sich Bill aufhielt. Vor dem Hotel warteten bereits viele Fotografen und Reporter auf ihre Ankunft, doch die Bodyguarts brachten sie ins Innere des Hotels, ohne dass sie auch nur eine Frage beantworten mussten. Sofort stürmten Georg, Tom und Gustav die Treppe hoch und klopften an Bills Zimmertür, welche gleich darauf aufgerissen wurde. Bill und Georg fielen einander um den Hals, Tränen der Erleichterung und des Glückes im Gesicht. „Es tut mir Leid, es tut mir so Leid…“, flüsterte Georg immer wieder, während Bill ihm beruhigend über den Rücken streichelte. „Ist doch alles in Ordnung.“, versuchte er ihn zu beruhigen, was nach einer Weile auch zu funktionieren schien. Schliesslich lösten sich die Beiden voneinander, und Bill begrüsste seine Familie, Gustav und das Management. Schliesslich zogen sich die Leute langsam in ihre Hotelzimmer zurück, und Georg war der letzte, welcher noch bei Bill im Zimmer war und auch dort bleiben würde. Eng umschlungen lagen sie zusammen im Bett, überglücklich, das sie endlich wieder zusammen waren. Inzwischen war es natürlich kein Geheimnis mehr, dass sie zusammen waren, doch die Öffentlichkeit hatte es zum Glück recht gut aufgenommen. Natürlich hatten sie nicht vor, nun in aller Öffentlichkeit rumzuknutschen, doch wenigstens würde ihnen in Zukunft die Heimlichtuerei erspart bleiben. Nach einer Weile begann Bill zu gähnen und konnte kaum noch die Augen offen halten. Georg lächelte ihn an und strich ihm eine Haarsträhne aus dem Gesicht. „Wollen wir schlafen? Wir haben morgen noch eine lange Fahrt vor uns.“, sclug er vor. Bill nickte müde, und sie kuschelten sich unter die Decke. Georg schaltete das Licht aus, und sie kuschelten sich eng aneinander. „Ich liebe dich.“, flüsterte Bill und küsste Georg sanft auf die Stirn. Dieser sah Bill ernst an. „Ich liebe dich auch Bill, nur dich. Und ich würde auch alles für dich tun, nur damit du glücklich bist. Und ganz egal was auch passiert, ich werde immer bei dir sein, für dich da sein. Nur für dich.“ Bill liefen vor Rührung einige Tränen über die Wangen. Er kuschelte sich so fest wie möglich an Georg, zog ihn fest an sich und schlief schliesslich ein.

 

Am nächsten Morgen wurden die Beiden durch ein Klopfen an der Tür geweckt. Sie standen auf, zogen sich an und gingen schliesslich hinunter in den Speisesaal, um zu frühstücken. Es herrschte eine lockere Stimmung, alle waren fröhlich und gut gelaunt. Doch Georg hatte ein mulmiges Gefühl, irgendwie dachte er, dass noch etwas passieren würde. Geistesabwesend sass er vor seinem Teller, ohne bisher etwas gegessen zu haben. Bill bemerkte, dass mit seinem Freund irgendetwas nicht stimmte und legte ihm die Hand auf die Schulter. Georg drehte seinen Kopf zu ihm. „Was ist los?“, fragte Bill und sah ihn besorgt an. Georg erzählte ihm von seinem Gefühl, doch er lachte nur. „Mach dir keine Gedanken! Was sollte jetzt schon noch passieren?“, meinte er aufmunternd. Georg nickte und wendete sich seinem Teller zu. Er hoffte, dass Bill Recht hatte, doch seine Gefühle hatten ihn bisher selten getäuscht… Nach dem Frühstück gingen sie wieder hinauf in ihre Zimmer, um ihre Sachen zusammenzupacken, um dann die Rückreise anzutreten. Eine Stunde später versammelten sich alle unten in der Lobby. Georg wurde aus unerklärlichen Gründen immer nervöser. Er schaute sich kritisch um, konnte aber nichts aussergewöhnliches entdecken. Dann war es an der Zeit, aus dem Hotel zu gehen und zurückzufahren. Die Fotografen und das Kamerateam hatten sich vor der Hoteltür versammelt. Georgs Nervosität stieg, als sie die Treppe hinunter stiegen. Die Fotografen schossen ein Foto nach dem anderen, einen Moment lang war nur noch das Klicken der Kameras zu hören. Doch mit einem Mal war dieses für Georg wie ausgeschaltet. Er hörte sein Herz laut schlagen, dazu seine und Bills Schritte, alles andere war wie ausgeblendet. Mit einem Mal vernahm er ein Klicken, so laut, als ob es direkt neben ihm wäre. Es hörte sich an wie wenn jemand einen Revolver lud. Blitzschnell blieb Georg stehen und drehte er seinen Kopf in die Richtung, aus der das Geräusch kam. Ein Mann stand ungefähr 50 Meter von ihnen entfernt, eine Pistole in der Hand, und zielte auf Bill. Trotz der Entfernung konnte Georg jede seiner Bewegungen erkennen. Er bemerkte, wie er langsam den Abzug betätigte. Der Schuss löste sich. Alles um Georg herum schien sich nur noch in Zeitlupe bewegen. Georg riss seinen Kopf herum, er sah in Bills fragendes Gesicht. Dieser war stehen geblieben, stand nur wenige Schritte von Georg entfernt. Georg sah die Kugel auf Bill zufliegen, er sprang nach vorne, packte ihn und warf ihn zu Boden. Noch während sie fielen, fühlte er einen stechenden Schmerz in seiner Brust. Schwer atmend blieb er auf dem Boden liegen. Nun schien sich wieder alles um ihn herum im Normaltempo zu bewegen. Er vernahm erschrockene Aufschreie. Ein erneuter Schuss, diesmal allerdings von einem Bodyguard abgefeuert. Mit einem Mal tauchte Bills Gesicht über seinem auf. „Georg! Nein…“ . Alle Farbe war aus Georgs Gesicht gewichen, Blut floss aus seiner Brust. Verzweifelt presste Bill die Hand auf die Wunde. Er weinte. Georg streckte zitternd seine Hand aus, strich sanft über Bills Wange. „Nicht… weinen.“, brachte er hervor und versuchte zu lächeln. Bill sah ihm verzweifelt in die Augen. „Ich habe das alles… nur für dich… getan…“, sagte Georg leise, „Ich werde… immer… bei dir sein…“ Er hustete. Bill streichelte über seine Wange. Der Glanz in Georgs Augen wurde schwächer. „Nein, bleib hier! Du kannst mich nicht alleine lassen!“, flehte Bill ihn schluchzend an. Er nahm Georgs kalte Hand. Dieser drückte mit letzter Kraft leicht zu, ein Lächeln auf den Lippen. Dann schloss er für immer die Augen.

 

 

Blind (Tokio Hotel; 2007)

Meine erste FF überhaupt…

1.Autor: Novy

2. Art der Story: Depri, ev. Lime/Lemon (später)

3. Hauptpersonen: Bill & Georg

4. Rating: PG 14/16

5. Warnungen: Naja, ich kenn mich im „Tokio Hotel-Universum“ noch nicht so aus, es kann also sein, dass mir irgendwelche Fehler passieren, was z. B. die Charakter, Namen, Familien etc. der Personen betrifft. Ebenfalls ist das meine erste FF, die ich veröffentliche… Habt geduld mit mir 😉

6. Disclaimer: Die Jungs von Tokio Hotel und ihre Familien gehören mir nicht… Ebenso verdiene ich mit der Story kein Geld.

7. Claimer: Alle Personen, welche nicht zu Tokio Hotel oder ihren Familien gehören, sind frei erfunden, ebenfalls die gesamte Story.

8. Summary: „…In Magdeburg hat sich gestern Abend ein schwerer Autounfall ereignet. Zwei Autos sind frontal ineinander geprallt. Der Fahrer des einen Wagens war sofort tot. Die vier Insassen des anderen Wagens sind mit leichten bis mittelschweren Verletzungen davon gekommen. Noch immer ist unklar, wie es zu dem Unfall gekommen ist…

„…Egal, ob es Tag oder Nacht ist… Ob ich die Augen offen habe oder geschlossen… Es ist immer Dunkel… Ich kann nicht den kleinsten hellen Fleck erkennen…“

„…Es ist alles wie weggeblasen… Ein Teil der Erinnerung fehlt, ich weiss nur noch, dass wir ins Auto gestiegen sind, und wie ich im Krankenhaus aufgewacht bin.. Alles, was dazwischen passiert ist, fehlt…“

Bill:

Dunkelheit. Alles schwarz. Ich höre Stimme, die leise miteinander reden. Schritte, welche durch das Zimmer gehen. Eine Tür, welche zuknallt. Ich mache die Augen auf, doch die Dunkelheit bleibt. „Ist… Ist irgendjemand hier?“, frage ich leise, zögernd. Stille. Schritte, welche sich eilig auf mein Bett zubewegen. Eine Warme Hand, welche meine packt. „Du bist wach, endlich!“, höre ich die Stimme meines Bruders. Er drückt meine Hand. „Tom, was ist los? Wieso bin ich hier? Und wieso ist es so dunkel hier?“ Ich fühle, wie Toms Hand zittert. Er schluckt. „Bill… Es… wir…“ Toms Stimme klingt traurig, fast verzweifelt. Ich drücke seine Hand. „Wieso sitze ich hier im Dunkeln? Oder sind meine Augen verbunden?“ Ich lasse Toms Hand los und befühle mein Gesicht, meine Augen. Kann keinen Verband fühlen. „Tom! Sag mir endlich, was lost ist! Wo bin ich überhaupt?“, rufe ich verzweifelt. Mein Herz klopft stark. „Bitte!“ Ich taste nach Toms Hand, halte sie fest. Noch immer zittert sie. „Wir hatten einen Unfall… Auf dem Rückweg von der Party… Die Autoscheibe wurde zersplittert, du… du hast einige Splitter in die Augen bekommen… Es… Sie können noch nicht sagen, ob du… Ob du… jemals wieder was sehen wirst…“ Toms Stimme zittert. Ich halte noch immer seine Hand. Bin erstaunlich gefasst; wohl vom Schock. Streichle mit dem Daumen über Toms Handrücken. Ich höre, wie er leise schluchzt. Auch mir laufen nun Tränen übers Gesicht. „Was ist mit den anderen?“, frage ich schliesslich, nach einigen Minuten Schweigen. „Gustav hat ein paar Prellungen und Schürfungen… Er wurde bereits entlassen… Mir hat es die Hand zerschnitten, ich komme morgen ebenfalls raus…“, erklärte er, inzwischen wieder etwas gefasster. Ich lasse mir seine Worte noch einmal durch den Kopf gehen. „Was… Was ist mit Georg?“, frage ich schliesslich. Ich fühle, wie sich Toms Hand zur Faust ballt, lasse sie los. „Keine Ahnung… Ist mir eigentlich auch egal… Der ist für mich gestorben.“ Toms Stimme klingt wütend. Ich runzle die Stirn. „Aber… Wieso?“, frage ich leise. Tom schweigt. „Tom?“ Ich höre, wie er sich bewegt. „Weil er schuld an allem ist.“ Der Stuhl wird zur Seite geschoben, er steht auf. Wieder fühle ich seine Hand auf meiner. „Ich gehe mal… Vielleicht schau ich später noch einmal rein.“ Er drückt meine Hand leicht. Dann höre ich Schritte, welche sich vom Bett entfernen. Die Tür wrid geöffnet. Gleich darauf fällt sie ins Schloss. Ich schliesse die Augen, lasse meinen Kopf ins Kissen sinken. Lass mir Toms Worte noch einmal durch den Kopf gehen. Langsam kehrt die Erinnerung zurück. Ich werde von Scheinwerferlicht geblendet, Bremsen quietschen. Gleich darauf ein Knall. Und alles war dunkel… Langsam werde ich verzweifelt. Vielleicht wird meine Welt für immer dunkel bleiben. Ich werde nie wieder die Sonne aufgehen sehen; nie wieder die lachenden Gesichter meiner Freunde erkenne; nie wieder sehen, wie sich die Freude der Fans an unserem Konzert auf ihren Gesichtern widerspiegelt… Wieder laufen mir Tränen über die Wangen. Wie soll das nur weitergehen? Ich höre, wie sich die Zimmertür langsam öffnet.

Georg: 

Seit Tagen liege ich auf diesem Bett. Um mich herum alles weiss. Mein Kopf dröhnt noch immer. Der Arzt meinte, das komme von der Gehirnerschütterung. Vom Unfall. Welcher Unfall? Und wann? Ich kann mich an nichts erinnern… Ich beobachte, wie eine Durchsichtige Flüssigkeit in einem Beutel langsam, Tropfen für Tropfen, in einen Plastikschlauch tropft, welcher zu meiner Hand führt. Das Atmen fällt mir schwer, es schmerzt bei jedem Zug. Geprellte Rippen, vielleicht auch einige gebrochen. Aber warum? Was ist passiert? Und vor allem, wo sind die anderen? Sind sie in Ordnung? Tausende von Gedanken schwirren mir durch den Kopf. Ich streiche mir die Haare aus dem Gesicht und erfühle eine feine Narbe über meiner rechten Augenbraue. Entstanden durch einen Splitter von der Autoscheibe. Aber wieso ist sie versplittert? Wieso kommt niemand und erzählt mir, was passiert ist? Alle weichen aus, wenn ich danach frage… Ich verstehe das nicht… Ein Klopfen an der Tür holt mich aus meinen Gedanken. Die Tür geht auf, und ein junger Arzt betritt mein Zimmer. Seinen Namen habe ich schon wieder vergessen. Er kommt auf mein Bett zu, lächelt mir freundlich zu. Ich versuche, zurückzulächeln, was mir aber nicht wirklich gelingen will. „Na, geht es ihnen besser?“, fragt er. „Ein bisschen.“, antworte ich. Der Arzt lächelt noch immer. Ich sehe ihn an. „Was ist passiert? Wieso bin ich hier?“, frage ich ihn. Sein Gesicht wird ernst. Er setzt sich zu mir an den Bettrand. „Sie können sich also an nichts erinnern?“, fragt er. Ich schüttle den Kopf. „Das letzte, was ich weiss, ist, dass wir uns in den Wagen gesetzt haben und losgefahren sind. Danach ist alles schwarz, bis ich hier aufgewacht bin.“ Der Arzt runzelt die Stirn. „Und ihnen hat bisher niemand erzählt, was passiert ist?“ Ich schüttle den Kopf. Der Arzt seufzt. „Sie hatten einen Autounfall. Ihr Wagen hat einen anderen frontal gerammt. Der Fahrer des anderen Fahrzeugs war sofort Tod. Noch ist nicht klar, wie es zum Unfall gekommen ist. Wir vermuten, dass Alkohol im Spiel war.“ Ich senke den Kopf, zucke mit den Schultern. „Und was ist mit den Anderen? Die, die mit mir im Auto waren?“, frage ich. „Die beiden, die auf dem Rücksitz sassen, sind mit leichten Verletzungen davon gekommen. Sie wurden bereits aus dem Krankenhaus entlassen. Ihr Beifahrer allerdings hat schwere Augenverletzungen. Es kann sein, dass er für immer blind bleibt…“ Ich starre den Arzt entsetzt an. Bill? Blind? Sofort schiessen mir Tränen in die Augen. Der Arzt steht auf. „Ich lasse sie jetzt wieder alleine. Sie sollten sich noch ein wenig ausruhen.“ Er zwinkert mir zu und geht aus dem Zimmer. Ich starre die Zimmerdecke an. Bill ist Blind… Und ich bin Schuld daran…

Bill:

Ich drehe meinen Kopf in die Richtung, in der ich die Tür vermute. Wische mir noch schnell die Tränen aus dem Gesicht. „Bill!“ Schnelle Schritte, welche auf mein Bett zukommen. Jemand nimmt mich in die Arme, drückt mich an sich. Die Person hat weiche haut. Ich rieche ein Parfum, welches mir bekannt vorkommt, und einen Hauch von kaltem Zigarettenrauch. Eine Mischung, die mir sehr bekannt vorkommt. „Mum? Bist du es?“ Die Person streichelt mir über die Haare. Sie schluckt. „Ja.“ Ihre Stimme hört sich an, als ob sie geweint hätte. Ich taste nach ihrem Gesicht, ihre Wange ist feucht. Eine Träne läuft über meine Hand, was mir ebenfalls wieder Tränen in die Augen treibt. „Nicht weinen, Mum!“, versuche ich, sie zu beruhigen, streichle über ihren Arm. Sie lässt mich los, ich höre ein leises Rascheln. „Es war ein Fehler, euch zu dieser Party gehen zu lassen. Ich hätte wissen müssen, das so was passieren wird, wenn Georg fährt… Wir können froh sein, dass ihr noch lebt.“ Meine Mutter schluchzt leise. Ich strecke meine Hand nach ihr aus, erwische ein Stück Stoff ihrer Bluse, greife nach ihrer Hand. Halte sie fest. Minutenlang sitzen wir einfach da, ich drücke ihre Hand, sie weint. Schliesslich richte ich mich auf. „Mum, was ist mit Georg? Tom konnte mir nichts sagen. Ist er in Ordnung?“ Meine Mutter schweigt, wieder höre ich ein Rascheln. „Er ist noch hier im Krankenhaus. Er hat eine schwere Gehirnerschütterung, und einige gequetschte Rippen. Er kann sich nicht mehr an den Unfall erinnern…“ Ich bemerke, dass sie nur ungern darüber spricht. Zu gerne hätte ich noch mehr Fragen gestellt, vor allem, was den Unfall angeht. Doch ich sage nichts mehr. Meine Mutter ist schon verzweifelt genug… Wir sitzen da und schweigen uns an. Noch immer halte ich ihre Hand. Dann klopft es an die Tür, und ich höre die Stimme einer jungen Frau, welche ich schon öfters gehört habe, sie aber nicht zuordnen kann. „Ihr Sohn braucht noch ein wenig Ruhe. Es ist wohl besser, wenn sie jetzt gehen.“ Meine Mutter umarmt mich noch einmal und dann höre ich, wie sich ihre Schritte entfernen. Andere, leisere und vorsichtigere Schritte, kommen näher und bleiben in der Nähe meines Bettes stehen. „Bill? Ich bin Schwester Chantal.“, sagt die Stimme der jungen Frau wieder. Ich nicke. Es macht mich noch immer fertig, meine Mutter weinen gehört zu haben. Ich höre, wie Schwester Chantal weitergeht, in eine andere Richtung. Ein seltsames Geräusch ist zu hören. Ich habe es schon öfters gehört, kann es aber nicht zuordnen. Angespannt lausche ich. „Ich habe ein Fenster aufgemacht.“, erklärt die Schwester. Ach so, klar! „Klingel einfach, wenn es dir zu kalt wird. Oder wenn du irgendwas brauchst.“ Ich nicke, meine Hände greifen wie automatisch nach Oben zu dem Griff, welcher über mir hängt. An dem das Klingelding befestigt ist. „Ich lass dich dann mal wieder allein…“, höre ich die Stimme der Schwester. Gleich darauf höre ich wieder ihre Schritte, welche an meinem Bett vorbei kommen. Die Tür wird geöffnet. „Schwester!“, rufe ich. Die Tür wird wieder geschlossen; Schritte kommen auf mich zu. „Ja?“ „Ein Freund von mir, der auch in den Unfall verwickelt war, soll auch hier im Krankenhaus sein. Georg Listing.“ Schweigen. „Ja, ich erinnere mich. Er liegt ein Paar Zimmer weiter.“ „Wie geht es ihm? Wird er wieder gesund?“ „Soweit ich weiss, geht es ihm recht gut. Er ist beim Unfall mit dem Kopf aufs Armaturenbrett geknallt und hat sich eine sehr starke Gehirnerschütterung zugezogen. Er hat riesiges Glück gehabt, dass er keine schwereren Kopfverletzungen hat. Durch den Sicherheitsgurt hat es ihm einige Rippen gequetscht und gebrochen. Körperlich wird er wieder gesund. Aber psychisch…“ Ich drehe meinen Kopf in die Richtung, in der ich die Schwester vermute. „Er hat ein Blackout… Kann sich an nichts mehr erinnern, wie der Unfall passiert ist. Alles ist wie weggeblasen…“ Ich schwieg. „Jetzt muss ich aber wirklich gehen.“, sagt die Schwester. Ich nicke. Wieder halte ich sie auf, als sie an der Tür ist. „Können sie… Georg Grüsse von mir ausrichten?“

Georg:

Noch immer starre ich an die Zimmerdecke. Versuchte verzweifelt, mich daran zu erinnern, was passiert war… Doch es geht nicht. Es ist wie ein schwarzes Loch, ein Stück, das fehlt. Ich weiss nicht, was passiert ist, wer schuld am Unfall war… Ob ich vielleicht einen Menschen getötet habe… Dass ich schuld daran bin, dass einer meiner besten Freunde vielleicht nie wieder etwas sehen kann… Diese Ungewissheit lässt mich beinahe verzweifeln. Ich will es vergessen, nicht mehr daran denken müssen. Doch im Zimmer gibt es nichts, was mich ablenken könnte. Seit ich hier liege, habe ich abgesehen von Ärzten und Krankenschwestern keinen Menschen gesehen. Meine Mutter war mit einer Freundin in Ägypten, möglicherweise wusste sie noch nicht mal vom Unfall. Und von meinen Freunden hatte sich auch noch keiner blicken lassen. Doch ich konnte es verstehen. Wer wollte sich schon mit jemandem abgeben, der einen Menschen umgebracht hat und schuld daran ist, dass ein anderer Blind ist? Ich lasse meinen Blick durch das Zimmer schweifen. Durch ein grosses Fenster scheint die Sonne ins Zimmer. Wenn man hinaussieht, kann man in einiger Entfernung einge Häuser erkennen. Bäume. Einige Kühe. Autos, welche die Strasse entlang fahren. Ich schliesse die Augen. Ich bin todmüde, mache aber seit Tagen kein Auge zu. Ohne ein Schlafmittel würde ich wohl nächtelang wachliegen. Doch auch wenn ich schlafe, kann ich nicht abschalten. Es ist, als ob mein Gehirn im Schlaf einfach weiterarbeiten würde. Oft wache ich schweissgebadet auf, kann mich aber nicht mehr daran erinnern, was ich geträumt habe. Morgens, wenn ich aufwache, bin ich meistens noch müder als bevor ich eingeschlafen bin. Ich greife nach dem halbvollen Teeglas, welches neben mir auf dem Nachttisch steht, und führe es an meine Lippen. Trinke einen Schluck und stelle es zurück. Neben dem Glas liegt ein unberührtes Sandwich; mein Abendessen. Seit Tagen habe ich nichts mehr gegessen. Kriege einfach nichts runter… Der Arzt meinte, das käme von der Gehirnerschütterung. Noch einmal trinke ich einen Schluck Tee und lasse mich ins Kissen zurücksinken. Dank den Schmerzmitteln fühle ich meine lädierten Rippen kaum noch. Auch mein Kopf hat sich beruhigt. Es klopft an die Zimmertür, und gleich darauf betritt eine junge Schwester das Zimmer. Sie lächelt mir freundlich zu. Ihre blonden Haare sind zusammengebunden, sie hat einige Sommersprossen auf der Nase. Sie kommt näher und begutachtet mein Sandwich, welches auf dem Nachttisch liegt. Auf dem kleinen Schild an ihrem weissen Hemd kann ich ihren Namen lesen: Schwester Chantal. Sie wirft mir einen besorgten Blick zu. „Immer noch keinen Hunger?“ Ich schüttle den Kopf, und sie runzelt die Stirn. „Keinen Appetit auf irgendwas? Ihr Lieblingsessen? Oder was Süsses?“ Wieder schüttle ich den Kopf. Sie zuckt mit den Schultern und geht zum Fenster. Öffnet es. „Klingeln sie einfach, wenn es ihnen zu kalt ist. Oder können sie aufstehen?“ Ich zucke mit den Schultern. Sie lächelt. „Ach ja, ich soll ihnen noch Grüsse ausrichten.“ Ich sehe sie erstaunt an. „Von wem?“ „Von ihrem Freund Bill. Er liegt einige Zimmer weiter, Zimmer 347.“ Ich sitze nun aufrecht im Bett. „Wie geht es ihm?“, frage ich. „Na ja, sie haben bestimmt schon erfahren, dass er blind ist. Aber ansonsten geht es ihm recht gut. Er wird wohl in einigen Tagen entlassen.“ Die Schwester will das Tablett mit dem unangerührten Sandwich nehmen, doch ich lege meine Hand darauf. „Können sie das noch hier lassen?“ Sie sieht mich verwundert an, nickt dann. „Danke!“ Das erste Mal, seit ich hier bin, fühle ich, dass mein Magen knurrt.

Die Schwester lächelt mir zu und geht aus dem Zimmer. „Grüssen sie Bill zurück!“, rufe ich ihr hinterher. Sie schaut kurz zurück und lächelt mir zu. Dann ist sie auch schon verschwunden. Ich greife nach dem Sandwich und beisse hinein. Schön langsam, Stück für Stück. Ich will meinen Magen ja nicht gleich überfordern. Nachdem ich die Hälfte gegessen habe, lege ich den Rest zur Seite und lasse mich wieder in die Kissen sinken. Ich fühle mich ein wenig besser. Ich bin froh, dass Bill mich nicht hasst wegen dem Unfall. Dabei hätte ich es eigentlich verdient, von ihm gehasst zu werden, nach all dem, was passiert ist. Schliesslich hat er meinetwegen sein Augenlicht verloren, vielleicht für immer. Ich werde mir das nie verzeihen können. Wenn ich könnte, würde ich mit ihm tauschen. Ihm mein Augenlicht geben und für ihn blind sein. Ich will nicht, dass jemand anderes durch einen Fehler meinerseits gestraft wird. Ich fühle einen Luftzug, das Fenster steht noch immer offen. Fast in Zeitlupentempo versuche ich aufzustehen. Schön ein Bein nach dem anderen. Ich rutsche am Bettrand hinunter und halte mich erst mal am Bett fest. Richte mich auf. OK, stehen geht. Ich lasse das Bett los und mache vorsichtig einige Schritte in Richtung Fenster. Fühle, wie etwas in meiner Hand zieht. Ach ja, die Infusion. Der Beutel ist inzwischen leer; der letzte Tropfen in meine Adern geflossen. Ich greife nach dem fahrbaren Ständer und gehe langsam in Richtung Fenster. Meine Schritte werden sicherer, auch wenn ich mich noch immer sehr langsam bewege. Mir ist ein wenig schwindlig, und ich fühle wieder meine Rippen. Ich schliesse das Fenster und gehe ebenso langsam und vorsichtig wieder zu meinem Bett zurück. Gerade als ich mich wieder ins Bett setze, geht die Tür auf. Der Arzt kommt ins Zimmer, wieder ein freundliches Lächeln im Gesicht. Sein Blick fällt auf das halbe Sandwich. „Ah, Hunger bekommen?“, fragt er grinsend. Ich nicke und versuche ebenfalls zu lächeln. Er sieht sich den Infusionsbeutel an. „Ich denke, sie brauchen keine weitere Infusion mehr.“ Er lächelt. Gut, wenigstens dieses lästige Ding bin ich los. „Ich werde gleich eine Schwester vorbeischicken.“, meint er, nickt mir noch einmal zu und geht wieder Keine fünf Minuten später steht Schwester Chantal im Zimmer. Sie entfernt den Schlauch und klebt ein Pflaster auf meine Hand. „Haben sie eigentlich keinen Besuch bekommen bisher?“, fragt sie, während sie meine Decke ausschüttelt. Ich schüttle den Kopf. „Meine Mum ist in Ägypten, ich glaube, sie weiss nicht einmal, dass wir einen Unfall hatten.“ Sie schaut mich fragend an. „Keine Freunde, welche vorbeischauen können?“ Ich schweige. „Verstehe.“, meinte sie dann, und ich glaubte ihr. Sie lächelte mir noch einmal zu. „Ach übrigens, ich habe Bill ihre Grüsse ausgerichtet. Er lässt fragen, ob sie nicht Lust hätten, ihn zu besuchen.“¨ Sollte ich es wagen, ihn zu besuchen? Ihm gegenüberstehen, nach all dem, was passiert ist? Würde ich das aushalten? In meinem inneren tobte ein Kampf. Doch ich musste es tun. Am besten so bald wie möglich. Ich war es ihm schuldig. „Ist… Könnte ich jetzt noch zu ihm?“, frage ich zögernd. Schwester Chantal sah mich erstaunt an. Dann schmunzelte sie. „Eigentlich wäre die Besuchszeit vorbei, aber bei ihnen könnten wir bestimmt eine Ausnahme machen…“

Bill:

Ich liege auf meinem Bett und döse vor mich hin. Langsam begann ich mich zu langweilen. Es hätte einen Fernseher in meinem Zimmer, aber was würde es mir bringen, ihn einzuschalten, wenn ich sowieso nichts sehen kann? Ich werde meine Mutter beten, mir meinen iPod mitzubringen. Damit ich wenigstens etwas Musik hören kann, wenn mich gerade keiner besucht. Schwester Chantal hatte mich heute durch das Zimmer geführt, ich konnte mir so ungefähr vorstellen, wie es aussah. Sechs Schritte bis zum Badezimmer, acht bis zum Fenster. Notfalls kann ich mich auch der Wand entlang tasten. Immer noch hoffe ich, dass irgendjemand ins Zimmer kommt und das Licht einschaltet. Mir sagt, das alles nur ein Scherz war und ich nicht blind bin. Doch ich kann es selber nicht so recht glauben. Wieso gerade ich? Hätte nicht irgendjemand anderes diesen Unfall haben können? Jemand anderes die Scherben ins Auge bekommen? Obwohl ich es niemandem wünsche, an meiner Stelle zu sein. Ich hoffe, dass ich irgendwann wieder sehen kann. Der Arzt hatte gesagt, dass die Chancen, dass ich für immer Blind bleibe, 50 % beträgt. Also gibt es Hoffnung. Ein Klopfen holt mich aus meinen Gedanken. Ich richte mich erstaunt auf. „Herein?“, rufe ich. Langsam öffnet sich die Tür, ich höre Schritte, welche zögernd auf mich zu kommen. „Wer ist da?“, frage ich. Inzwischen kann ich fast immer an den Schritten erkennen, wer ins Zimmer kommt. Doch diese sind mir unbekannt. Die Person bleibt stehen. „Ich bin’s… Georg.“ Ich lächle. „Oh, Hey!“ Ich höre, wie die Schritte langsam näher kommen. Ein Stuhl wird herbeigezogen. Wir schweigen uns an. „Und, wie geht’s dir?“, frage ich schliesslich, um das Schweigen zu brechen. „Ganz gut soweit… Ich kann wohl bald nach Hause. Und dir?“ Seine Stimme ist leise, zögerlich. „Na ja, ich habe keine Schmerzen oder so… Von daher also recht gut. Wenn es nur nicht immer so dunkel wäre…“ Wieder steigen mir Tränen in die Augen. Ich drehe den Kopf in eine andere Richtung, damit er nicht sieht, wie ich weine. Fühle plötzlich seine Hand auf meiner. „Es tut mir so leid…“ Er klingt verzweifelt. Ich wische mir die Tränen aus dem Gesicht und lege meine andere Hand auf seine. Wieder schweigen wir. Nachdem wir eine Weile still dasassen, ergreife ich erneut das Wort. „Wie ist eigentlich das Wetter draussen so?“ Ich bemerke, wie er sich ein wenig entspannt. „Blauer Himmel, die Sonne scheint. Ab und zu ein Paar Wolken, ansonsten aber schön.“, erklärt er. Ich lächle. „Tolles Wetter, um drinnen zu sitzen.“, meine ich grinsend. Ich fühle, dass er ebenfalls lächelt. „Geh mal zum Fenster und beschreib mir, was du siehst.“, sage ich. Er steht auf, schiebt den Stuhl ein wenig zur Seite. Geht zum Fenster. Öffnet es. Ich höre Vogelgezwitscher. „Also, was siehst du?“, frage ich ungeduldig. „Hmm… Bäume, Häuser, Autos, Menschen, Wiesen… Keine Ahnung…“ „OK, das ist vielleicht ein wenig zu schwer… Aber beschreib mir doch mal mein Zimmer… Ist vielleicht einfacher…“ Ich höre, wie er das Fenster schliesst und wieder zu mir ans Bett kommt. „OK, ich versuchs.“ Stille. „Na ja, eigentlich ist alles weiss. Die Wände, das Bett, der Tisch… Krankenhaus halt. Über deinem Bett hängt so n Bild. Man sieht nicht wirklich, was es sein sollte, besteht irgendwie nur aus so seltsamen Farbklecksen… So verschiedene Blautöne, etwas Violett und Gold… Und auf dem Tisch beim Fenster steht ein Blumenstrauss, in einer weissen Vase. Es sind so seltsame rosafarbene Blumen mit ganz kleinen Blütenblättern… Warte kurz.“ Ich bemerke, dass er aufsteht. Was hat er vor? Ich höre, wie seine Schritte wieder in Richtung Fenster gehen. Ein leises Klirren. Dann kommt er wieder näher. Setzt sich. „Gib mal deine Hand her.“ Ich strecke sie ihm hin und fühle, wie er mir etwas in die Hand legt. Ich schliesse sie vorsichtig und befühle es mit der anderen. Sofort bemerke ich, dass es sich um eine der Blumen handelt, die Georg mir beschrieben hat. Jetzt, wo ich sie in der Hand halte, kann ich mir genau vorstellen, wie sie aussieht. Ich lächle. Plötzlich geht die Tür auf. „Der Arzt kommt gleich!“, warnt uns die Stimme von Schwester Chantal. „Oh, dann geh ich wohl besser.“, meint Georg. Ich höre, wie er den Stuhl zurückschiebt und zur Tür geht. „Tschüss.“ „Georg?“ Er bleibt stehen. „Ja?“ “Kommst du Morgen wieder?“ „Klar!“ Die Tür fällt ins Schloss. Ich bemerke, dass ich noch immer die Blume in der Hand halte. Lächelnd streiche ich ein letztes Mal über ihren samtigen Stängel und lege sie dann auf den Nachttisch.

Georg:

Als ich wieder in meinem Bett liege, laufen mir auf einmal Tränen über die Wangen. Womit hatte ich es verdient, dass Bill so nett zu mir ist? Wie konnte er mir so schnell verzeihen? Nach alldem, was passiert ist! Ich drücke mein Gesicht ins Kopfkissen. Und dennoch, irgendwie, bin ich glücklich, erleichtert. Bill hat sich scheinbar mit seiner Behinderung abgefunden, und noch gibt es Hoffnung, dass er irgendwann wieder sehen kann. Seine Umwelt scheint mehr Probleme damit zu haben als er selber. Doch die Schuldgefühle sind stärker. Dieser Hass auf mich selbst, dass es überhaupt soweit kommen musste. Auch wenn noch nicht klar ist, wer die Schuld am Unfall trägt. Ich hatte die Verantwortung für die Jungs, und ich habe versagt. Bestimmt wird mir nie wieder jemand vertrauen können… Ich weiss nicht, wie lange ich noch weinend im Bett liege. Irgendwann fallen mir die Augen zu. Bereits zum dritten Mal betätige ich die Hupe des Wagens meiner Mutter. „Können die denn nie pünktlich sein?“, ärgert sich Gustav, welcher auf dem Beifahrersitz sitzt. Ich zucke mit den Schultern. Endlich öffnet sich die Haustür. Leicht genervt kommt Tom auf das Auto zu. Er öffnet die Tür und klettert auf den Rücksitz. „Das nächste Mal warten wir nicht so lange!“, warne ich ihn. „Tut mir Leid, aber Bill hat das Bad belagert.“, entschuldigt er sich. Seine Stimme klingt genau so genervt wie er aussieht. „Wo ist der überhaupt?“, meldet sich Gustav zu Wort. Im selben Moment öffnet sich die Haustür ein zweites Mal, und Bill kommt herausgerannt. Er reisst die Autotür auf und setzt sich neben Tom. „Na endlich!“ Ich starte den Wagen. Die Fahrt zur Party dauert ungefähr eine halbe Stunde. Ich schalte den Radio ein und höre zu, wie sich Bill und Tom über etwas Belangloses streiten. Ich muss grinsen. Später erreichen wir die alte Lagerhalle, in welcher die Party stattfinden sollte. Bis auf das noch immer dudelnde Radio herrschte Schweigen im Wagen. Ich suche mir einen Parkplatz, und wir steigen aus dem Wagen. Noch läuft nicht viel; die meisten Leute werden wohl innerhalb der nächsten Stunde auftauchen… Wir stürzen uns ins Getümmel. Irgendwo in der noch längst nicht vollen, aber dennoch bereits gut besuchten Halle verlieren wir uns aus den Augen. Ich steuere ein Sofa am Rande der Tanzfläche an. Mir ist nicht wirklich nach Tanzen und Flirten. Ich beobachte die Leute, welche am tanzen sind. Erstaunlich, wie viele davon bereits betrunken oder angetrunken waren. Ich hatte beschlossen, diesen Abend keinen Tropfen Alkohol zu mir zu nehmen; schliesslich musste ich noch zurück fahren… Ich sehe, wie Gustav auf mich zukommt, zwei Gläser in der Hand. Er setzt sich grinsend neben mich und streckt mir eines der Gläser hin. Ich nehme es in die Hand und sehe Gustav fragend an. „Ist da Alkohol drin?“ Er lacht. „Denkst du, ich will dich abfüllen? Ich will schliesslich heil nach Hause kommen!“ Schweissüberströmt schrecke ich hoch. Meine Haare kleben mir im Gesicht, mein Atem geht schnell. Mein Herz klopft wie wild. Meine Hand tastet nach dem Lichtschalter auf dem Nachttisch, findet ihn. Ich schalte das Licht ein, lasse mich ins Kissen zurücksinken. Langsam beruhige ich mich. Ich höre ein leises Klopfen, gleich darauf steckt eine Krankenschwester den Kopf zur Tür hinein. „Ich habe gesehen, dass sie noch Licht haben. Ist alles in Ordnung?“ Ich nicke, noch immer geht mein Atem schnell. Die Schwester kommt herein, sieht mich besorgt an. „Haben sie was Schlechtes geträumt?“ Mit einem Mal wir mir klar, was gerade passiert ist. Es ist das erste Mal, dass ich mich an einen meiner Träume erinnern kann. „Ich habe mich erinnert.“, stelle ich fest und weiss nicht, ob ich mich freuen soll oder nicht. Die Krankenschwester sieht mich einen Augenblick irritiert an, doch dann schein ihr ein Licht aufzugehen. „Das ist super!“, freut sie sich. Ich lächle sie unsicher an, weiss nicht, ob ich mich freuen soll oder nicht. Die Krankenschwester setzt sich zu mir ans Bett. „Am Besten, du erzählst mir gleich mal, was du gesehen hast. Wer weiss, vielleicht hast du sonst am nächsten Morgen wieder alles vergessen.“ Ich nicke und beginne zu erzählen. Sie hört mir aufmerksam zu. Ich schliesse meine Erzählung ab, bin völlig ruhig und innerlich irgendwie… leer. Die Schwester steht wieder auf. „Am besten, du ruhst dich erst mal aus. Brauchst du noch ein Schlafmittel?“ Doch während sie diese Frage stellt, bin ich schon tief und fest eingeschlafen.

Bill:

„Klingel einfach, wenn du was brauchst.“ Ich nicke und höre, wie Schwester Janine zur Tür geht. Gleich darauf wird die Tür auf- und zu gemacht. Ich kann noch eine Weile ihre Schritte auf dem Flur hören, dann herrscht wieder Stille. Ab und zu höre ich Stimmen und Schritte, welche an meiner Zimmertür vorbeigehen. Erstaunlich, wie sehr sich die anderen Sinne verbessern, sobald einer ausfällt. Manchmal kann ich Kinderlache hören, obwohl die Kinderstation einige Stockwerke unter uns liegt. Ich stelle mir dann oft vor, wie sie durch die Gänge rennen und ihren Spass haben. Diese Gedanken versetzen mir einen kleinen Stich. Zu gerne würde ich das Krankenhaus erkunden, doch ohne meine Sehkraft würde das wohl kaum gehen. In den letzten Tagen haben sich Horden von Fans vor dem Krankenhaus versammelt, ab und zu höre ich sie kreischen oder meinen Namen schreien. Ins Krankenhaus hinein hat es bisher glücklicherweise keiner geschafft, dank den Securitys, welche Tag und Nacht die Eingänge bewachen. Ich wäre noch nicht bereit, mit den Fans konfrontiert zu werden, schon alleine weil ich sie nicht sehen kann. Das wäre viel zu gefährlich. Ich weiss nicht, ob ich überhaupt irgendeinmal wieder den Mut haben werde, auf der Bühne zu stehen. Doch das würde wiederum das Ende von Tokio Hotel bedeuten… Aber in der momentanen Situation scheint es, als müsste ich dafür nicht mal aussteigen. Ich weiss, dass Tom wegen dem Unfall einen riesigen Hass auf Georg hat, und ob sich dieser Hass jemals wieder legt, weiss ich nicht. Ich seufze leise. Wie spät es wohl ist? Langsam knurrt mein Magen, und ich hoffe, dass bald das Mittagessen kommt. Besucht hat mich heute noch niemand, und ich langweile mich mal wieder. Ob heute wohl überhaupt noch jemand vorbeischauen wird? Ich habe keine Lust, den ganzen Tag im Bett zu liegen. Es klopft an die Tür, und sie wird geöffnet. Der Geruch von etwas essbarem steigt mir in die Nase. Die Schwester, welche für die Essensverteilung zuständig ist, begrüsst mich und nimmt mich am Arm, um mich zum Tisch zu führen. Sie stellt einen Teller vor mich und erklärt mir, was sich wo auf dem Teller befindet. Ich rümpfe ein wenig die Nase; Reis gehört nicht gerade zu meinen Lieblingsessen. Doch da mein Magen noch immer knurrt, esse ich es trotzdem. Nachdem ich gegessen habe, lege ich mich wieder ins Bett und döse ein wenig vor mich hin. Ich versuche, mich an vergangene Auftritte zu erinnern an das Gefühl, auf der Bühne zu stehen. Ein Gefühl, welches ich vielleicht nie wieder fühlen werde. Ich versuche krampfhaft, die aufsteigenden Tränen zu unterdrücken, was mir auch gelingt, mehr oder weniger. Ich muss mich irgendwie ablenken, aber wie? An irgendwas denken, was nicht mit dem Unfall und der Band zu tun hat. Aber was? Gerade als ich mir überlege, womit ich mich ablenken könnte, klopft es an die Zimmertür. Sie wird geöffnet, und ich höre Schritte. „Oh, hey Georg!“, rufe ich grinsend.

Georg:

Irritiert bleibe ich stehen. „Woher weißt du, dass…“ „Ach, ich hab dich an deinen Schritten erkannt.“, antwortet Bill grinsend. „Cool!“ Nun ebenfalls grinsend nehme ich mir einen Stuhl und setze mich zu ihm ans Bett. „Und, wie geht’s dir heute?“ „Mal abgesehen, dass ich mich zu Tode langweile ganz gut.“, antwortet Bill grinsend, „Wenn ich wenigstens Musik hören könnte…“ Er seufzt. Ich nicke verständnisvoll. „Und wie geht’s dir?“, fragt er zurück. Ich zögere einen Moment. „Auch nicht schlecht.“, antworte ich. Er dreht sein Gesicht in meine Richtung, sieht besorgt aus. „War irgendwas?“ „Na ja, ich habe mich letzte Nacht an einen Teil von dem, was am letzten Freitag passiert ist, erinnert. Ich habe davon geträumt.“, erkläre ich. Bill sieht mich erwartungsvoll an. „Erzähl!“ Ich erzähle ihm vom Traum, er hört mir aufmerksam zu. Schliesslich beende ich meine Erzählung. Einen Moment lang herrscht Schweigen. Schliesslich ergreift Bill das Wort. „Also so wie ich mich erinnere, stimmt das, was du geträumt hast. Wenn ich mich daran erinnern will, sehe ich alles irgendwie wie durch Nebel, aber jetzt, wo du es erzählst, wird die Erinnerung klar. Aber ob der Drink, den Gusti dir gebracht hat, wirklich Alkohol enthielt, kann ich dir nicht sagen. Das müsstest du ihn schon selber fragen.“ Ich nicke und senke den Kopf. „Ich habe bisher nichts von ihm gehört… Auch nicht von Tom oder irgend jemandem anderes… Ich versteh ja, dass sie wütend auf mich sind, wegen dem Unfall, aber…“ Ich breche ab. Bill sieht überrascht aus. „Wie, dich hat noch keiner besucht? Gar niemand?“ Ich schüttle den Kopf. „Meine Mum ist in Urlaub, und ansonsten… Die denken wohl alle, dass ich…“ „…dass du schuld bist.“, beendet Bill den Satz für mich. Ich nicke. „Ja.“ Wieder schweigen wir für einen Moment. „Weißt du, eigentlich ist es doch egal, wer schuld ist.“, sagt Bill plötzlich, „Der Unfall ist passiert, und auch wenn sich herausstellt, dass der Andere schuld war, wird das ganze nicht Rückgängig gemacht.“ Ich schaue ihn erstaunt an. Er redet weiter. „Weißt du, kein Mensch ist perfekt. Jedem kann mal ein Fehler passieren. Manche Fehler sind nur klein und bleiben ohne Folgen. Andere können grossen Schaden anrichten und teilweise Leben zerstören. Doch auch bei solchen Fehlern muss man verzeihen können.“ Schweigen. Erst, als mir etwas warmes auf die Hände tropft, bemerke ich, dass mir Tränen übers Gesicht laufen. „Georg, alles in Ordnung?“, fragt Bill und streckt seine Hand nach mir aus. Ich ergreife sie und drücke sie vorsichtig. „Alles OK.“, versichere ich ihm und wische mir mit der anderen Hand die Tränen aus dem Gesicht. Er lächelt. Mein Herz klopft; was ist los mit mir? Noch immer befindet sich Bills kleine, warme Hand in meiner. Plötzlich wird die Zimmertür aufgerissen, und Tom steht im Zimmer. Sein erst überraschter Blick wandelt sich in einen wütenden Blick um. Sofort lasse ich Bills Hand los. „Was willst du hier?“, fragt er und macht einige Schritte auf mich zu. Ich stehe auf. Tom scheint vor Wut fast zu kochen. „Los, verschwinde. Und lass meinen Bruder in Ruhe! Du hast schon genug Unheil angerichtet!“, schreit er. „Tom!“, mischt sich Bill ein, doch ich nicke nur und gehe aus dem Zimmer.

Bill:

Ich höre, wie Georgs aus dem Zimmer geht. Tom kommt näher und setzt sich auf den Stuhl, auf dem vorher Georg sass. „Was wollte er hier?“, fragt er kühl. Ich fühle, dass er wütend ist. „Mich besuchen?“, antworte ich. „Besuchen?“, er lacht böse, „Klar, und dich tausend mal um Verzeihung bitten für den Mist, den er gebaut hat.“ „Tom, er hat mich besucht, weil ich ihn darum gebeten habe.“ Tom schweigt. „Und wieso hast du ihn darum gebeten?“, fragt er schliesslich, „Nach all dem, was er dir angetan hat!“ Langsam werde ich wütend. „Georg ist mein Freund! Er hat vielleicht einen Fehler begangen, aber Fehler passiere nun mal! Und ausserdem ist ja nicht klar, wer den Unfall verursacht hat!“, schreie ich. Tom legt mir seine Hand auf den Arm. „Reg dich nicht auf!“ „Und ob ich mich aufrege!! Georg ist einer unserer besten Freunde…!“ „Er war einer unserer besten Freunde.“, unterbricht mich Tom ruhig. Ich schweige, habe keine Lust mehr, mich länger mit meinem Bruder zu unterhalten. „Es ist wohl besser, wenn du jetzt gehst.“ Tom nimmt meine Hand, doch ich ziehe sie weg. „Lass mich!“ Ich verschränke meine Arme. „Bill! Wenn jemand einmal so einen „Fehler“, wie du es nennst, begangen hat, woher soll man dann wissen, dass er nicht noch einmal…“ „HÖRST DU SCHLECHT!?! DU SOLLST ABHAUEN!!“ OK, das hat bestimmt das ganze Krankenhaus gehört, doch es zeigt Wirkung. Tom steht auf. Ich höre, wie der Stuhl zurückgeschoben wird. Toms Schritte gehen zur Tür. Dann fällt die Tür ins Schloss. Nur langsam beruhige ich mich. Ich kann mich nicht erinnern, jemals so wütend auf meinen Bruder gewesen zu sein. Ich lasse mich ins Kissen zurücksinken. Der soll bloss nicht noch mal daran denken, mich zu besuchen! Ich versuche, das soeben geschehene zu verdrängen, was mir erstaunlicherweise auch gelingt. Ich denke an Georgs Besuch, welcher so plötzlich beendet wurde. An das Gefühl, als ich seine Hand berührte; ein Kribbeln im Bauch, Herzklopfen. Ich lächle. Eigentlich seltsam, dass ausgerechnet dieser Mensch solche Gefühle in mir auslöst. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ich habe mich verliebt. Doch das ist nicht möglich- oder doch? Ich schüttle den Kopf. Nein, es war wirklich nicht möglich. Obwohl… Irgendwie… NEIN! STOP! AUFHÖREN!! Bill Kaulitz, was überlegst du dir eigentlich für ne Scheisse? Es ist nur Einbildung, es KANN nur Einbildung sein! Ich seufze leise, schliesse die Augen. In meinem Inneren taucht Georgs Gesicht auf; er lächelt. Träumen wird ja wohl noch erlaubt sein! Und überhaupt, die Chance, dass Georg auch… Und überhaupt, wie würden die Fans reagieren? Beim Gedanken an die Fans schlägt meine gerade eben noch euphorische Stimmung wieder in Trauer um. Ich bin nicht mehr Bill Kaulitz, Sänger von Tokio Hotel , der von den Mädchen umschwärmt und bejubelt wird. Ich bin nur noch ein blindes Nichts, welches nicht was es mit seinem Leben anfangen soll… 

Georg:

Nachdem mich Tom rausgeworfen hat, gehe ich langsam in mein Zimmer zurück. Ich lege mich in mein Bett. Immer wieder schwirren mir seine Worte durch den Kopf. Du hast schon genug Unheil angerichtet! Dann jedoch habe ich plötzlich wieder Bills Worte im Kopf. Man muss auch verzeihen können. Bill hat mir verziehen. Und das eigentlich, ohne mir jemals die Schuld am ganzen gegeben zu haben. Ob es das ist, wass mich fertig machte? Dass er mir nie gesagt hat, dass er mich hasst? Mich einfach behandelt wie zuvor? Habe ich das wirklich verdient? Ich vermute, es würde mir leichter fallen, Bill aus dem Weg zu gehen und zu wissen, dass er nichts mehr mit mir zu tun haben will, als ständig bei ihm zu sein und zu wissen, dass er meinetwegen vielleicht nie wieder etwas sehen kann. Und dennoch könnte ich ihn nicht einfach nicht mehr besuchen. Ich fühle mich quasi dazu verpflichtet, sozusagen auch die Folgen meines Handelns zu tragen. Wenn Bill schon nicht mehr mit seinen Augen sehen kann, will ich ihm die Welt durch meine zeigen. Ich schliesse die Augen. Vor meinen Augen taucht die Erinnerung an die Situation auf, in der Bill nach meiner Hand gegriffen hat. Wie es sich anfühlte, seine Hand in meiner zu spüren. Wieder beginnt mein Herz zu klopfen, wenn ich daran denke. Bills lächelndes Gesicht taucht vor mir auf, woraufhin ich ebenfalls lächeln muss. Irgendwie fühlt es sich gut an, an Bill zu denken. An sein Lächeln. Ich habe mich immer sehr wohl gefühlt in seiner Nähe, und ich vermute, dass dieses Gefühl durch den Unfall verstärkt wurde. Oder war es vielleicht… mehr? Ich seufze leise. Ich denke wieder einmal viel zu viel nach. Und überhaupt, was würde es mir bringen, wenn ich wüsste, dass es „mehr“ ist? Bill ist einer meiner besten Freunde, ich will ihn nicht verlieren, weil meine Gefühle mal wieder verrückt spielen. Dazu bin ich viel zu gerne in seiner Nähe. Langsam fällt es mir schwer, wach zu bleiben. Eine Weile kämpfe ich noch mit mir, doch wozu eigentlich? Habe ich Angst, wieder davon zu träumen, was passiert ist? Angst, zu sehen, dass ich wirklich Schuld an allem bin? Dass ich wirklich einen Fehler gemacht habe? Ich muss der Wahrheit ins Auge sehen, egal wie hart sie ist. Langsam entspanne ich mich und drifte ab ins Reich der Träume. Ich sehe, wie Gustav auf mich zu kommt, zwei Gläser in der Hand. Er setzt sich grinsend neben mich und streckt mir eines der Gläser hin. Ich nehme es in die Hand und sehe Gustav fragend an. „Ist da Alkohol drin?“ Er lacht. „Denkst du, ich will dich abfüllen? Ich will schliesslich heil nach Hause kommen!“ Ich führe das Glas an meine Lippen und lasse die kühle Flüssigkeit in meinen Mund laufen. Tatsächlich, es handelt sich um hundsgewöhnliche Cola. Nachdem ich das Glas halb leergetrunken habe, stelle ich es auf den kleinen Tisch vor dem Sofa. „Na, heute keine Lust auf Party?“, ruft mir Gustav zu. Inzwischen ist die Musik so laut, dass man sich in Normallautstärke nicht mehr unterhalten kann. Ich schüttle den Kopf. „Ich bin noch immer ein wenig fertig vom letzten Mal.“, meine ich grinsend. Gustav grinst und genehmigt sich ebenfalls einen Schluck aus seinem Glas. Während wir uns weiter unterhalten, gesellt sich Tom zu uns aufs Sofa. Man sieht ihm an, dass es nicht sein erster Drink ist, den er in der Hand hält. „Geht voll ab hier!“, meint er grinsend. Seine Augen glänzen.Ich werfe Gustav einen vielsagenden Blick zu, er verdreht die Augen. Tom steht wieder auf und verschwindet in der Menge. Schliesslich steht Gustav ebenfalls wieder auf, und ich bleibe alleine auf dem Sofa zurück. Wieder lass ich meinen Blick durch die Menge schweifen. Nach einer Weile sehe ich, dass Bill auf mich zukommt. Er sieht müde aus. Seufzend lässt er sich neben mir aufs Sofa sinken. „Alles in Ordnung?“, frage ich ihn und sehe ihn besorgt an. Er nickt. „Nur Kopfschmerzen.“ Sein Blick fällt auf mein halbvolles Glas Cola. „Darf ich?“, fragt er und nimmt es in die Hand. Ich nicke. Bill leert mein Glas in einem Zug und lehnt sich zurück. „Danke!“ Er streicht sich eine Strähne seines schwarzen Haares aus dem Gesicht und schliesst für einige Sekunden die Augen. Ich lasse meinen Blick wieder durch die Menge schweifen. Dann sehe ich kurz auf meine Uhr. Erstaunlich, wie schnell die Zeit vergeht. Ich richte mich auf, nur ungern verlasse ich das Sofa, auf dem ich die letzten drei Stunden verbracht habe. „Lass uns mal Tom und Gustav suchen! Es ist gleich halb zwei. Eure Mum bringt mich um, wenn ihr nicht pünktlich auf der Matte steht. Und so zu wie Tom vorhin war, könnte es ganz schön schwierig werden, ihn ins Auto zu kriegen.“ Bill grinst. Wir stehen auf. Bereits nach wenigen Metern treffen wir auf Gusti, der sich mit einem Kumpel unterhält. Zu dritt machen wir uns auf die Suche nach Tom. Diesen finden wir schliesslich ziemlich betrunken und wild mit einem Mädchen knutschend und fummelnd in der Nähe des Ausgangs. Tatsächlich ist es nicht leicht, Tom von seinem „Opfer“ wegzukriegen. Er wehrt sich mit Händen und Füssen, doch schliesslich schaffen wir es irgendwie, ihn aus der Halle zu kriegen. Einige Meter nach dem Ausgang gibt er auf. Gustav hält ihn dennoch noch sicherheitshalber am Arm fest; man kann schliesslich nie wissen, was einem Menschen unter Alkoholeinfluss alles einfällt. Wir erreichen den Wagen. Gustav quetscht sich mit Tom, welcher beschlossen hat, dass er nun doch nicht mehr nach Hause will, auf den Rücksitz. Bill setzt sich neben mich. Ich kontrolliere noch einmal kurz, ob alle angegurtet sind und starte dann den Wagen. Auf der Hauptstrasse werfe ich einen kurzen Seitenblick zu Bill. Er hat die Ellenbogen auf den Beinen abgestützt und das Gesicht in den Hände vergraben. „Bill, geht’s?“, frag ich und konzentriere mich wieder auf die Strasse. „Ja.“, antwortet er leise. „Schau mal ins Handschuhfach, ich glaub, da sind irgendwelche Schmerztabletten drinn.“ Bill beginnt, im Handschuhfach zu wühlen. Langsam sind immer weniger Häuser neben der Strasse, nur noch Bäume und Felder. Ich werfe einen kurzen Blick in den Rückspiegel und grinse. Tom ist auf dem Rücksitz eingeschlafen, sein Kopf auf Gustavs Schoss platziert. Auch Gustav hängt mehr schlafend als wach im Gurt. Bill reibt sich die Augen. „Fahren wir noch lange?“, fragt er und blinzelt einige male. „Noch etwa 10 Minuten.“ Wir nähern uns einer unübersichtlichen Linkskurve, in der schon viele Unfälle passiert sind. Ich fahre in die Kurve und werde gleich darauf von Scheinwerferlicht geblendet… Ich fühle, wie mich jemand schüttelt. Erschrocken öffne ich die Augen. Wieder bin ich schweissüberströmt. Ich schaue in das erschrockene Gesicht von Schwester Chantal. „Ist alles in Ordnung?“, fragt sie besorgt. Ich nicke. Überrascht stelle ich fest, dass die Sonne ins Zimmer scheint. Es ist bereits wieder Morgen. „Sie waren so unruhig.“, sagt die Krankenschwester. Ich nicke. „Ich habe wieder vom Abend geträumt, an dem der Unfall war.“, erkläre ich. Noch immer rast mein Atem; mein Herz klopft wie wild.

Bill:

Ich höre, wie Schwester Chantal das Fenster öffnet und spüre gleich darauf, wie die Sonne hineinscheint. „Eigentlich ist das Wetter viel zu schön, um den ganzen Tag drinnen zu sitzen.“, meint sie. Ich nicke. Etwas wehmütig erinnere ich mich an das Gefühl, wenn die Sonne auf meine Haut scheint. Ich seufze leise. Schwester Chantal kommt zu mir ans Bett und scheint meine Gedanken zu lesen. „Du findest bestimmt jemanden, der mit dir rausgeht.“ „Darf ich das denn?“ Die Freude in meiner Stimme ist kaum zu überhören. „Ich wüsste keinen Grund, wieso du das nicht dürftest. Frag doch deinen Freund, er kommt bestimmt mit!“ Ich nicke lächelnd. „Können sie mich kurz zu ihm bringen?“, frage ich, in der Annahme, dass sich Georg nach Toms Ausraster wohl kaum noch zu mir traut. „Kein Problem.“, meint sie und greift nach meiner Hand. Ich halte mich an ihrem Unterarm fest und lasse mich von ihr den Flur entlang führen. Wir bleiben stehen, und sie klopft an Georgs Zimmertür. Schwester Chantal machte die Tür auf und führte mich hinein. „Sie haben Besuch!“, hörte ich sie sagen. „Oh, Hey!“, kam es überrascht von Georg. „Hey!“, antwortete ich grinsend. In meinem Bauch kribbelte es. Schwester Chantal blieb vor Georgs Bett stehen und liess mich los. „Na, Lust heute etwas frische Luft zu schnappen?“, fragte ich grinsend. „Klar, wieso nicht?“ „OK, holst du mich ab?“, fragte ich grinsend. „OK. Dann bis später.“ Ich nahm Schwester Chantal wieder am Arm, und sie führte mich in mein Zimmer zurück. Noch immer hatte ich ein zufriedenes Lächeln im Gesicht und setzte mich ungeduldig wieder auf mein Bett. Noch immer hatte ich Bauchkribbeln. Irgendwie seltsam, dass ein Mensch, den man bereits seit Jahren kennt, mit einem Mal solche Gefühle in einem auslösen kann. Und das obwohl es hoffnungslos ist… Aber irgendwie sieht man die Menschen plötzlich in einem anderen Licht, man geniesst es mehr, mit ihnen zusammenzusein, von ihnen berührt zu werden. Allerdings ist man dadurch auch verletzlich… Ich lausche den Schritten auf dem Flur, doch irgendwie kann ich mich nicht so richtig darauf konzentrieren. Schon mehrmals sind die vermeintlichen Schritte Georgs an meiner Zimmertür vorbeigegangen. Doch dann klopft es plötzlich leise an meine Tür. Mein Herz macht einen Hüpfer. Die Tür geht auf, und die Schritte kommen näher. Ich lächle. „Na, kann’s los gehen?“, höre ich Georgs Stimme. Er klingt fröhlich. „Klar!“ Ich setze mich an den Bettrand und fühle, dass Georg mein Handgelenk nimmt. Ein kleiner Stromschlag durchzuckt mich. Vorsichtig rutsche ich vom Bett und lasse mich von ihm aus dem Krankenhaus führen. Die Sonne scheint mir ins Gesicht, und ich höre Vogelgezwitscher. Ich halte mich an Georgs Unterarm fest und geniesse einfach nur den Moment. Nach einigen Minuten fällt mir auf, dass wir eigentlich kaum etwas miteinander geredet haben, doch es scheint Georg nicht zu stören. Mit einem Mal lasse ich seinen Unterarm los. Er bleibt stehen. „Was hast du vor?“, fragt er. „Ich will mal ein Stück alleine gehen.“, meine ich grinsend. In völliger Dunkelheit gehe ich langsam vorwärts. „Bill, bleib stehen!“ Doch ich höre nicht auf ihn und gehe weiter. „Pass auf, da ist eine…“ Doch bevor ich erfahre, was es ist, verliere ich den Boden unter den Füssen.

Georg:

„…Stufe.“ Doch Bill sitzt bereits auf dem Boden. In wenigen Schritten bin ich bei ihm. „Hast du dir was getan?“, frage ich besorgt und nehme ihn an der Hand, um ihn auf die Beine zu ziehen. Er lacht nur, und ich stimme in sein fröhliches Lachen ein. „Aber von nun an lässt du mich nicht mehr los, klar?“ Am liebsten gar nicht mehr… Er nickt und klammert sich wieder an meinem Unterarm fest. Langsam gehen wir weiter. Die Sonne brennt, und ich wische mir den Schweiss von der Stirn. „Da vorne ist ne Bank, machen wir mal ne Pause?“, schlage ich vor und bleibe kurz stehen. „OK.“ Ich führe ihn zur Bank, und wir setzen uns. Wir schweigen uns an, doch langsam kommt es mir komisch vor, nichts zu sagen. Da mir gerade kein anderes Gesprächsthema einfällt, beschliesse ich, Bill von meinem Traum zu erzählen. Er hört mir aufmerksam zu. „Also eins ist in diesem Fall auf jeden Fall klar: Du bist nicht schuld am Unfall!“, schlussfolgert er aus meiner Erzählung. Ich zucke mit den Schultern. „Ich bin mir da nicht so sicher… Schliesslich kann ich mich noch immer nicht an alles erinnern… Wer weiss, wie es weiterging…“ Langsam bereue ich es, dieses Thema angesprochen zu haben, denn meine bisher gute Laune verschlechtert sich zusehends. Wieder überkommen mich diese Schuldgefühle, nach all dem, was Bill nun wegen mir durchmachen muss. Ich starre auf meine Schuhe und versuche verzweifelt, die Tränen zurückzuhalten. Mit einem Mal fühle ich, wie sich ein dünner Arm um meine Schultern legt, und gleich darauf eine Hand auf meiner Wange. „Hey, was ist los?“ Bill zieht mich vorsichtig an sich, und ich habe das Gefühl, dass mein Herz Purzelbäume schlägt. Nun laufen lautlos Tränen über meine Wangen. Bill dreht vorsichtig meinen Kopf, so dass ich direkt in seine Augen sehe. Langsam nähern sich unsere Köpfe, und ehe ich darüber nachdenken kann, was ich eigentlich tue, fühle ich seine Lippen auf meinen. Die Zeit scheint für einen Moment stehen zu bleiben. Ich schliesse meine Augen und geniesse einfach nur den Augenblick. Plötzlich bemerke ich, wie sich Bills Lippen von meinen lösen. Ich öffne überrascht und auch leicht enttäuscht die Augen. „Georg, ich… es tut mir… Ich habe einfach…“, stottert er los. Ich lege ihm die Hand auf die Schulter. „Ist doch…“ „Nein, tut mir Leid, echt… Das war einfach nur ne Kurzschluss…“ „Bill, ich sage doch, es ist…“ „Tut mir echt leid, irgendwie sind grad meine…“ Doch bevor noch ein weiteres Wort über seine Lippen kommt, verschliesse ich sie mit meinen. Wieder scheint die Zeit stehen zu bleiben. Nach einigen Sekunden beende ich den Kuss. Bill sieht mich überrascht an. Ich lächle. „Ich wollte sagen, es ist OK.“ Bill sieht überrascht aus. Er senkt den Kopf. „Weißt du, ich glaube, ich habe mich…“ „…in dich verliebt.“, beende ich den Satz für ihn, „Ich auch.“ Bill sieht mich noch ein wenig überraschter an als vorher, doch dann lächelt er. „Ehrlich!“ „Ja.“ Noch einmal küssen wir uns lange und leidenschaftlich, vergessen alles um uns herum, versinken in unserer eigenen kleinen Welt. Dann sehe ich kurz auf die Uhr. „Wir sollten wohl besser wieder rein gehen… Wer weiss, wer dich sonst noch alles besuchen will…“ Bill nickt und kann die Enttäuschung in seinem Gesicht kaum verbergen. „Wenn es schönes Wetter ist, können wir vielleicht Morgen wieder raus.“, versuche ich ihn aufzumuntern. Er lächelt. „OK.“ Hand in Hand gehen wir wieder ins Krankenhaus zurück.

Bill:

Mit einem fetten Grinsen im Gesicht lasse ich mich von Georg in mein Zimmer zurückführen. Er bringt mich zu meinem Bett und bleibt vor mir stehen. Ich setze mich auf den Bettrand und ziehe ihn an seiner Hand, die ich noch immer festhalte, zu mir. Ich lege meine Arme um seinen Hals, fühle seine Wange an meiner. „Ich liebe dich!“, flüstere ich ihm ins Ohr. „Ich dich auch.“, antwortet er ebenso leise. Wir halten uns noch eine Weile fest. Dann löst Georg seine Umarmung. Ich lasse ihn ebenfalls los. „Ich glaube, ich gehe wohl besser mal.“, meint er, „Ich denke nicht, das Tom begeistert wäre, wenn er mich schon wieder bei dir im Zimmer antrifft…“ Ich nicke und fühle kurz Georgs Lippen auf meinen. Dann höre ich, wie sich seine Schritte entfernen. Er bleibt noch einmal stehen. „Tschüss!“ Dann fällt die Tür ins Schloss. Noch immer lächelnd lasse ich meinen Oberkörper aufs Bett sinken. Ich kann kaum glauben, dass das ganze wirklich passiert ist. Wenn das ein Traum ist, will ich nie wieder aufwachen…! Doch trotz all des Glückes kommen in mir plötzlich Zweifel auf. Wir würden die Leute reagieren? Unsere Familien, Freunde, die Fans…? Würde es vielleicht das Ende für Tokio Hotel bedeuten? Wenn ja, wofür würde ich mich entscheiden- Liebe oder Band? Bevor ich weiter darüber nachdenken kann, klopft jemand an meine Zimmertür. Ich lege mich richtig ins Bett. „Herein!“, rufe ich. Die Tür wird geöffnet, und ich höre die Schritte zweier Personen, welche sich auf mein Bett zu bewegen. Ich erkenne sofort, dass das eine Paar Füsse meinem Bruder gehören, die anderen sind mir bisher unbekannt. „Hey Brüderchen!“, höre ich Toms Stimme. Ich habe das Gefühl, dass er krampfhaft versucht, fröhlich zu klingen. „Ich hab dir Besuch mitgebracht.“ „Wen?“, frage ich neugierig und richte mich auf. „Mich.“, höre ich jemanden sagen, dessen Stimme ich sofort erkenne. „Gusti!“ Wieder begann ich zu lächeln. Am liebsten würde ich Gustav sofort von mir und Georg erzählen, doch da Tom dabei ist, beschliesse ich, damit noch zu warten. Wir beginnen uns zu unterhalten, wobei Tom, sobald das Gespräch irgendwie in Richtung Unfall, Band oder Georg verläuft, sofort das Thema wechselt. Dieses Verhalten nervt mich zwar ein wenig, doch da ich vor Gustav nicht ausrasten will, nehme ich mich zusammen. Nach einer Weile verabschiedet sich Gustav, weil er noch bei Georg reinschauen will. Tom murmelt irgendetwas ziemlich böse klingendes. Ich höre, wie Gustav von meinem Bett weggeht. Dann fällt die Tür ins Schloss.

Georg:

Mit einem breiten Grinsen im Gesicht gehe ich in mein Zimmer zurück. Ich wäre zu gerne noch länger bei Bill geblieben, doch mein Instinkt sagte mir, dass es besser sei zu gehen. Ich hatte keine grosse Lust, seinem Bruder noch einmal über den Weg zu laufen. Nicht dass ich Angst vor ihm habe; es ist eher Angst davor, dass er vielleicht Recht hat und ich wirklich die Schuld am Unfall trage. Doch im Moment bin ich viel zu glücklich, um mir darüber Gedanken zu machen. Ich gehe als erstes quer durch mein Zimmer und reisse das Fenster auf. Dann gehe ich zu meinem Bett und lege mich hin. Noch immer strahle ich übers ganze Gesicht. Trotz allem, was passiert war, war ich so glücklich wie nie zuvor. Es klopfte an die Zimmertür, und ich unterbreche mein „Die-Decke-anstarren“ und schaue zur Tür. Schwester Chantal kommt rein und lächelt mich an. „Wir hätten sie wohl schon früher an die frische Luft schicken sollen, so wie sie strahlen.“, meinte sie. Ich nicke schmunzelnd. Sie erkundigt sich noch nach meinem Befinden und verabschiedet sich dann wieder. Ich lege meinen Kopf wieder aufs Kissen, schliesse die Augen, und sofort taucht Bills Gesicht vor mir auf. Ich bemerke auf einmal, wie müde ich bin. Vielleicht schaffe ich es ja, eine Runde zu schlafen, ohne wieder vom Unfall träumen zu müssen. Mit einem letzten Gedanken an Bill schlafe ich schliesslich ein. Langsam sind immer weniger Häuser neben der Strasse, nur noch Bäume und Felder. Ich werfe einen kurzen Blick in den Rückspiegel und grinse. Tom ist auf dem Rücksitz eingeschlafen, sein Kopf auf Gustavs Schoss platziert. Auch Gustav hängt mehr schlafend als wach im Gurt. Bill reibt sich die Augen. „Fahren wir noch lange?“, fragt er und blinzelt einige male. „Noch etwa 10 Minuten.“ Wir nähern uns einer unübersichtlichen Linkskurve, in der schon viele Unfälle passiert sind. Ich fahre in die Kurve und werde gleich darauf von Scheinwerferlicht geblendet… Ich halte mir die Hand über die Augen und begreife im ersten Moment nicht, was gerade passiert. Dann höre ich Bremsen quietschen, und reflexartig trete ich ebenfalls auf die Bremse. Es gibt einen Knall, und ich werde nach vorne geschleudert. Mein Kopf knallt auf das Armaturenbrett, und mir wird schwarz vor Augen. Das nächste, was ich mitbekomme, ist ein leises Stöhnen. Mein Kopf dröhnt, als ich mich vorsichtig aufrichte. Etwas warmes läuft über mein Gesicht, Blut. Ich werfe einen Blick auf den Beifahrersitz. Durch den noch immer brennenden Scheinwerfer des Auto, welches in unseres gekracht war, erkenne ich Bill. Er hängt in seinem Sicherheitsgurt, blutüberströmt. Ich kämpfe gegen die aufsteigende Übelkeit an und drehe mich auf die andere Seite. Neben unserem Wagen hatte ein anderes Auto angehalten. Die vier Insassen sind herausgesprungen und zum Wagen, der in uns gefahren war, gerannt. Sie rütteln an den Türen, schaffen es schliesslich, sie zu öffnen. Ich höre sie in einer fremden Sprache reden, verstehe nicht, was sie sagen. Schliesslich holen sie zwei leblose Körper aus dem Auto, tragen sie zu ihrem. Setzen sie auf den Rücksitz. Steigen ein und fahren davon. Der Schmerz in meinem Kopf wird stärker, und ich versuche krampfhaft, wach zu bleiben. Doch schliesslich wird wieder alles schwarz um mich herum. Panisch reisse ich die Augen auf, wieder bin ich schweissüberströmt, mein Atem rast. Um mein Bett herum stehen verschiedene Ärzte und Krankenschwestern, darunter auch Schwester Chantal und sehen mich besorgt an. Schliesslich tritt ein weiteres bekanntes Gesicht an mein Bett. Gustav. Auch er sieht ziemlich besorgt aus. „Hatten sie wieder einen Traum? Vom Unfall?“, fragt Schwester Chantal. Ich nicke, bin noch immer zu sehr ausser Atem, um zu sprechen. Aber langsam beruhige ich mich, mein Herz und mein Atem werden langsamer. Die Ärzte und Schwestern beginnen sich miteinander zu unterhalten und gehen dann Grüppchenweise aus dem Zimmer, bis nur noch Schwester Chantal, Dr. Wiesner und Gustav dastehen. „Du hast uns einen ganz schönen Schrecken eingejagt!“, meint Dr. Wiesner und klingt erleichtert. „Tut mir Leid.“, krächze ich und huste. Schwester Chantal drückt mir ein Glas Wasser in die Hand. Ich sehe sie dankbar an und leere es in einem Zug. Sie nimmt mir das Glas wieder aus der Hand und stellt es wieder auf den Nachttisch. „Wissen sie noch, was sie geträumt haben?“, fragt Dr. Wiesner. Wieder nicke ich und beginne leise, da meine Stimme noch immer nicht so will wie ich, zu erzählen. Die drei hören mir aufmerksam zu, und als ich meine Erzählung beende, bin ich völlig erschöpft. Erleichterung macht sich in mir breit. Lange sagt niemand ein Wort. Schliesslich räuspert sich Dr. Wiesner. „Sie werden wohl der Polizei auch davon erzählen müssen, damit diese Raser endlich festgenommen werden können.“ Ich nicke. Er sieht zu Schwester Chantal. „Ich glaube, wir werden hier nicht mehr gebraucht.“, meint er, und sie gehen aus dem Zimmer.

Georg:

Ich fühle mich noch immer total schwach, der Traum hat irgendwie meine letzte Kraft verbraucht. Ich zittere leicht, denn durch das immer noch offene Fenster kommt ein kühler Wind ins Zimmer. Ich ziehe mir die Decke bis zum Hals. Gustav kommt zu mir ans Bett, setzt sich auf den Rand. Wir lächeln uns kurz an und begrüssen uns dann wie üblich mit einem Handschlag. „Tut mir übrigens Leid, dass ich dich erst jetzt besuche… Ich wäre schon viel früher vorbei gekommen, aber alle um mich herum dachten, dass…“ „Dass ich schuld bin am Unfall.“ Er nickt. „Aber jetzt weiss ich ja, dass es nicht so ist. Jetzt, wo du dich erinnert hast.“ Ich nicke. Wieder erreicht mich ein kalter Luftzug, und ich mache Anstalten, aus dem Bett zu klettern und das Fenster zu schliessen. Doch Gustav ist schneller. „Ich mach das schon.“ In wenigen Schritten ist er beim Fenster und schliesst es. Dann setzt er sich wieder auf den Bettrand. „Danke.“ Ich lächle ihn an. Er grinst zurück. Einige Minuten herrscht schweigen. „Wann kommst du denn hier raus?“, will Gustav wissen. Ich zucke mit den Schultern. „Wird wohl nicht mehr allzu lange dauern… Jetzt, wo ich mich erinnert habe und alles… Allerdings ist meine Mum noch immer in Ägypten… Und ich habe eigentlich nicht unbedingt grosse Lust, alleine zu Hause zu sein… Meine Rippen sind noch immer nicht ganz in Ordnung, von daher…“ „Tja, ich bin nächste Woche weg, ansonsten hätte ich gesagt, du kannst zu mir kommen… Aber frag doch mal die Twins.“ Ich schüttle den Kopf. „Ich denke nicht, dass das so eine tolle Idee wäre… Tom wäre wohl nicht sonderlich erfreut darüber.“ „Ach, der wird sich schon wieder beruhigen. Muss er sogar. Schliesslich steht ja jetzt fest, dass du unschuldig bist.“ Ich nicke, bin jedoch nicht sonderlich überzeugt von Gustis Theorie. „Und, was hast du sonst die ganze Zeit so gemacht hier im Krankenhaus?“, will er wissen, und diese Frage bringt mich wieder zum lächeln. Ich spiele mit dem Gedanken, Gustav von mir und Bill zu erzählen. Schliesslich ist er einer meiner besten Freunde, wenn nicht sogar mein bester. Ich habe ihm bisher immer blind vertraut, doch diesmal habe ich irgendwie Angst, wie er es aufnehmen würde. Aber schliesslich würde es sowieso irgendwann von irgendwem erfahren, von daher ist es das Beste, ihm einfach die Wahrheit zu sagen. Ich beginne also zu erzählen. Von Anfang an. Von meinem ersten Besuch, Toms Ausraster und allem anderen, was noch passiert war. Von den plötzlichen Gefühlen für Bill, der Verwirrung und der Freude, als sich schliesslich herausstellte, dass es Bill genauso geht. Und auch, dass ich noch nie für jemanden so viel empfunden habe wie für Bill. Gustavs Augen werden während meiner Erzählung immer grösser, schweigend hört er mir zu. Schliesslich beende ich meine Erzählung und sehe ihn etwas unsicher an. Er öffnet einige Male seinen Mund, schliesst ihn dann wieder, ohne etwas gesagt zu haben. Ob es ein Fehler war, ihm gleich alles zu erzählen? Hätte ich damit besser noch warten sollen oder es besser einfach nur für mich behalten? Langsam scheint sich Gustav von seinem „Schock“ zu erholen, und sein völlig überraschtes Gesicht wandelt sich in ein Grinsen um, was mich ebenfalls zum grinsen bringt. Wir sehen uns kurz in die Augen und brechen dann in schallendes Gelächter aus. „Ich glaubs nicht.“, keuchte Gustav noch immer lachend, „Du, unser Weiberheld!“ Ich nicke, ebenfalls lachend. Langsam beruhigen wir uns wieder. „Aber ehrlich, ich freue mich für euch!“, meint Gustav schliesslich. Ich lächle. Dann klopft es an die Zimmertür, und Schwester Chantal steckt den Kopf zur Tür hinein. Sie sieht mich fragend an. „Zwei Polizisten sind hier. Währen sie bereit, ihnen ihren Traum zu erzählen?“ Mein Herz beginnt zu klopfen, und nach einigem Überlegen nicke ich schliesslich. „Soll ich gehen?“, fragt Gustav und rutscht vom Bettrand hinunter. Ich schüttle den Kopf. „Kannst ruhig bleiben, wenn du willst.“ Er nickt und setzt sich an den Tisch, welcher am Fenster steht. Noch einmal atme ich tief durch. Dann betreten die beiden Polizisten das Zimmer.

 Bill:

Ich verschränke meine Arme und schweige vor mich hin. Eigentlich habe ich keine grosse Lust, mich mit meinem Bruder zu unterhalten. „Bill… Nun sag doch was!“, höre ich Tom nach einer Weile sagen. Es klingt fast ein wenig verzweifelt. „Und was? Soll ich mir wieder deine Beschimpfungen über Georg anhören?“, gebe ich grimmig zurück. Ich höre Tom seufzen. „Bill… Wenn er nicht wäre, würdest du vielleicht jetzt nicht hier liegen…“ „Es war nicht seine Idee, zu dieser Scheiss Party zu fahren! Und überhaupt, wir wissen ja gar nicht, wie es zum Unfall gekommen ist. Tatsache ist, dass er an diesem Abend keinen Tropfen Alkohol zu sich genommen hat.“ Meine Stimme klingt ziemlich aufgebracht; ich balle meine Fäuste. Wieder schweigen wir uns einige Minuten an. „Wieso nimmst du ihn eigentlich so in Schutz?“, schreit Tom plötzlich, ich kann seine Wut richtig spüren. „Weil er einer meiner besten Freunde ist. Und weil ich ihn liebe.“ In meinen Ohren beginnt es zu rauschen. Der letzte Teil war mir einfach so rausgerutscht, es war nicht geplant. In mir beginnt sich alles zu verkrampfen. Wie wird Tom reagieren? Wieder schweigen wir für einige Minuten, und ich kann mir vorstellen, dass mein Bruder ziemlich bleich im Gesicht ist. „Du… Du liebst ihn?“, höre ich ihn schliesslich fassungslos sagen. „Ja. Und er mich auch.“, antworte ich schliesslich. Was habe ich noch zu verlieren? Es ist die Wahrheit, und Tom konnte es mir schliesslich nicht verbieten… „Aber…“ „Gar nichts aber. Es ist halt einfach so. Man kann sich ja nicht aussuchen, in wen man sich verliebt. Und überhaupt, mein Liebesleben geht dich einen Scheissdreck an.“ Mit einem Mal bin ich erstaunlich cool. Ist es nicht egal, was die anderen über mich denken? Es ist mein Leben, ich kann machen, was ich will. Ich höre, wie Tom auf seinem Stuhl herumrutscht. Er scheint sich hier bei mir im Zimmer nicht sonderlich wohl zu fühlen. „Du kannst ruhig abhauen, wenn du willst.“, meine ich schliesslich ziemlich tonlos. Tom antwortet nicht. Ich lasse mich seufzend ins Kissen sinken. „Aber… Wieso hast du… Und seit wann…“, stottert er zusammen. Noch einmal seufze ich und erzähle ihm so ziemlich alles. Ich bemerke, dass Tom nicht gerade begeistert ist von der ganzen Sache. Doch er wird es wohl oder übel akzeptieren müssen… Ich kann mir vorstellen, dass er überhaupt nicht mit so was gerechnet hat. Nun ja, ich ja eigentlich auch nicht… Und dennoch ist es passiert, und ich will nichts daran ändern… Dafür sind die Gefühle, welche Georg in mir auslöste, viel zu schön und zu stark. Ich höre, wie der Stuhl verschoben wird. „Ich geh dann mal.“, höre ich Tom sagen. Ich nicke und höre, wie er langsam, fast zögernd, durchs Zimmer geht. Dann fällt die Tür ins Schloss.

Georg:

Die Polizisten betreten das Zimmer, und ich fühle, wie meine Hände feucht werden. Sie treten näher an mein Bett, stellen sich vor und bitten mich dann ohne grosses um-den-heissen-Brei-reden, ihnen zu erzählen, was passiert ist. Es ist seltsam für mich, das ganze fremden Leuten zu erzählen, doch schliesslich gewöhne ich mich daran und schaffe es, ihnen das Ganze, wenn auch zwischendurch stockend, zu berichten. Auf ihre Bitte hin beschreibe ich ihnen noch die Insassen des anderen Unfallfahrzeuges und die, die sie schliesslich mitgenommen haben. Ich stelle fest, dass ich beinahe eine Stunde mit ihnen geredet hatte und bin völlig fertig. Gerade als sich die Beamten von mir verabschieden, fällt die Tür, welche wohl nur angelehnt war, ins Schloss, und wir drehen alle unsere Köpfe ruckartig zur Tür. Ich traue einen Moment meine Augen nicht. „Tom?!?“, bringe ich überrascht hervor. Tom richtet seinen Blick auf den Boden, er stützt sich an der Wand ab. Die Polizisten verabschieden sich nun endgültig von mir und gehen aus dem Zimmer, während Tom noch immer wie bestellt und nicht abgeholt in der Nähe der Tür steht. Ich starre ihn noch immer überrascht an. Minuten vergehen. „Wie lange stehst du denn schon da?“, frage ich schliesslich, als ich meine Sprache wieder finde. Noch immer betrachtet Tom einen scheinbar ziemlich interessanten Punkt auf dem Zimmerboden. Er zuckt mit den Schultern. „Hast du alles mitgehört?“, meldet sich Gustav zu Wort, welcher gerade dabei ist, einen Stuhl neben mein Bett zu ziehen. Wieder nickt Tom, noch immer ohne aufzuschauen. Ich runzle die Stirn und sehe Gustav fragend an. Dieser zuckt mit den Schultern und setzt sich auf den eben herbeigeschleppten Stuhl. Wieder schauen wir erwartungsvoll zu Tom, welcher zur Salzsäule erstarrt zu sein schein. Doch schliesslich scheint er aus seiner Starre zu erwachen. Er blickt kurz auf, sieht uns schuldbewusst an und kommt dann auf mein Bett zu. Direkt davor bleibt er stehen und fixiert einen nichtvorhandenen Punkt auf der weissen Bettdecke. Wieder runzle ich die Stirn, ich verstehe nicht so ganz, was der Bruder meines Geliebten, welcher mich am Tag zuvor wohl am liebsten unter der Erde gesehen hätte, vorhat. Tom greift nach einem Zipfel meiner Bettdecke und beginnt, nervös damit herumzuspielen. Noch immer wird er von Gustav und mir beobachtet. „Ich…“, beginnt er schliesslich zögernd, und ich sehe ihm an, dass er gerade am liebsten irgendwo anders wäre. „Es tut mir leid. Ich weiss jetzt, dass du nicht schuld bist am Unfall. War echt scheisse von mir, dich so zu behandeln…“ Wieder starrt er auf meine Bettdecke. Irgendwie muss ich lächeln, versuche aber trotzdem, ernst zu bleiben. „Ist doch OK. Ich hätte an deiner Stelle wohl genauso reagiert…“ Tom blickt auf. „Heisst das… Du bist nicht böse auf mich?“ Ich schüttle den Kopf. „Nein. Wieso auch? Schliesslich sind wir Freunde.“ Noch bevor ich fertig geredet habe, habe ich auch schon Tom am Hals hängen. Ich muss wohl ziemlich schräg aus der Wäsche schauen, denn Gustav versucht krampfhaft, einen Lachkrampf zu unterdrücken. Genauso schnell wie er mich gepackt hat, lässt Tom mich auch schon wieder los. Auch ich versuche nun krampfhaft, nicht laut loszulachen. Tom grinst ebenfalls. Er holt sich ebenfalls einen Stuhl, und wir beginnen zu quatschen, als ob nie etwas passiert wäre. Nach etwa einer halben Stunde steht plötzlich eine vor Wut kochende Oberschwester in der Zimmertür, die uns nicht gerade freundlich darauf hinweist, dass die Besuchszeit bereits seit mehr als einer Stunde vorbei wäre. Widerwillig verabschiede ich mich von meinen Bandkollegen, welche mir versprechen, dass sie am nächsten Tag wieder reinschauen würden. Kurz, bevor die beiden aus der Tür verschwinden, dreht sich Tom noch einmal um. „Ach übrigens! Das mit dir und Bill… Es ist OK für mich.“

Bill:

Noch lange liege ich an diesem Abend wach im Bett. Mir schwirren alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Ich hätte Tom nicht sagen sollen, was zwischen mir und Georg läuft. Und überhaupt, wie soll es nun mit uns weitergehen, wenn wir erstmal aus dem Krankenhaus raus sind? So wie ich Tom kenne, wird er alles versuchen, damit Georg und ich uns nicht mehr begegnen… Natürlich gibt es noch die Möglichkeit, dass wir uns heimlich treffen, aber das wäre mit der Zeit ziemlich mühsam… Ich denke, nun ist es endgültig aus mit Tokio Hotel. Ich kann mir nicht vorstellen, auf der Bühne zu stehen, ohne irgenwas zu sehen. Und überhaupt wäre es wohl nicht gerade förderlich für die Band, wenn Tom und Georg kein Wort mehr miteinander reden. Das würde die Band wohl zerstören, und so wie ich Georg kenne, würde er es nach einer Weile nicht mehr verkraften… Aber Tokio Hotel ohne Georg? Ohne mich! Ich muss mich wohl damit abfinden, dass unsere Karriere zu Ende ist, noch bevor sie wirklich begonnen hat… Es klopft, die Tür wird geöffnet und gleich darauf vernehme ich Schwester Chantals Schritte. Vor meinem Bett bleibt sie stehen. „Es ist bereits nach elf Uhr, du solltest schlafen! Ist alles in Ordnung?“, fragt sie. Ihre Stimme klingt besorgt. Ich nicke. „Bin nur am Nachdenken.“, murmle ich leise. Und so wie sich meine Gedanken im Moment entwickeln, dauert es wohl noch eine ganze Weile, bis ich einschlafen würde. „Möchtest du ein Schlafmittel? Sie haben es wirklich nötig, sich auszuruhen.“ Ich nicke. Vielleicht gar keine so schlechte Idee… Ich höre, wie sich die Schritte der Schwester entfernen. Gleich darauf wird die Zimmertür wieder geöffnet, und Schwester Chantal drückt mir ein Glas Wasser in die eine und eine kleine Tablette in die andere Hand. „Das wird dir helfen, abzuschalten.“, meint sie. „Danke.“, murmle ich. Dann nehme ich die Tablette in den Mund und spüle sie mit einem halben Glas Wasser runter. Die Schwester nimmt mir das Glas wieder ab. Ich lasse mich in mein Kissen sinken und murmle noch etwas Unverständliches. Dann fallen mir die Augen zu. Das erste, was ich am nächsten Tag mitbekomme, sind Stimmen, welche sich leise unterhalten und lachen. Ich lausche einen Moment und bin ein wenig irritiert. Die Stimmen gehören eindeutig zu meinen drei Bandkollegen. Aber wie ist das möglich? Tom und Georg in einem Raum? Ohne rum zu schreien? Lachend? Ich reibe mir die Augen, gähne herzhaft und setze mich auf. „Na, endlich ausgeschlafen?“, höre ich Georgs belustigte Stimme. Ich nicke, begreife noch immer nicht so wirklich, was hier läuft. „Wir haben schon mal dein Zeug gepackt. Der Arzt war vorhin hier. Du darfst heute nach Hause.“, höre ich Toms Stimme sagen. Ich runzle die Stirn, noch immer checke ich nicht, was abgeht. Schliesslich erbarmt sich Gustav und erklärt mir, dass sich Georg sich nun an den ganzen Ablauf des Unfalls erinnert habe und Tom es zufällig mitgehört und sich daraufhin bei Georg entschuldigt habe. „Dann bist du also tatsächlich unschuldig?“, frage ich, auch wenn die Frage eigentlich ziemlich überflüssig ist. „Ja.“, antwortet Georg und klingt dabei so fröhlich wie schon lange nicht mehr. „Ach und übrigens…“, beginnt Tom, und ich drehe meinen Kopf in die Richtung, in der ich ihn vermute, „Das mit dir und Georg…“ In mir beginnt sich alles zu verkrampfen, ich kralle mich im Bettlaken fest. „…Es ist OK für uns.“, beendet Gustav den Satz. Ich bleibe noch einen Moment lang regungslos sitzen, um ihre Worte zu verdauen, und lasse mich dann erleichtert ins Kissen zurücksinken. Ein Lächeln macht sich auf meinem Gesicht breit. Ich höre, wie Stühle verschoben werden. „Ich denke, wir lassen euch mal alleine.“, höre ich Tom sagen, „Komm, Gusti!“ Ich höre, wie ihre Schritte sich entfernen. Dann fällt die Tür ins Schloss. Schliesslich wird ein weiterer Stuhl rumgeschoben, und Georgs Schritte kommen näher. Ich fühle seine Hand auf meiner. Ich drehe meine Hand um und halte seine fest. Mit der anderen Hand streiche ich seinen Arm hoch, packe schliesslich seinen Oberarm und ziehe ruckartig daran, was Georg aus dem Gleichgewicht bringt. Er fällt halb auf mein Bett. „Was zum…“ Grinsend packe ich ihn, ziehe ihn an mich und halte ihn einfach nur fest. Ich seufze leise.

Georg:

Während ich meine wenigen Kleidungsstücke in meinen Rucksack stopfe, klopft es an die Zimmertür. Gleich darauf steht Tom im Zimmer. „Na, alles bereit? Mum sollte jeden Moment kommen.“ Ich ziehe den Reissverschluss zu und stehe auf. „Alles bereit.“, antworte ich und schultere den Rucksack. Tom grinst, und wir gehen aus dem Zimmer, den Flur entlang und zu Bill. Dieser sitzt angezogen auf seinem Bett, die Kopfhörer seines iPods in den Ohren und eine Sonnenbrille auf der Nase. Ich grinse bei dem Anblick. Als die Zimmertür zufällt, dreht er seinen Kopf in unsere Richtung und schaltet seinen iPod aus. Er lächelt. „Hey!“, ruft er fröhlich, „Na, alles gepackt?“ Ich bejahe, lasse den Rucksack auf den Boden fallen und setze mich auf den Bettrand. Bill tastet nach meiner Hand und drückt sie leicht, was in mir, wie jede seiner Berührungen, ein Kribbeln auslöst. Ich erwidere den Druck sanft. Tom schnappt sich einen Stuhl und setzt sich damit neben das Bett. „Mann, bin ich froh, hier endlich rauszukommen…“, seufzte Bill und lehnt sich an mich. Ich lasse seine Hand los und lege meinen Arm um ihn. Dann klopft es an die Zimmertür, und gleich darauf steht Simone, die Mutter der Zwillinge, im Zimmer. „Hey Mum.“, rufen Bill und Tom im Chor. Ich lasse Bill wieder los und begrüsse sie ebenfalls. Mit einem freundlichen Lächeln im Gesicht drückt sie erst ihre Söhne an sich und schüttelt mir dann die Hand. Gleich darauf klopft es erneut, und Schwester Chantal und Dr. Wiesner kommen ins Zimmer. Wir unterhalten uns ein wenig und verabschieden uns dann endgültig. Ich stehe auf und nehme meinen Rucksack. Bill klettert ebenfalls aus dem Bett und greift lächelnd nach meinem Arm. Ebenfalls lächelnd folgen wir Simone und Tom, welcher Bills Tasche trägt, aus dem Zimmer. Es scheint eine halbe Ewigkeit zu dauern, bis wir endlich beim Ausgang ankommen. Wir verlassen das Krankenhaus endgültig und gehen zu Simones Auto. Sie schliesst den Kofferraum auf, und wir verstauen Tasche und Rucksack darin. „Georg sitzt vorne.“, entscheidet Simone, als Tom erwartungsvoll bei der Beifahrertür steht. Dieser zuckt mit den Schultern und geht schliesslich zum Rücksitz. Bill verzieht das Gesicht, ich sehe ihm an, dass er mich lieber bei sich gehabt hätte. Simone schliesst den Kofferraum und geht ums Auto herum, um aufzuschliessen. Ich gehe ebenfalls um das Auto herum und warte mit Bill, welcher sich noch immer an meinem Unterarm festhält, bis das Klicken ertönt und ich die Tür öffnen kann. Bill lächelt mir noch einmal zu und lässt meinen Arm los. Ich lächle zurück, auch wenn er es nicht sehen kann, und will dann die Beifahrertür öffnen. Doch als meine Finger das kalte Metall berühren, durchzuckt es mich wie ein Blitz. Ich beginne haltlos zu zittern, immer wieder tauchen Bilder des Unfalls vor mir auf, ich will weglaufen, doch es ist, als würde meine Hand am Auto festkleben; ich kann mich nicht vom Fleck bewegen. „Georg, ist alles in Ordnung?“ Tom hat mich an den Schultern gepackt und schüttelt mich. Er mustert mich besorgt. Auch Simone sieht mich stirnrunzelnd an. Noch immer zittere ich. „Klar, alles OK.“, murmle ich und schaffe es nun, die Tür zu öffnen und mich hineinzusetzen. Wieder steigt Panik in mir auf, als ich den Sicherheitsgurt geschlossen habe. Ich kralle mich an der geschlossenen Autotür fest, meine Hände zittern stark, ich bin total verkrampft. Und die Panik wird noch etwas grösser, als Simone den Rückwärtsgang einlegt und aus dem Parkfeld fährt. Mir läuft der Schweiss von der Stirn, und ich nehme kaum wahr, dass Bill seine Hand auf meine Schulter gelegt hat. Die zehnminütige Fahrt kommt mir wie eine Ewigkeit vor. Beim Haus der Familie Kaulitz angekommen, bin ich der erste, der aus dem Auto springt. Ich atme tief ein; es kommt mir vor, als hätte ich während der Fahrt kaum Luft bekommen. Tom und Simone steigen ebenfalls aus, noch immer werfen sie mir besorgte Blicke zu. Ich öffne erst mal die hintere Autotür und helfe Bill aus dem Wagen. Auch er sieht besorgt aus. Ich nehme meinen Rucksack und führe Bill dann ins Haus. Ich sehe, wie er sich konzentriert, als ich ihn in sein Zimmer im ersten Stock führe. Bestimmt will er sich die Schrittzahlen einprägen, damit er sich auch alleine zurechtfinden kann. In Bills Zimmer stelle ich den Rucksack in der Nähe der Tür ab und führe Bill dann zum Bett. Er setzt sich auf den Rand und ich mich neben ihn. Seine Hand streicht meinen Arm hinunter und bleibt auf meiner Hand liegen. „Was war denn vorhin los?“, fragt er und dreht seinen Kopf in meine Richtung. Ich starre auf meine Knie. „Keine Ahnung… Als ich das Auto berührt habe, waren plötzlich die Bilder des Unfalls wieder da… Ich habe totale Panik bekommen…“, erkläre ich. Bills Hand streicht meinen Arm hoch, legt sich auf meinen Rücken. Er zieht mich an sich, und ich lehne mich an ihn. Lasse mich einfach nur von ihm festhalten, während er sanft über meinen Rücken streichelt. 

Bill:

Was war passiert? Würde Georg von nun an jedes Mal Panik bekommen, wenn er in einem Auto sitzen muss? Konnte ich ihm irgendwie helfen? Noch immer halte ich Georg in meinen Armen, streiche sanft über seinen Rücken. Fühle seine Wange an meiner. Ich würde ihm zu gerne helfen, aber wie? Ich höre, wie jemand die Treppe hochrennt, gleich darauf klopft es an die Zimmertür. Ich lasse Georg los. „Ja?“ Die Tür geht auf, und gleich darauf höre ich die Stimme meines Bruders. „Mum bestellt Pizza. Wollt ihr auch?“ Schon alleine der Gedanke an Pizza lässt mir das Wasser im Mund zusammenlaufen. „Für mich eine Margherita.“, sage ich und drehe meinen Kopf in Georgs Richtung. Keine Reaktion; er ist wohl noch immer in Gedanken versunken. Ich stupse ihn an. „Georg?“ Er zuckt zusammen. „Was?“, murmelt er. „Mum bestellt Pizza, was möchtest du?“, erkläre ich ihm noch einmal. Er zuckt mit den Schultern. “Dieselbe wie du.“ „OK, dann zwei Margherita.“, höre ich Tom noch sagen. Dann schliesst er die Tür, und ich höre, wie er die Treppe runterrennt. Wieder lege ich meine Arme um Georg, leise seufzend. Ich muss ihn ablenken… Aber wie? Ich lasse meinen Oberkörper aufs Bett sinken und ziehe ihn mit mir. Sein Kopf bleibt auf meiner Brust liegen, ich kann seinen Atem hören. Ich streichle ihm sanft durch die Haare. Ungefähr zehn Minuten später klopft es erneut an die Tür. „Pizza ist da.“, höre ich Tom von draussen rufen. „Wir kommen.“, rufe ich zurück. Georg nimmt seinen Kopf von meiner Brust. Noch immer liegt er in meinen Armen. Ich fühle seinen Atem in meinem Gesicht, er streichelt sanft über meine Wange. Er haucht mir einen kurzen Kuss auf die Lippen und steht dann auf. Ich strecke meine Hände aus, und er zieht mich auf die Beine. Noch einmal zieht er mich kurz an sich. „Los, lass uns runter gehen, sonst wird die Pizza kalt.“, höre ich ihn sagen. Seine Stimme klingt wieder normal. „OK.“ Ich lächle und nehme seinen Arm. Zusammen gehen wir aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Sofort steigt mir der Pizzageruch in die Nase. Georg führt mich zu meinem Stuhl. „Du kannst dich an Gordons Platz setzen. Neben Bill.“, höre ich meine Mutter sagen. „OK.“ Der Stuhl neben mir wird herumgeschoben, und Georg setzt sich neben mich. Ich taste nach dem Pizzakarton, welcher vor mir auf dem Tisch steht, nehme das erste Stück und beginne zu essen. Der Geschmack von zerlaufenem Käse, Tomatensauce und Pizzaboden macht sich auf meiner Zunge bereit. Wie ich diesen Geschmack vermisst habe!! In Windeseile habe ich meine Pizza vertilgt und höre nun einer angeregten Unterhaltung zwischen Mum und Tom zu. Es geht dabei um eine Party, auf die Tom unbedingt will, meine Mutter jedoch strickt dagegen ist. Und wieder einmal wird mir bewusst, dass ich solche Diskussionen vielleicht nie wieder führen müssen werde. Wer wollte schon mit einem Blinden auf eine Party? Oder überhaupt etwas mit mir zu tun haben? Ich schiebe meinen Stuhl zurück und gehe aus der Küche. Ein Glück, dass ich mir die Schrittzahlen gemerkt habe. Ohne Probleme finde ich die Treppe. Tränen steigen mir in die Augen, während ich sie hochrenne, laufen mir unkontrolliert über die Wangen, als ich mich in meinem Zimmer aufs Bett fallen lasse. Wieso gerade ich? Warum konnte nicht irgendjemand anderes sein Augenlicht verloren haben? Und überhaupt, wieso musste dieser verdammte Unfall überhaupt passiert sein?

Georg:

Überrascht bemerke ich, wie Bill plötzlich aufspringt und aus der Küche rennt. Ich sehe zu Tom und Simone, welche ebenso ratlos auf ihren Stühlen sitzen. Ich stehe auf. „Ich schau mal nach…“, meine ich. Simone nickt, während Tom noch immer ziemlich überrascht dreinblickend auf seinem Stuhl sitzt. Ich gehe aus der Küche und die Treppe hoch. Oben war soeben eine Tür zugeknallt. Zögernd drücke ich die Türfalle hinunter und betrete Bills Zimmer. Bill liegt auf dem Bett, sein Gesicht in die Decke gedrückt. Ich höre ihn leise schluchzen, er wird von Weinkrämpfen geschüttelt. Mir steigen ebenfalls Tränen in die Augen. Ich setze mich zu ihm aufs Bett und streichle sanft seinen Rücken. „Was ist los, Süsser?“, frage ich und lege mich neben ihn. Er reagiert nicht und drückt weiterhin sein Gesicht in die Decke. Noch immer verstehe ich nicht wirklich, was los ist uns wieso er vorhin so plötzlich verschwunden ist. Ist irgendetwas passiert, was ich nicht bemerkt hatte? Oder hatte vielleicht sogar ich einen Fehler gemacht? Bin ich schuld daran, dass mein Freund nun hier liegt und sich die Augen aus dem Kopf heult? Ich höre auf über Bills Rücken zu streicheln und lege mich neben ihn. Wie schon so oft in den letzten Tagen starre ich die Decke an. Es war so viel passiert in den letzten Tagen… Der Unfall, meine Amnesie, ich bin mit Bill zusammengekommen… Manchmal denke ich, es ist alles nur ein Traum… Und irgendwann klingelt der Wecker und ich stelle fest, dass wir nie auf der Party waren, keinen Unfall hatten, ich nicht mit Bill zusammen bin… Ich fühle, wie sich neben mir etwas bewegt. Ich drehe mich auf die Seite. Bill sitzt im Schneidersitz auf dem Bett und streicht sich die Tränen aus dem Gesicht. Seine Augen sind rot und verheult. Ich setze mich ebenfalls auf und rutsche etwas näher zu ihm, nehme seine Hände. Er blickt auf. „Was ist los?“, wiederhole ich meine Frage. Er schüttelt den Kopf. „Gar nichts. Ich hatte nur ne kleinere Krise.“, erklärt er. Ich ziehe ihn an mich und halte ihn fest. Er kuschelt sich an mich. Ich streichle durch seine Haare. „Weißt du, es macht mich irgendwie immer traurig wenn ich höre, wie andere Menschen über irgendwas Normales reden, das ich jedoch vielleicht nie wieder machen kann… So wie Tom vorhin über die Party…“, erklärt er. Ich nicke verständnisvoll. „Ist doch klar… Mir würde es wohl genauso gehen.“ Bill hebt seinen Kopf und versucht zu lächeln. Dann jedoch sieht er mich ernst an. „Wie soll es jetzt eigentlich mit Tokio Hotel weitergehen?“ Ich senke den Kopf. „Wenn ich ehrlich bin, habe ich mir darüber noch keine Gedanken gemacht… Aber ich denke, das kommt jetzt ganz auf dich an… Wenn du weitermachen willst, würde ich natürlich sofort wieder auftreten… Und wenn nicht…“ Bill sieht mich erwartungsvoll an, doch ich kann auch ein wenig Angst in seinen Augen sehen. „…würde sich nichts zwischen uns ändern. Aber ohne dich würde ich auch nicht weitermachen wollen.“, beende ich meinen Satz. Bill zieht mich an sich, und einige Minuten sitzen wir einfach nur da und halten uns fest. Nach einiger Zeit löse ich mich aus Bills Umarmung und lasse meinen Oberkörper aufs Bett sinken. Bill streichelt mir sanft über die Wange. „Was wollen wir machen?“, fragt er. „Keine Ahnung… Sag du was.“ Ich verschränke meine Arme hinter dem Kopf. Bill überlegt. Seine Augen blitzen schelmisch auf. „Wir können ja einfach ein wenig Musik hören und kuscheln und so…“, schlägt er grinsend vor. Ich muss ebenfalls grinsen. „OK.“ Doch mein Gefühl sagt mir, dass es nicht beim „Kuscheln“ bleiben wird…

Bill:

„Na dann mach mal Musik an!“, fordere ich Georg grinsend auf. Ich höre, wie er zu meiner Stereoanlage geht. Er schaltet den Radio ein. „Ach ja, und schliess besser noch die Tür ab.“, rufe ich ihm zu, und mein Grinsen wird noch ein wenig breiter. Dann höre ich, wie der Schlüssel im Türschloss gedreht wird. Ich beginne nervös an meinem Hosenbein rumzuzupfen. Georg kommt wieder auf mein Bett zu und setzt sich neben mich. Ich zucke leicht zusammen, als ich seine Hand auf meiner Spüre. Ob ich wirklich schon bereit bin für das, was ich vor habe? „Was ist denn los?“ Georgs Stimme klingt ein wenig besorgt. Er drück vorsichtig meine Hand. Jetzt oder nie!, schiesst es mir durch den Kopf. Ich lege meine Arme um ihn und beginne, ihn sanft zu küssen. Meine Hände platziere ich auf seinen Schultern und drücke ihn sanft aufs Bett hinunter. Georgs Hände streichen sanft über meinen Rücken. Meine Lippen lassen von seinen ab und wandern zu seinem Hals, während meine Hände an seinen Seiten hinunter streichen und sein T-Shirt ein Stück nach oben schieben. Ich streichle sanft über seinen Bauch, meine Lippen verwöhnen noch immer seinen Hals. Georgs Hände gleiten nun ebenfalls unter mein Shirt und streicheln sanft meine Rücken auf und ab. Wieder kribbelt alles in mir, so stark wie nie zuvor. Nach und nach verfliegt meine Unsicherheit. Was habe ich zu verlieren? Ich schiebe Georgs T-Shirt weiter hoch und ziehe es ihm schliesslich über den Kopf. Dann küsse ich ihn wild, während meine Hände über seinen Oberkörper streicheln. Wieder wandern meine Lippen zu seinem Hals, dann über seine Brust bis hinunter zum Bauch. Georgs Herz klopft wie wild. Ich bedecke seinen Bauch mit kleinen Küsschen, während meine Hände an seiner Gürtelschnalle rumfummeln und ich ihm die Hose öffne. Er hebt sein Becken, damit ich sie ihm von der Hüfte streifen kann. Ich küsse mich langsam wieder nach oben und komme schliesslich wieder bei seinem Hals an, wo ich mich leicht festsauge. Georg streichelt mir wieder über den Rücken, packt den Saum meines T-Shirts und zieht es mir über den Kopf. Dann zieht er mich etwas näher an sich. Ich lasse von seinem Hals ab und küsse ihn leidenschaftlich. Georgs Hände streicheln noch ein paar Mal über meinen Rücken, wandern dann zu meinen Schultern, und ehe ich mich versehe, hat er mich umgedreht, sodass ich nun „unten“ liege. Noch immer liegen seine Lippen auf meinen, und ich spüre, wie seine Hand meinen Oberkörper hinuntergleitet, auf dem Bauch liegen bleibt und dort kleine Kreise streichelt. Seine andere Hand liegt in meinem Nacken. Das Kribbeln in mir wird immer stärker, auch mein Herz beginnt nun zu rasen. Ich lege meine Arme etwas fester um Georg, streichle mit meinen Händen über seinen Rücken. Georgs Hand streicht ein letztes Mal sanft über meine Bauch, dann über meinen Hüftknochen, meinen Oberschenkel hinunter bis zum Knie und wieder hoch, streift dabei wie zufällig meinen Schritt. Ich unterdrücke ein Stöhnen, meine Hände krallen sich in seine Schultern. Georg knöpft meine Jeans auf und öffnet fast in Zeitlupe den Reissverschluss. Dann zieht er mir die Hose aus. Seine Hände streicheln wieder sanft über meinen Oberkörper, seine Lippen liegen noch immer auf meinen. Seine Hand gleitet wieder hinunter zu meinem Bauch und dann zwischen meine Beine, bleibt auf meinen Boxershorts liegen. Nun kann ich ein leises Stöhnen, welches von Georgs Lippen erstickt wird, nicht mehr verhindern. Wieder kralle ich meine Hände in seinen Rücken, während Georg beginnt, seine Hand ein wenig auf und ab zu bewegen. Ich schliesse die Augen und beisse mir auf die Unterlippe, da sich seine Lippen an meinem Hals festgesaugt haben. Georg lässt von meinem Hals ab, seine Lippen legen sich wieder auf meine. Er führt seine Hand wieder ein wenig nach oben, lässt sie in meine Boxershorts gleiten. Er umfasst vorsichtig meine Erregung und streicht mit dem Daumen sanft über die Spitze. Ich presse mein Gesicht an Georgs Schulter, beisse leicht hinein, was Georg aufkeuchen lässt. Er verstärkt den Druck auf mein bestes Stück, reibt vorsichtig daran. Ich beisse meine Zähne zusammen, lege meinen Kopf in den Nacken. Nach wenigen Minuten erreiche ich meinen Höhepunkt. Für einen Moment kommt es mir vor, als würden tausende kleine Blitze meinen ganzen Körper durchzucken. Dann scheint mein ganzer Körper zu erschlaffen. Meine Brust hebt und senkt sich stark, mein Herz klopft wie kurz vor dem Zerspringen. Georgs Hand streichelt sanft meine Wange. Ich lege meine Arme um ihn, kuschle mich an in. Eng umschlungen liegen wir da, schweigend, der Musik lauschend, welche noch immer zu hören ist. Mit einem Mal beginne ich leicht zu zittern. „Ist dir kalt?“, flüstert Georg nahe bei meinem Ohr. Ich nicke und spüre sogleich, wie die Decke über uns gezogen wird. Leise seufzend kuschle ich mich so nahe wie möglich an Georg. „Ich liebe dich!“, flüstere ich glücklich und drücke mein Gesicht an seinen Hals. „Ich dich auch.“, höre ich ihn antworten. Ich fühle kurz seine Lippen auf meiner Stirn und schliesse die Augen. Zum ersten mal kann ich die Vorstellung, vielleicht nie wieder etwas sehen zu können, akzeptieren. Mir wird klar, dass es wichtigeres gibt als ob ich etwas sehen kann. Ich habe eine Familie, die mich liebt und unterstützt, wie sie nur kann, Freunde, welchen es egal ist, ob ich blind bin oder nicht, und den besten Freund, den man sich wünschen kann. Was wollte ich mehr? Und langsam sehe ich auch die Vorteile daran, nichts sehen zu können. Man beurteilt die Menschen nicht mehr nach ihrem äusseren, sondern lernt sie richtig kennen, findet heraus, wie sie ticken. Vielleicht ist das auch der Grund, das ich mich erst jetzt, wo ich blind bin, in Georg verliebt habe. Ansonsten hätte ich vielleicht nie rausgefunden, wie er wirklich ist. Eng an Georg gekuschelt schlafe ich schliesslich ein.

Georg:

Ganz sanft, um ihn nicht aufzuwecken, streichle ich über Bills Rücken. Mit einem zufriedenen lächeln im Gesicht liegt er eng an mich gekuschelt, seine Brust hebt und senkt sich gleichmässig. Ich lächle. Er sieht so zufrieden aus wie schon lange nicht mehr. Einen Moment habe ich gezweifelt, ob ich zu weit gehe, ihn vielleicht überfordere, aber diese Sorgen waren zum Glück unbegründet. Ich habe ihn glücklich gemacht, und das ist das einzige, was zählt. Ich weiss, dass es nicht leicht für ihn ist, so weiterzuleben wie vor dem Unfall, auch wenn er es so gut wie möglich versucht. Doch ich werde ihn dabei unterstützen, ich bin es ihm schuldig. Schliesslich ist er der wichtigste Mensch in meinem Leben, und ich würde es nicht verkraften, wenn er aus irgendeinem Grund unglücklich wäre. Ich schliesse meine Augen und döse ein wenig vor mich hin. Lausche der Musik und Bills ruhigem Atem. Einschlafen kann ich nicht, dazu bin ich zu wenig müde. Ich öffne meine Augen und lasse meinen Blick ein wenig durchs Zimmer schweifen, denke ein wenig nach, über die Zukunft und auch was wäre, wenn es mit Tokio Hotel nicht weitergehen würde… Mir ist klar, dass ich keinesfalls auf die Musik verzichten würde. Sie war mir zu wichtig, als dass ich sie einfach so aufgeben könnte. Ich fühle plötzlich eine Bewegung neben mir und drehe leicht meinen Kopf. Bill blinzelt. „Na, ausgeschlafen?“, frage ich ihn leise. Er gähnt und schlingt seine Arme um mich. „Ja…“ Noch immer lächelt er zufrieden. „Wie spät ist es überhaupt?“, fragt er. Ich werfe einen Blick auf meine Armbanduhr. „Halb sechs. Hast du Hunger?“ „Und ob! Los, lass uns mal was zu Essen holen.“, schlägt Bill begeistert vor. Ich stimme zu und reiche ihm seine Kleider. Wir ziehen uns an und gehen schliesslich hinunter in die Küche, wo Simone am Tisch sitzt und in einer Zeitschrift blättert. Sie blickt auf und lächelt uns zu, als wir in die Küche kommen. „Ihr habt bestimmt Hunger.“ „Und wie!“, verkündet Bill. Ich grinse. Simone beginnt, alle möglichen Lebensmittel auf den Tisch zu stellen. Ich führe Bill zu seinem Stuhl. „Kann ich irgendwie…“, beginne ich, doch Simone winkt ab. „Nein, setz dich ruhig. Schliesslich bist du hier zu Gast.“ „OK…“ Ich setze mich wieder neben Bill. Simone reicht uns Teller, Gläser und Messer. Sie stellte schliesslich noch eine Flasche Cola auf den Tisch. „Schmiert mir wer n Marmeladenbrötchen?“, fragt Bill. Er scheint so gut drauf zu sein wie schon lange nicht mehr. Ich greife nach einem Brötchen und dem Marmeladenglas, beginne, das Bröchen zu halbieren. Doch wieder werde ich von Simone unterbrochen. „Lass mich das machen, iss erstmal selber was.“ Sie nimmt mir die Marmelade aus der Hand und schmiert Bill ein Brötchen. Ich belege meines mit Schinken und beginne zu essen. Simone füllt unsere Gläser mit Cola und meint dann plötzlich: „Seit ihr beiden eigentlich ein Pärchen?“ Ich verschlucke mich an meinem Brötchen, beginne zu husten, bekomme kaum Luft. Völlig gelassen klopft mir Bill auf den Rücken, grinst und meint nur: „Ja, sind wir.“ Er greift nach meiner Hand. Inzwischen habe ich mich wieder beruhigt, und nur mein roter Kopf erinnert noch daran, dass ich soeben einen Erstickungsanfall hatte. „Hab ich’s mir doch gedacht.“, sagt Simone nur fröhlich, zwinkert mir zu und beginnt, die Abwaschmaschine einzuräumen. Peinlich berührt starre ich auf die Tischplatte, während Bill grinsend sein Brötchen weitermampft.

Bill:

Ich höre Vögel zwitschern. Ich friere. Meine Hände tasten nach der Decke, und ich rutsche etwas näher an Georg, welcher noch immer tief schlafend neben mir liegt. Meine Müdigkeit ist allerdings verflogen. Ich strecke mich und öffne meine Augen, kneife sie jedoch gleich wieder zusammen. Mein Herz beginnt zu rasen. War das gerade Einbildung, oder habe ich wirklich etwas helles gesehen? Vorsichtig und langsam öffne ich meine Augen erneut. Es war kein Irrtum. Erst noch etwas verschwommen, dann immer klarer nehme ich meine Umgebung wahr. Das noch schwache Tageslicht, welches ins Zimmer fällt. Georg, welcher ruhig neben mir schläft. Ich lasse meinen Blick durchs Zimmer schweifen. Unsere Kleider liegen im ganzen Zimmer verteilt auf dem Boden. Der CD-Player ist noch eingeschaltet. Auf Georgs Armbanduhr kann ich erkennen, dass es kurz vor fünf Uhr Morgens ist. Ich gähne und klettere vorsichtig wie möglich aus dem Bett. Noch immer kann ich nicht so recht begreifen, dass ich wirklich wieder sehen kann. Mein Herz rast. Ich schalte als erstes die Stereoanlage aus und gehe dann zu meinem Schrank, um mir einen Pullover überzuziehen. Dann gehe ich zum offenen Fenster und sehe hinaus. Gerade geht die Sonne auf, noch ist draussen, mal abgesehen von den Vögeln, alles ruhig. Immer wieder reibe ich mir die Augen, kann nicht glauben, dass ich nicht mehr blind bin. Irgendwie denke ich, dass ich nun wieder sehen kann, weil ich meine Blindheit akzeptiert hatte, sogar positive Seiten darin sah. Nicht dass ich die Dunkelheit um mich herum vermisse, aber eigentlich hatte ich mich gerade daran gewöhnt, nichts zu sehen… „Was machst du denn da am Fenster?“, höre ich Georg verschlafen murmeln. „Ich sehe mir den Sonnenaufgang an.“, erkläre ich ihm glücklich, ohne ihn anzusehen. „Wie du siehst dir… Oder heisst das etwa… Du kannst wieder sehen?“, kommt es irritiert und gleichzeitig aufgeregt zurück. Georg klingt nun hellwach. Übers ganze Gesicht strahlend drehe ich mich langsam um und gehe ins Bett zurück. Er schliesst mich in die Arme, doch ich bemerke, dass er irgendwie verkrampft ist. Ich runzle die Stirn und sehe ihn fragend an. „Ist alles in Ordnung?“, frage ich irritiert. Er nickt, weicht meinem Blick aus. „Freust du dich gar nicht?“ Wieder versuche ich, ihm in die Augen zu sehen. „Doch, klar freu ich mich für dich! Dann ist ja jetzt alles wieder… wie früher…“ Wieder runzle ich die Stirn. Was meint er damit? Wollte er etwa nicht, dass ich wieder etwas sehe? Oder war es etwas anderes? „Ich verstehe natürlich, wenn du jetzt nicht mehr… mit mir…“, beginnt Georg zögernd, noch immer mit gesenktem Blick. Ich starre ihn einen Moment lang überrascht an und lache dann los, worauf mich Georg verstört ansieht. Noch immer Lachend umarme ich ihn und wuschle ihm durch die Haare. „Mach dir keine Sorgen. Nur weil ich jetzt wieder etwas sehe heisst das noch lange nicht, dass sich meine Gefühle für dich geändert haben.“, flüstere ich ihm ins Ohr. Ich merke, wie er sich entspannt. Ich streichle sanft über seinen Rücken, ziehe ihn vorsichtig an mich. Er lässt seinen Kopf auf meine Schulter sinken, unterdrückt ein Gähnen. „Lass uns noch ne Runde pennen.“, murmelt er. Ich nicke, inzwischen überkommt mich auch wieder eine leichte Müdigkeit. Ich lasse mich ins Kissen zurückfallen, ziehe Georg mit. Ich schmiege mich an ihn, lausche seinem ruhigen Atem, streichle noch immer sanft seinen Rücken. Nach einer Weile fallen mir die Augen zu.

Georg:

Einige Stunden später wache ich auf. Ich öffne die Augen und sehe als erstes in Bills lächelndes Gesicht. „Du siehst süss aus wenn du schläfst.“, meint er und haucht mir ein Küsschen auf die Stirn. Ich packe vorsichtig an den Schultern, ziehe ihn zu mir und küsse ihn erst mal richtig, sehe ihm dabei tief in die Augen. Er löst seine Lippen wieder von meinen, streichelt mir sanft über die Wange. Schliesslich macht sich mein Magen mit einem lauten Knurren bemerkbar. Bill grinst. „Wollen wir erst mal frühstücken?“, fragt er. Ich nicke und warte, bis Bill aus dem Bett geklettert ist. Er streckt mir seine Hände hin, und ich lasse mich von ihm auf die Beine ziehen. Er lächelt mir zu und zieht mich an sich. Wir küssen uns und gehen dann Händchen haltend hinunter. Bill biegt in die Küche ein, wo Simone und Tom bereits am Frühstücken sind. „Hey Mum!“, ruft er fröhlich und zieht mich in die Küche hinein. Simone blickt erstaunt auf und sieht zu, wie Bill sich auf seinen Stuhl setzt und nach einem Brötchen und Marmelade greift. Auch Tom, welcher sich gerade einen Löffel Cornflakes in den Mund geschoben hat, sieht Bill ungläubig an. Grinsend setze ich mich neben Bill und nehme mir ebenfalls eines der noch warmen Brötchen. Noch immer Starren Tom und Simone Bill an. „Ist was? Oder wieso starrt ihr mich so an?“, fragt dieser grinsend. Tom fällt der Löffel aus der Hand. „Du… Du kannst uns… sehen?“, stottert er. „Ja, kann ich.“, meint Bill, als wäre es das normalste auf der Welt, und beisst in sein Brötchen. Mein Grinsen wird breiter, ich beginne mein mit Butter bestrichenes Brötchen ebenfalls zu essen. Tom und Simone scheint es die Sprache verschlagen zu haben. „Und… seit wann?“, fragt Simone verdattert. „Seit heute Morgen.“ Bill greift nach seinem Glas, trinkt es leer und wischt sich mit dem Handrücken über den Mund. Lächelnd beobachtet er mich dabei, wie ich zu Ende frühstücke. Auch Tom ist aus seiner Starre erwacht und schaufelt sich wieder Cornflakes in den Mund, allerdings ohne seine Augen von Bill abzuwenden. Ich stecke mir das letzte Stück meines Brötchens in den Mund. „Gehen wir wieder hoch?“, fragt Bill. Ich nicke, und wir stehen auf und gehen aus der Küche. Bill grinst noch immer vor sich hin. Wir steigen die Treppe hoch und betreten Bills Zimmer. Bill beginnt, seine herumliegenden Kleidungsstücke zusammenzusammeln, und ich mache dasselbe mit meinen. Dann setze ich mich auf das Bett und beobachte grinsend Bills Aufräumfimmel. Er sortiert seine CD-Sammlung, räumt seinen Schreibtisch auf und lässt sich schliesslich neben mir aufs Bett fallen. „Wow! Hast du öfters solche Aufräumattacken?“, frage ich grinsend. „Na ja, mein Zimmer muss immer ordentlich sein. Ich hasse es, nach Hause zu kommen und ein Chaos vorzufindenl“ „Vielleicht sollte ich dich mal in mein Zimmer bringen, vielleicht kriegst du dann ja auch so nen Aufräumanfall.“, meine ich grinsend, „Nötig wäre es mal…“ Sogleich habe ich ein Kissen im Gesicht. Lachend werfe ich es zurück. Gleich darauf ist eine wilde Kissenschlacht im Gange, welche damit endet, dass ich schwer Atmend auf dem Bett liege und Bill, ebenfalls ausser Atem, über mir kniet und meine Handgelenke festhält und über meinem Kopf aufs Bett drückt. „OK, du hast gewonnen!“, keuche ich noch immer lachend, doch Bill denkt nicht daran, mich loszulassen. Er beugt sich zu mir hinunter und küsst mich. Wie immer wenn ich seine Lippen auf meinen spüre, vergesse ich alles um mich herum, geniesse nur noch die Gefühle, das Kribbeln, welches dadurch ausgelöst wird. Die Tür wird aufgerissen. Erschrocken hebt Bill den Kopf und dreht ihn in Richtung Tür. „Bill, wollt ihr… Oh… ähm… Ich wollte nicht stören…“ Tom, sichtlich schockiert, starrt uns einen Moment lang mit ungläubig an und verschwindet dann genauso schnell wie er aufgetaucht ist. Bill lässt meine Handgelenke los und legt sich neben mich. Er grinst. „Tja, er wird sich wohl daran gewöhnen müssen, uns in Zukunft mal beim Rumknutschen anzutreffen…“

Bill:

Wir liegen noch eine Weile schweigend nebeneinander, noch immer hat sich mein Atemtempo nicht ganz normalisiert. Ich drehte leicht meinen Kopf, sehe zu Georg, welcher die Decke anstarrt. Ich lege meine Hand auf seine, welche auf seinem Bauch liegt. Er dreht ebenfalls leicht den Kopf, lächelt mir sanft zu. „Worüber denkst du nach?“, frage ich ihn leise. Er zuckt mit den Schultern. „Alles mögliche… Über die Zukunft… Über uns…“ Er sieht wieder die Decke an. Ich drehe mich auf die Seite, stütze den Kopf auf die Hand. Mit der anderen streiche ich Georg eine Haarsträhne aus dem Gesicht, woraufhin ein sanftes Lächeln über sein Gesicht huscht. Mein Blick fällt auf eine feine Narbe über Georgs linker Augenbraue, ich streiche vorsichtig darüber. „Ist die vom Unfall?“ Er nickt leicht. Ich lasse mich wieder auf den Rücken fallen. Ich muss wieder an die Rückfahrt vom Krankenhaus denken, an Georg, wie er zitternd beim Auto stand, unfähig sich irgendwie zu bewegen. Wie er daraufhin völlig verkrampft und bleich auf dem Beifahrersitz sass, sich panisch an der Tür festgehalten hatte, kaum atmen konnte. Ob ich ihm irgendwie helfen konnte, diese Angst loszuwerden? Ich richte mich auf und drücke Georg, welcher die Augen geschlossen hat, einen Kuss auf die Lippen. Er öffnet die Augen und lächelt mich an. Ich greife nach seiner Hand. „Kommst du?“, frage ich. „Wohin?“, fragt er überrascht. Ich zögere einen Moment mit meiner Antwort. Ob er überhaupt will, dass ich ihm helfe? Ich sehe ihn einen Moment lang ernst an. „Na ja… Ich möchte versuchen, dir zu helfen, deine Angst… vor Autos zu verlieren.“ Ich sehe ihm in die Augen. Er erwidert den Blick nickt dann. „OK.“ Wir stehen auf und gehen schweigend aus dem Zimmer und die Treppe hinunter. Im Flur nehme ich den Autoschlüssel meiner Mutter vom Schlüsselbrett und sehe Georg noch einmal an. Er wirkt angespannt, sieht aber nicht aus, als ob er einen Rückzieher machen will. Ich öffne die Tür und gehe aus dem Haus. Langsam gehen wir auf den Wagen meiner Mutter zu, welcher in der Einfahrt steht. Wenige Schritte davor bleiben wir kurz stehen. Georg atmet noch einmal tief durch. Dann geht er auf die Fahrerseite des Autos zu. „Warte mal!“, rufe ich plötzlich. Er bleibt stehen und sieht mich fragend an. „Vielleicht sollten wir langsam beginnen.“, schlage ich vor, „Fangen wir erst mal mit dem Rücksitz an, OK?“ Ein Grinsen huscht über sein Gesicht, er nickt. Wir öffnen die hinteren Türen des Wagens und setzen uns hinein. Ich beobachte Georg. Er wirkt ein wenig verkrampft. Einige Minuten sitzen wir einfach nur da, schweigen. Dann sehen wir uns kurz an und prusten los. Die Situation ist irgendwie einfach zu komisch. Doch das Lachen hilft Georg, sich zu entspannen; er sitzt nun völlig gelassen da. Wir steigen wieder aus und gehen schliesslich zur Beifahrertür. Ich habe ein mulmiges Gefühl. „Denkst du wirklich, du schaffst das?“, frage ich vorsichtshalber und lege Georg die Hand auf die Schulter, „Wir können auch ein anderes Mal weitermachen.“ Doch er schüttelt den Kopf. „Ich muss da durch.“, meint er und öffnet die Tür. Bisher ist er völlig ruhig, keine Anzeichen einer erneuten Panikattacke. Er steigt ein. Ich bemerke, wie er sich ein wenig verkrampft, ansonsten aber völlig ruhig da sitzt. „Geht doch!“, stellt er zufrieden fest und steigt wieder aus. Ich lächle. Georg geht um den Wagen herum und bleibt bei der Fahrertür stehen. Er atmet ein paar Mal tief durch, greift dann langsam nach dem Türöffner und öffnet die Tür. Dann steigt er ein. Ich steige ebenfalls ein, setze mich auf den Beifahrersitz, um bei ihm sein zu können, falls er wieder Panik bekommen sollte. Doch meine Angst ist scheinbar unbegründet. Als nächstes schliesst Georg die Tür und greift nach dem Sicherheitsgurt. Ich bemerke, wie seine Anspannung ein wenig steigt. Doch äusserlich ist er noch immer völlig ruhig. „Mach mal die Tür zu.“, fordert er mich auf. Ich schliesse die Tür und gurte mich ebenfalls an. Dann schaue ich wieder zu Georg, welcher die Hände aufs Lenkrad legt. „Hast du den Schlüssel?“, fragt er mich, und die Nervosität in seiner Stimme ist kaum zu überhören. Ich nicke und hole den Schlüssel aus meiner Jackentasche.

Georg:

Ich nehme Bill den Autoschlüssel aus der Hand und versuche mit zitternden Händen, ihn ins Zündschloss zu stecken. Schliesslich schaffe ich es irgendwie und drehe den Schlüssel. Musik dudelt aus dem Radio, und der Motor beginnt zu rattern. Noch immer bin ich angespannt, als ich vorsichtig den ersten Gang einlege. Doch das Rattern des Motors hat auch irgendwie etwas beruhigendes, langsam fällt die Anspannung von mir ab, ich lasse mich in den Sitz sinken. Vorsichtig gebe ich Gas und fahre auf die Strasse. Langsam macht sich ein Glücksgefühl in mir breit, ich lächle. „Sag mal, weis deine Mum eigentlich, was wir hier gerade mit ihrem Auto anstellen?“, frage ich Bill grinsend. Er grinst zurück. „Nein, ich hab ihr nichts gesagt… Hoffentlich kriegt sie nicht gleich einen Herzinfarkt wenn sie bemerkt, dass der Wagen weg ist…“ „Na ja, so lange werden wir ja nicht unterwegs sein… Oder willst du irgendwo hin?“ Bill überlegt einen Moment und schüttelt dann den Kopf. „Ach, fahr einfach mal…“, meint er. „OK.“ Ich biege auf die Hauptstrasse ein, und während wir fahren, unterhalten wir uns über alles mögliche, lachen und haben unseren Spass. Wir bemerken gar nicht, wie die Zeit vergeht, bis Bill plötzlich auf die Uhr sieht. „Oh, schon halb sechs… Wir sollten wohl langsam zurück.“ Ich nicke und biege bei der nächsten Seitenstrasse ab, um wieder zurück in Richtung Magdeburg zu fahren. Gerade als die Strasse durch ein kleines Waldstück führt, beginnt der Motor plötzlich zu stottern und fällt dann aus. „Oh, Scheisse!“ Ich kann das Auto gerade noch in einen Waldweg abwenden, bevor er zum Stehen kommt. „Was ist los?“, fragt mich Bill erstaunt. „Keine Ahnung, der Motor ist ausgefallen…“ Ich steige aus dem Wagen und gehe nach vorne, klappe den Deckel der Kühlerhaube hoch. Ich runzle die Stirn. „Ich denke, dass das irgendwie mit der Batterie zusammenhängt… Ich kenn mich da nicht wirklich aus… Ich glaube, wir bräuchten nen Abschleppwagen oder so… Hast du dein Handy dabei?“ Bill nickt und greift in seine Hosentasche. Dann sieht er mich an und zuckt mit den Schultern. „Kein Empfang…“ Ich klappe den Deckel wieder zu und lehne mich ans Auto. Es beginnt bereits zu dämmern, und dadurch, das wir mitten im Wald sind, wird es langsam ziemlich düster um uns herum. „Und was machen wir jetzt?“, fragt Bill, welcher neben mir steht. Ich zucke mit den Schultern. „Worauf hättest du denn Lust?“, frage ich grinsend. Er grinst zurück und schlingt seine Arme um mich. „Nun, wenn wir schon mal ungestört sind…“ Ich ziehe ihn an mich, und wir küssen uns stürmisch. Ohne mich von ihm zu lösen, öffne ich mit einer Hand die Tür des Rücksitzes. Bill packt mich an den Schultern und schiebt mich rückwärts auf den Sitz. Ich rutsche ein wenig rüber, und Bill steigt ebenfalls ein und schliesst die Tür hinter sich. Er beugt sich über mich, und wieder küssen wir uns leidenschaftlich. Ich schiebe ihm die Jacke von den Schultern, sie landet irgendwo auf dem Boden zwischen Vorder- und Rücksitz. Ich lege meine Arme um Bill, ziehe ihn an mich und streichle seinen Rücken. Bill lässt seine Hände über meinen Oberkörper gleiten, noch immer küssen wir uns wild. Ich bekomme den Saum von Bills T-Shirt zu fassen und ziehe es ihm über den Kopf. Es landet ebenfalls auf dem Boden des Wagens, genauso wie wenige Sekunden später mein T-Shirt, welches mir Bill nun ebenfalls über den Kopf gezogen hat. Er streicht über meine nackte Brust, beisst sanft in meinen Hals. Ich stöhne leise, wieder küssen wir uns wild. Ich beginne, an Bills Gürtelschalle herumzufummeln, als plötzlich etwas gegen die Scheibe klopft und wir gleich darauf von etwas hellem geblendet werden. Bill schreit erschrocken auf. Er hebt den Kopf, verdreht die Augen. Ich schiele nach oben und kann das besorgte und zugleich verwunderte Gesicht eines Mannes am Fenster erkennen, welcher mit seiner Taschenlampe ins Innere unseres Autos leuchtet. Ich greife nach unseren T-Shirts und werfe Bill, welcher nun vor mir auf dem Sitz kniet, seines zu. Ich setze mich hin und ziehe mir meins ebenfalls über. Nachdem wir beide wieder angezogen sind, öffne ich die Tür, vor der noch immer der Mann steht, inzwischen breit grinsend. „Hatten sie eine Panne?“, fragt er grinsend. Hinter mir höre ich Bill etwas unverständliches murmeln, was nicht gerade freundlich klingt. „Ja, der Motor ist ausgefallen.“, erkläre ich noch immer ausser Atem. „Soll ich einen Abschleppwagen rufen?“, bietet der Mann an. Ich nicke dankbar. „Das wäre super!“ Der Mann geht zu seinem Jeep zurück, und ich steige aus dem Wagen. Ich drehe mich um und sehe zu Bill, welcher schmollend im Auto sitzt. „Warum musste der Typ gerade jetzt kommen?“, fragt er grimmig. Ich lache. „Jetzt komm schon raus da!“ Er murmelt noch irgendwas, greift nach seiner Jacke und öffnet dann die andere Tür, um auszusteigen. Nach einigen Minuten kommt der Mann zurück. „Die schicken erst morgen n Abschleppwagen. Soll ich sie nach Hause fahren?“, bietet er an. Wir stimmen zu. Ich schliesse noch Simones Wagen ab, und Bill und ich folgen dem Mann zu seinem Jeep.

Bill:

Ungefähr 20 Minuten später erreichen wir Loitsche. Der Mann hält vor unserem Haus an, und wir steigen aus dem Wagen. Georg bedankt sich noch bei unserem „Retter“, während ich bereits langsam auf die Haustür zugehe. Inzwischen ist es stockdunkel draussen, und ich bin gar nicht so unglücklich, nicht mehr im Wald festzusitzen. Auch wenn sich dieser Typ einen besseren Zeitpunkt hätte aussuchen können, um uns zu retten… Ich öffne die Haustür und warte auf Georg. Gemeinsam gehen wir ins Haus. Im Flur kommt uns Tom entgegen, fertig gestylt für eine Party. Er mustert uns einen Moment. „Was habt ihr denn gemacht?“ Georg und ich sehen uns einen Moment lang fragend an, wobei ich feststelle, dass er sein T-Shirt mit den Nähten nach aussen an hat. Ich grinse, doch auch Georg sieht mich amüsiert an. Ahnend hebe ich die Hand und taste vorsichtig meine Haare ab. Wie befürchtet stehen sie in alle Himmelsrichtungen ab. „Naja, ich geh dann mal…“ Tom drängelt sich an uns vorbei und geht zur Tür. Georg und ich machen uns auf den Weg zur Treppe. „Ach, und Bill!“ Ich drehe mich noch einmal zu Tom, welcher in der offenen Tür steht. „Du sollst Mum anrufen.“ Und schon ist er aus der Tür verschwunden. In mir macht sich ein mulmiges Gefühl breit. Ich drehe mich um und gehe in die Küche zurück und nehme das Telefon. Bestimmt hat sie sich totale Sorgen um uns gemacht… Es klingelt ein paar Mal, dann nimmt meine Mutter ab. Sie klingt erst etwas wütend, doch als ich ihr erkläre, dass Georg seine Angst überwunden hat und was mit dem Auto passiert ist, beruhigt sie sich schnell. Ich erfahre zudem, dass sie bei einer bekannten übernachtet. Dann verabschiede ich mich von ihr und lege auf. „Und, ist sie sehr wütend?“, höre ich Georg hinter mir fragen. Ich lege das Telefon wieder auf den Tisch und drehe mich um. „Nein. Sie freut sich, dass du deine Angst überwunden hast. Und das mit dem Wagen ist auch nicht so schlimm.“ Ich gehe zu ihm und umarme ihn. Nach einer Weile lasse ich ihn wieder los und grinse ihn schelmisch an. „Wollen wir nach oben und da weitermachen, wo wir vorhin unterbrochen wurden? Schliesslich ist keiner hier, der uns stören könnte…“ Auch Georg beginnt nun zu grinsen. „OK…“ Ich nehme seine Hand, und wir gehen die Treppe hoch in mein Zimmer. Obwohl wir alleine zu Hause sind, schliesse ich die Zimmertür ab. Dann umarme ich Georg, küsse ihn wild und schubse ihn vorsichtig rückwärts auf das Bett zu. Dann versetze ich ihm einen Stoss, woraufhin er auf das Bett fällt und mich mit sich zieht. Sofort lasse ich meine Hände unter sein T-Shirt gleiten, noch immer küssen wir uns leidenschaftlich. Ich streichle seinen Oberkörper, sauge mich leicht an seinem Hals fest, was ihn leicht aufstöhnen lässt. Er greift nach dem Saum meines T-Shirts, zieht es nach oben. Ich lasse kurz von ihm ab, damit er es mir über den Kopf ziehen kann. Auch ich beginne nun, Georgs T-Shirt nach oben zu schieben, während sich unser Lippen wieder zu einem wilden Kuss finden. Ich schiebe mein Hände unter Georgs Rücken und animiere ihn somit dazu, seinen Oberkörper ein wenig anzuheben, damit auch ich ihn von seinem Shirt befreien kann. Dann drücke ich ihn wieder sanft aufs Bett zurück und beginne, seinen Oberkörper mit Küsschen zu bedecken, wandere langsam weiter hinunter zu seinem Bauch. Während ich diesen ebenfalls mit kleinen Küssen übersähe, öffne ich seine Hose, schiebe sie ihm hinunter und lasse sie ebenfalls zu unseren T-Shirts auf den Boden fallen. Dann betrachte ich Georg einen Moment, wie er scheinbar hilflos vor mir liegt. Seine Brust hebt und senkt sich schnell, sein Körper ist schon mit ein wenig Schweiss bedeckt. In seiner Boxershorts hat sich bereits eine Beule gebildet. Ein lächeln huscht über meine Lippen, als ich wieder über ihn klettere und mich auf sein Becken setze. Georg stöhnt auf, und auch mir entfährt ein Seufzer. Ich beuge mich zu ihm hinunter, küsse ihn. Seine Hände legen sich wieder auf meinen Rücken, gleiten dann langsam hinunter zum Bund meiner Hose und diesem entlang nach vorne, woraufhin er meine Gürtelschnalle und die Hose öffnet. Ich lasse mich kurz neben ihn fallen, um mir das überflüssige Kleidungsstück auszuziehen. Georg dreht sich auf die Seite und küsst mich, während ich meine Jeans hinunterschiebe und sie mir von den Beinen strample. Ich lege meine Arme wieder um Georg und drehe ihn zurück auf den Rücken, klettere über ihn. Während ich ihn wieder wild küsse, lasse ich langsam mein Becken auf seins sinken. Wir stöhnen beide laut auf. Georg krallt sich leicht in meinen Rücken. Ich beginne, mein Becken vorsichtig zu bewegen, und wieder müssen wir beide laut stöhnen. Meine Hände streicheln über Georgs inzwischen schweissbedeckten Oberkörper. Ich verändere leicht meine Position, sodass ich nun mehr oder weniger auf ihm liege. Ich lasse meine Hand über Georgs Bauch und schliesslich in seine Boxershorts gleiten. Wieder entfährt Georg ein Stöhnen. Ich streiche mit meinen Fingerspitzen über seine Erregung, umfasse sie schliesslich und reibe vorsichtig daran. Ich will ihm auf keinen Fall weh tun… Doch den Geräuschen, die er von sich gibt, nach zu schliessen, scheinen ihm meine Taten nicht unangenehm zu sein. Dann beschliesse ich, aufs ganze zu gehen. Ich ziehe meine Hand aus Georgs Boxershorts und ziehe ihm das letzte störende Stoffstück vom Körper. Auch mich befreie ich von den Shorts und lasse dann meine Hände zwischen Georgs Beine gleiten, was ihn wieder aufstöhnen lässt. Ich dringe vorsichtig mit dem Finger in ihn ein, bewege mich vorsichtig in ihm, womit ich ihm noch mehr Laute des Wohlgefallens entlocke. Dann entziehe ich ihm meine Finger wieder, streichle seinen Oberkörper und küsse ihn leidenschaftlich. Dringe vorsichtig in ihn ein, wobei ich laut aufstöhne. Ich halte einen Moment inne, betrachte Georgs Gesicht, kann darin jedoch keine Anzeichen, dass ich ihm irgendwie weh getan habe, erkennen. Ich beginne, mich erst langsam und vorsichtig, dann immer schneller in ihm zu bewegen. Immer wieder stöhne ich laut auf, doch auch Georg ist nicht gerade leise. Wieder umfasse ich mit der Hand sein bestes Stück, reibe immer stärker daran, als ich merke, dass mein Höhepunkt näher rückt. Schliesslich kommen wir gleichzeitig mit einem lauten Stöhnen. Erschöpft lasse ich meinen Kopf auf seine Schulter sinken, mein Herz und mein Atem rast. Georg legt seine Arme um mich, zieht mich fest an sich. „Ich liebe dich!“, flüstert er mir heiser ins Ohr, auch sein Atem geht schnell. „Ich liebe dich auch!“, flüstere ich zurück. Noch lange liegen wir engumschlungen da, ohne etwas zu sagen und somit diese einzigartige Atmosphäre zu zerstören. Bis mir irgendwann die Augen zufallen.

Georg:

„Mensch, wo bleiben die?“, höre ich Gustav auf dem Rücksitz meckern. Ich grinse. „Sie sind bestimmt gleich da.“, antworte ich und lehne mich gelassen zurück. Irgendwie kommt mir diese Situation bekannt vor. Es ist dieselbe Situation wie am Tag, an dem wir den Unfall hatten. Oder zumindest fast. Sechs Monate ist es nun her, sechs Monate, in denen viel passiert ist. Noch immer denke ich oft an den Unfall, wie er mein Leben verändert hat. Durch ihn sind wir als Band noch fester zusammengeschweisst worden, er hat die Freundschaften unter uns verstärkt. Ausserdem haben wir gelernt, auf Kleinigkeiten zu achten, denn wir wussten nun, wie schnell es gehen kann, bis jemandem etwas zustösst. Und wir konnten nicht jedes Mal soviel Glück haben wie bei unserem Unfall. Es kommt noch manchmal vor, dass ich mitten in der Nacht schweissüberströmt und in Panik aufwache, weil ich mal wieder davon geträumt habe, doch diese „Anfälle“ werden immer seltener und schwächer. Auch habe ich „dank“ dem Unfall meine Grosse Liebe gefunden. Ich habe noch nie einen Menschen so sehr geliebt wie Bill, er ist der wichtigste Mensch in meinem Leben, und ich würde echt alles für ihn tun. Ich habe das Gefühl, dass meine Liebe zu ihm jeden Tag, je länger und besser ich ihn kenne, grösser wird, auch wenn wir uns manchmal streiten dass nur noch so die Fetzen fliegen. Und uns gleich darauf mit Tränen in den Augen um den Hals fallen und uns sagen, wie sehr wir uns lieben. Inzwischen machen wir kein Geheimnis daraus, dass wir zusammen sind. Unsere Umgebung hat es zum Glück sehr gut aufgenommen, und auch die meisten Fans sind uns nach dem anfänglichen Schock zur Seite gestanden. Und auch wenn wir zwischendurch Leuten begegnen, welche das ganze nicht so toll finden, kann uns nichts auf der Welt trennen. Ich höre, wie die Tür geöffnet wird, und sehe nach hinten. Tom ist gerade eingestiegen. Wir begrüssen uns mit einem Handschlag. „Sorry, dass ihr warten musstet… Bill hat wie üblich das Bad blockiert…“, erklärt er und verdreht die Augen. Ich lache, und auch Gustav kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Beifahrertür wird aufgerissen, und Bill lässt sich auf den Sitz sinken. „Hey…“ Er begrüsst Gustav ebenfalls mit einem Handschlag und beugt sich dann zu mir rüber. Wir küssen uns, und in mir beginnt wie immer alles zu kribbeln, wenn auch etwas heftiger als sonst, was wohl noch mit der Vorfreude auf die Party zusammenhängt. Ich schliesse die Augen und lasse sie geschlossen, bis sich Bills Lippen wieder von meinen lösen. Ich drehe den Schlüssel im Zündschloss und fahre aus der Einfahrt. Die untergehende Sonne taucht die Landschaft in ein rotes Licht, und ich fühle Bills Hand auf meiner. Ich lächle, wieder kribbelt alles in mir. Hinter mir höre ich Tom und Gustav rumalbern und lachen, und die Vorfreude in mir steigt. Ich drehe meinen Kopf kurz zu Bill, lächle ihm zu. Er lächelt zurück. Wieder einmal habe ich das Gefühl, auf einer Welle der Glücksgefühle zu fliegen. Das wird bestimmt ein toller Abend werden…

~Ende~

Hier noch ein kurzes Nachwort: Vor einigen Wochen habe ich am Montag Morgen eine E-Mail von Nathalie, der Besitzerin meiner Reitbeteiligungen, bekommen. Sie schrieb mir darin, dass Ariva, das Pferd, welches ich ritt, einige Tage zuvor mit hohem Fieber und völlig orientierungslos in ihrer Box stand und starke Schmerzen hatte. Nathalie reagierte sofort und rief den Tierarzt, welcher bei ihr Mondblindheit feststellte. Dies ist eine Augenkrankheit, ein Virus, welches das Pferd nach und nach schubweise erblinden lässt. Allerdings ist die Krankheit bei Ariva nicht schubweise aufgetreten, sondern sie ist mit einem Mal völlig erblindet. Dank Nathalies schneller Reaktion konnte sie jedoch von ihren Schmerzen befreit werden, wird jedoch nie wieder sehen können. Als ich das nächste Mal reiten ging, war ich überrascht, wie gut sich Ariva zurechtfand. Sie hat völliges Vertrauen zu den Menschen und wird inzwischen sogar wieder geritten. Ihre Lebensfreude hat überhaupt nicht nachgelassen, sie benimmt sich trotz ihrer 18 Jahre noch immer wie eine kleine Rakete, es kann ihr kaum schnell genug gehen wenn wir ausreiten. Dank Ariva bin ich auf die Idee für diese Geschichte gekommen. Ich habe mir sehr viele Gedanken gemacht, wie es wohl ist, plötzlich einfach im Dunkeln zu stehen und sich auf seine anderen Sinne verlassen zu müssen. Ich habe mich stark mit dem Thema beschäftigt und bin froh, dass das Ergebnis bei euch so gut angekommen ist. Eure Novy